Sophienklinik Hannover: Vernetzte Funksensoren sorgen für Klimaschutz

11 November, 2020 - 06:13
Silja Elfers
Carlo Brauer, MHBA, Ärztlicher Geschäftsführer, Manuel Demes, Kaufmännischer Geschäftsführer, Dr. Stephan J. Molitor, Ärztlicher Geschäftsführer (v.l.)

Klimaschutz, Mitarbeiterschutz und intelligente Technologien verbindet die Sophienklinik in Hannover miteinander. Smarte Temperatursensoren und vernetzte Funksensoren gehören hier schon zum Alltag der Mitarbeitenden. Die drei Geschäftsführer erklären im Interview, wie sich das Klinikum positioniert.

Die Sophienklinik stellt sich umfassend als smartes und grünes Klinikum auf. Beginnen wir mit dem Aspekt „Green Hospital“. Wie setzen Sie sich für den Klimaschutz ein?

Dr. Stephan J. Molitor: Bereits beim Bau des neuen Klinikgebäudes wurde auf den Umweltschutz geachtet und ressourcenschonend gebaut. Wir wollten uns aber noch stärker als bisher für den Klima- und Gesundheitsschutz engagieren. So haben wir uns – als erstes Krankenhaus in Hannover – entschlossen, am Projekt KLIK green teilzunehmen.  Krankenhäuser sind verantwortlich für die Produktion von 4,4 Prozent der globalen Treibhausgase wie CO2 – das liegt über den Emissionen von Schifffahrt und Flugverkehr! Wir als Krankenhaus können daher durch einen klug geregelten Ressourceneinsatz einen ganz erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Alleine das Einsparpotenzial im Bereich Energie liegt durchschnittlich bei bis zu 10 Prozent, da die Häuser permanent Strom, Kälte und Wärme benötigen.

Wie setzen Sie das Klimaprojekt organisatorisch um?

Dr. Stephan J. Molitor: Dazu bilden wir eine Mitarbeiterin zur Klimamanagerin aus und haben eine Projektgruppe ins Leben gerufen, um die konkreten Klimaschutzziele für unsere Einrichtung festzulegen, klimafreundliche Maßnahmen zu planen und umzusetzen. So sind wir unter dem Motto „Sophienklinik goes KLIK green!“ auf dem Weg zum Green Hospital!  Erste Maßnahmen konnten bereits erfolgreich umgesetzt werden: Wir haben von Plastik- auf Glasflaschen umgestellt, die Mülltrennung optimiert und verwenden Recycling- statt Frischfaserpapier. Aber das ist erst ein Anfang – wir haben viele weitere Ideen, die nun nach und nach auf Umsetzung geprüft werden.

Bei „KLIK green“ spielt auch der Mitarbeiterschutz eine wichtige Rolle, bitte beschreiben Sie das genauer.

Carlo Brauer: Klimaschutz bedeutet Gesundheitsschutz!  Wir möchten das Klimaschutz-Engagement unserer Mitarbeiter fördern und den Gesundheitsschutz im Rahmen von Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement stärken. So haben wir im Sommer die Aktion „Ab aufs Rad“ gestartet: Hier waren alle Mitarbeiter aufgefordert, möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen und gleichzeitig etwas für ihre Gesundheit tun. Wir haben uns schon immer mit der Gesundheitsförderung unter verschiedenen Prämissen beschäftigt: Die Wände und Flure unserer Klinik sind durch ein dezentes Farbspiel gekennzeichnet, welches unter den Begriff „Healing Art“ fällt. Diese Art der Wandgestaltung basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und soll sowohl heilungsfördernd als auch beruhigend wirken. Im Herbst starten wir nun mit Teil 2 des Projekts – nun wird unter anderem die Gestaltung der Funktionsräume in Angriff genommen.

Ein weiteres Projekt haben Sie in diesem Jahr gestartet: Sie arbeiten mit dem hannoverschen Energiedienstleister enercity bei der Implementierung intelligenter technischer Neuerungen im Klinikum zusammen. Bei welchen zum Beispiel?

Manuel Demes: Gesundheits-, Arbeits- und Klimaschutz schließen sich nicht aus, sondern beeinflussen sich wechselseitig positiv. Drei Beispiele:

  • Mittels intelligent vernetzter Funksensoren werden die Patienten- und Dienstzimmer sowie Funktionsräume auf den CO2-Gehalt, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit überwacht. Werden definierte Grenzwerte über- oder unterschritten, erfolgen ein visueller Warnhinweis im Stationszimmer und eine SMS-Nachricht an das Pflegepersonal. Die lästige manuelle Überprüfung der Parameter entfällt, der gesundheitsförderliche Wohlfühlfaktor für Patienten, Ärzte, Mitarbeiter und Besucher steigt.
  • Darüber hinaus werden im Medikamentenkühlschrank smarte Temperatursensoren installiert. Die Einlagerungsbedingungen von Blutprodukten und Medikamenten können somit konsequent überwacht werden. Auch hierbei erfolgt ein elektronischer Warnhinweis bei der Abweichung von definierten Grenzwerten, sollte der Schrank längere Zeit offenstehen oder defekt sein. Zudem lässt sich der Temperaturverlauf im Bedarfsfall digital dokumentieren.
  • Einen Beitrag zum Klimaschutz leisten Temperaturfühler in den Flurbereichen des Krankenhauses. Sie sorgen dafür, dass die dort installierten Heizkörper auf geeignete Temperatur geregelt werden und so der Energieverbrauch optimiert wird.

