Patientenbrief verbessert Gesundheitskompetenz

22 Februar, 2020 - 14:27
Dr. Sabine Glöser / Stefanie Hanke
Patientenbriefe werden von vielen Patienten akzeptiert und dienen als wichtige Informationsquelle – auch für Angehörige.

Patientenbriefe verbessern das Verständnis ärztlicher Informationen und stärken die Gesundheitskompetenz der Patienten. Diese verstehen ihre Diagnosen, Untersuchungen und Medikationspläne besser und gewinnen dadurch Sicherheit im Umgang mit ihrer Erkrankung und Behandlung. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsprojekt des gemeinnützigen Unternehmens „Was hab’ ich?“.

Hier die Key Facts zur Studie:

  • Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 71 Jahre alt und hatten einen mittelmäßigen bis schlechten Gesundheitszustand.
     
  • 79 Prozent der Teilnehmer erinnerten sich an gar kein oder nur an ein kurzes Entlassgespräch.
     
  • Der Patientenbrief führt zu besserem Verständnis der Untersuchungsergebnisse.
     
  • Patienten verstehen durch den Patientenbrief Indikation und Einnahmevorschriften von Medikamenten besser.
     
  • Wenn sie einen Patientenbrief erhalten, fühlen sich Patienten im Krankenhaus rücksichtsvoller behandelt und bei der Entlassung besser unterstützt. Sie empfehlen die behandelnde Klinik häufiger weiter.
     
  • Patientenbriefe werden von fast allen Patienten und in vielen Fällen auch von Angehörigen gelesen.

Von November 2015 bis April 2018 erhielten 2.500 Patienten der Abteilung Innere Medizin der Paracelsus-Klinik in Bad Ems zusätzlich zum ärztlichen Entlassbrief einen Patientenbrief. Er enthielt leicht verständliche Informationen über das jeweilige Krankheitsbild, Untersuchungen, Behandlungen und Medikationsplan. Je nachdem, ob die Studienteilnehmer der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeordnet waren, bekamen sie vor oder nach dem Versand des Patientenbriefs einen Fragebogen zugeschickt. 417 beantwortete Fragebögen flossen in die Auswertung ein.

Den Ergebnissen zufolge trifft der Patientenbrief auf eine große Akzeptanz. 86,6 Prozent der Patienten gaben an, den Brief ausführlich gelesen zu haben.

 

Die Studienteilnehmer bewerteten ihn als verständlich, informativ und hilfreich. Knapp zwei Drittel (63,8 Prozent) gaben an, die Untersuchungsergebnisse voll und ganz verstanden zu haben. In der Kontrollgruppe waren es nur 42,3 Prozent.

Auch hat der Brief der Studie zufolge Unsicherheiten nach dem Klinikaufenthalt reduziert und zudem dazu beigetragen, dass sich die Patienten von der Klinik besser unterstützt und rücksichtsvoller behandelt fühlten: Mehr als zwei Drittel (68,5 Prozent) der Patienten mit Patientenbrief gaben an, immer mit Aufmerksamkeit und Rücksicht behandelt worden zu sein. In der Kontrollgruppe empfanden das nur 57,6 Prozent der Patienten (p=0,37). Wer einen Patientenbrief bekommen hat, würde das Krankenhaus daher auch häufiger weiterempfehlen.

 

Um künftig alle Patienten nach einem Kranken­haus­auf­enthalt mit einem verständlichen Entlassbrief versorgen zu können, müsse der Patientenbrief massentauglich werden, heißt es von "Was hab' ich?". Dazu hat das Unternehmen bereits eine Software entwickelt, die individuelle Patientenbriefe automatisch anhand der Daten im Krankenhausinformationssystem erstellen kann. Sie enthält bereits mehrere Tausend Texte, mit denen Erkrankungen, Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten verständlich erklärt werden können. Schon jetzt sind 21.500 endständige ICD- und OPS-Codes in der Software erfasst.

Die Software soll an jeder Klinik eingesetzt werden können – ohne Mehrbelastung für Ärzte. „Unser Ziel ist es, in naher Zukunft alle Patienten mit einem Patientenbrief zu versorgen. Er sollte selbstverständlicher Bestandteil eines jeden Entlassprozesses sein“, sagte der Geschäftsführer von „Was hab’ ich?“, Ansgar Jonietz. 

Zusammenfassung: Das sind die Vorteile eines Patientenbriefs

  1. Patienten weisen einen großen Bedarf nach Verbesserung der Patienteninformation auf. Leicht verständliche Patientenbriefe erfreuen sich großer Akzeptanz durch die Patienten und dienen als wichtige Informationsquelle – auch für Angehörige.
     
  2. Der Patientenbrief unterstützt Patienten beim Verständnis ärztlicher Informationen sowie Therapieempfehlungen und reduziert somit Unsicherheiten im Umgang mit Erkrankung und Therapie.
     
  3. Der Patientenbrief ist ein wirksames Instrument zur Förderung der Gesundheitskompetenz von Patienten. Die Beurteilung lang fristiger Auswirkungen des Patientenbriefes auf die Gesundheitskompetenz erfordert weitere Forschung.
     
  4. Der Patientenbrief steigert die Patientenzufriedenheit, die Weiterempfehlungsrate und somit die Reputation der Klinik.
     
  5. Der Patientenbrief trägt dazu bei, die Lücke zwischen stationärem und ambulantem Gesundheitssektor zu schließen.
     
  6. Der Patientenbrief stärkt die Autonomie des Patienten. Er befähigt zur partizipativen Entscheidungsfindung.

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