Dr. med. Ulrich W. Kastner: „Management ist keine bürokratische Last“

9 Juni, 2026 - 14:01
Dr. Sabine Glöser
Karriere konkret: Dr. med. Ulrich W. Kastner
Dr. med. Ulrich W. Kastner ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Sucht, Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum am Europakanal Erlangen.

Wer im Krankenhaus Karriere machen will, braucht neben fachlichen Qualifikationen auch andere Fähigkeiten. Dr. med. Ulrich W. Kastner, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Sucht, Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum am Europakanal Erlangen, berichtet über seine Erfahrungen auf dem Weg nach oben.

Herr Dr. Kastner, was braucht es neben der fachlichen Leistung, um Chefarzt zu werden?

Dr. med. Ulrich W. Kastner: Entscheidend ist die Fähigkeit, die Komplexität eines Kliniksystems zu verstehen. Das ist vor allem wichtig, um Konflikte frühzeitig zu erkennen, die sich aus unterschiedlichen Interessen, impliziten Dynamiken in den Teams sowie der Spannung zwischen patientennaher Versorgung, ökonomischen Vorgaben und Qualitätsansprüchen ergeben.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Medizin und Management?

Dr. med. Ulrich W. Kastner: Das sind zwei Perspektiven auf dieselbe Aufgabe. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Patientinnen und Patienten eine qualitativ hochwertige und menschliche Behandlung erfahren. Management ist keine bürokratische Last, sondern Gestaltungsmöglichkeit.

Was ist für Sie die größte nicht fachliche Herausforderung im Klinikalltag?

Dr. med. Ulrich W. Kastner: Die größte Herausforderung ist, Ambivalenzen auszuhalten und produktiv zu machen. Denn die Erwartungen des Trägers, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und unsere Verantwortung gegenüber Patientinnen und Patienten passen leider nicht immer nahtlos zusammen.

Warum interessieren sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte für eine Karriere im Krankenhaus?

Dr. med. Ulrich W. Kastner: Viele junge Kolleginnen und Kollegen haben ein anderes Verhältnis zu Arbeit, Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung. Das Krankenhaus als Organisation reagiert auf diese Veränderungen noch zu zögerlich.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten, die nach oben wollen?

Dr. med. Ulrich W. Kastner: Karriere in der Medizin ist die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und komplexe Systeme mitzugestalten. Eine Führungskarriere beginnt dann mit der Bereitschaft, sich selbst kritisch, aber auch wohlwollend zu reflektieren.

Dtsch Arztebl 2026; 123(12): [4] 

Das könnte Sie auch interessieren: