Was Heilberuflern wichtig ist und wie sie arbeiten wollen

27 Februar, 2020 - 11:17
Dr. Sabine Glöser / Stefanie Hanke

Heilberufler sind mit ihrem Job weniger zufrieden als noch im Jahr 2016. Während jetzt nur noch eine knappe Mehrheit von 55 Prozent zufrieden ist, waren es 2016 noch 62 Prozent. Vor allem unter den Frauen ist die gute Stimmung gesunken. Zumindest legt das die Studie „Inside Heilberufe“ der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) nahe.

Das von der Bank beauftragte Institut DocCheck Research befragte dazu 500 Heilberufler nach ihren Werten, Zielen und Wünschen. Darunter waren Apotheker, Ärzte, Zahnärzte sowie Medizin-, Zahnmedizin und Pharmaziestudierende.

Für 93 Prozent der Befragten sind Familie und Partnerschaft das Wichtigste im Leben. Finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge haben mit 87 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016 leicht an Bedeutung gewonnen. Eines der wichtigsten Anliegen der Heilberufler ist nach wie vor, Menschen zu heilen und zu helfen (83 Prozent). Auf der Werteskala rangiert dieses Anliegen noch vor der eigenen Gesundheit (79 Prozent) und der Freizeit (77 Prozent).

Was ist wichtig im Leben?

Vorherrschend bleibt der Wunsch nach weniger Dokumentation, Verwaltungsarbeit und staatlicher Regulierung (90 Prozent) sowie das große Bedürfnis nach mehr Zeit für den Patienten (66 Prozent). Ein höheres Einkommen wünschen sich vor allem Angestellte (81 Prozent). Zudem gehören mehr Freiheit und Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit (63 Prozent) und mehr Unabhängigkeit bei beruflichen Entscheidungen (61 Prozent) zu den wichtigen Anliegen. Bei der Frage nach Plänen für die kommenden Jahre zeigt sich: Frauen planen eher eine berufliche Veränderung oder einen Karrieresprung als Männer. Bei den Themen rund um Familie und Kinder fällt auf: Seit der letzten Befragung 2016 hat sich hier einiges bewegt. Nur noch für 18 Prozent der Frauen steht Familiengründung in den kommenden drei Jahren an (2016: 27 Prozent). Auch Kindererziehung wird mit 27 Prozent der befragten Frauen seltener genannt (2016: 31 Prozent). Bei Männern dagegen ist der Anteil derjenigen, die sich in der nahen Zukunft ihren Kindern widmen wollen, von 16 Prozent auf 20 Prozent gestiegen.

Was haben Sie in den nächsten Jahren vor?

Bei den Nachwuchsmedizinern zeigt sich: Die Studierenden wollen künftig vor allem genug Zeit haben, um ihren Patienten gerecht zu werden (76 Prozent). Außerdem legen sie großen Wert auf gute Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung. Themen wie internationaler Austausch, Innovationen bei digitalen Gesundheitsleistungen und die Sicherung des Gesundheitswesens als Solidarsystem sind dagegen weniger wichtig.

Wünsche der Studierenden für ihre berufliche Zukunft

Dass die Zufriedenheit der Heilberufler gesunken ist, wundert den Vorstandsvorsitzenden der Apobank, Ulrich Sommer, nicht. So stünden Veränderungen an, die durch viele Gesetze, ökonomischen Druck und die Digitalisierung getrieben werden. Wichtig sei daher sich anzuschauen, wie Heilberufler leben und arbeiten wollen. „Laut unserer Studie ist es vor allem eine Arbeitsumgebung, die Familie und Privatleben als oberste Priorität respektiert, die mehr Zeit für den Patienten und weniger für die Bürokratie vorsieht und eine flexible und freie Arbeitszeitgestaltung zulässt.“

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