Können durch diese vernetzten Lösungen Ärzte und Pflegekräfte im Arbeitsalltag entlastet werden?

Dr. Stephan J. Molitor: Natürlich versprechen wir uns durch den Einsatz dieser Technologien nicht nur mehr Komfort und Effizienz, sondern auch eine Entlastung unserer Mitarbeiter. Diese können sich dann verstärkt ihren eigentlichen Aufgaben, der Behandlung und Versorgung unserer Patienten, widmen. Bei besseren klimatischen Rahmenbedingungen erhoffen wir uns aber auch eine nachhaltige Stabilisierung des Gesundheitszustandes der Mitarbeiter. Zudem geben die neuen Technologien die Möglichkeit, steuernd auf die Gesundheit der Patienten mit Einfluss zu nehmen. So werden die Mitarbeiter verstärkt in den Lenkungsprozess der Gesundung der Patienten mit einbezogen.

Sie sprachen eben davon, dass Sie eine Mitarbeiterin zur Klimamangerin ausbilden.   Welche weitere  Expertise muss man für eine solche Implementierung bzw. Instandhaltung des vernetzten Krankenhauses an Bord haben? Braucht es beispielsweise auch neue Berufsbilder wie einen Digitalmanager?

Manuel Demes: Jetzt, im Anfangsstadium, werden wir das Projekt zunächst mit unserem Personal, allen voran natürlich mit unseren Haustechnikern, abbilden. Zudem können wir auf die Fachexpertise von enercity bauen. Mittelfristig muss man sehen, ob hier eine neue Stelle geschaffen werden muss, so auch unter Berücksichtigung weiterer anstehender Digitalisierungsprojekte. Denn die Digitalisierung in der Medizin wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Vorteile von digitalen Anwendungen zu nutzen und gleichzeitig den Menschen, sprich den Patienten, aber auch die Mitarbeiter, noch viel stärker als bisher in den Fokus zu stellen – das ist unser Ziel. Wichtig ist uns dabei aber auch, dass die Patienten und Mitarbeiter durch die smarte Technik unterstützt und nicht überfordert werden!

Werden Sie durch die Neuaufstellung künftig attraktiver für neues Personal? Es ist  vorstellbar, dass potenzielle Kandidaten die Entlastung durch Technik und auch das Nachhaltigkeitsengagement zu schätzen wissen.

Carlo Brauer: Die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit gewinnen immer mehr an Bedeutung – gerade auch bei der jüngeren Generation. Dass wir hierauf besonderen Wert legen, macht uns als Arbeitgeber sicher attraktiver und verbessert unsere Chancen bei der Personalgewinnung. Hinzu kommt, dass durch den „Smart Hosital“-Aspekt auch Erleichterungen im Rahmen der täglichen Arbeit einhergehen. Eine Projektgruppe beschäftigt sich derzeit damit, wie man diese Maßnahmen kommunizieren kann – so werden wir hierauf in unseren Stellenanzeigen aufmerksam machen und natürlich auch auf unserer Website das Thema transparent gestalten.

Wo sehen Sie noch Bedarf für weitere Internet-of-Things- (IoT-)Projekte?

Carlo Brauer: Nach erfolgreicher Umsetzung der Auftaktprojekte möchten wir gerne zusammen mit enercity weitere IoT-Lösungen einsetzen. Potenziale sehen wir etwa bei der elektronischen Erfassung der Kundenzufriedenheit und Servicequalität sowie in den Bereichen Abfall-, Parkraum- und Beleuchtungsmanagement. Zusätzlich wird enercity in Kürze eine E-Ladesäule auf unserem Parkplatz installieren, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Mittelfristig ist beabsichtigt, den gesamten Fuhrpark der Klinik auf Elektromobilität umzustellen.
 


Die Klinik:

Die Sophienklinik in Hannover, gegründet 1951, gehört nach eigenen Angaben zu den größten und ältesten Belegarztkrankenhäusern Deutschlands. In den zehn Fachabteilungen (Allgemeinchirurgie, Anästhesie, Augenheilkunde, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Innere Medizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Plastische und Ästhetische Chirurgie und Urologie) arbeiten Belegärzte aus mehr als 50 Praxen zusammen mit Pflegeteams. Im September 2017 entstand der Neubau der Sophienklinik mit insgesamt 128 Betten.

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