Komplikationen im OP belasten Chirurgen

7 Juli, 2026 - 06:45
Dr. Sabine Glöser
Erschöpfte OP-Kraft in blauer Schutzkleidung sitzt mit gesenktem Kopf in einem Operationssaal.

Komplikationen während einer Operation können nicht nur für Patienten gravierende Folgen haben, sie belasten oft auch die behandelnden Chirurginnen und Chirurgen. Viele leiden nach solchen Ereignissen unter Angst, Schuldgefühlen und Schlafstörungen. Manche denken gar über einen Berufswechsel nach. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) unlängst hingewiesen. Sie fordert für Betroffene verbindliche Unterstützungsangebote in den Kliniken.

„Chirurgie ist Hochleistungsmedizin unter maximaler Verantwortung. Wenn junge Kolleginnen und Kollegen nach schweren Komplikationen mit ihren Belastungen alleinbleiben, verlieren wir Talente – und verschärfen den ohnehin bestehenden Nachwuchsmangel“, sagte DGCH-Generalsekretär Prof. Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen. Selbst bei größter Sorgfalt ließen sich Komplikationen nicht immer vermeiden, von schweren Infektionen bis hin zum Tod von Patienten. Auch ohne Fehler könne der Ausgang einer Behandlung emotional belastend sein, etwa wenn Schwerverletzte nicht gerettet werden können.

Dabei gehe es nicht um ein Problem mangelnder individueller Resilienz, ergänzte Prof. Dr. med. Roland Goldbrunner, DGCH-Präsident 2025/2026 und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie und geschäftsführender Direktor des Zentrums für Neurochirurgie am Uniklinikum Köln. „Es ist eine Frage der Organisationskultur“, hob er hervor. Die Fachgesellschaft fordert deshalb, strukturierte Debriefings nach belastenden Ereignissen in Kliniken verbindlich zu etablieren ebenso wie niedrigschwellige psychologische Unterstützungsangebote. Außerdem sollte das Thema in der chirurgischen Weiterbildung verankert werden.

„Wir müssen genauso viel Wert legen auf die psychische Gesundheit der Operierenden wie auf die technische Sicherheit unserer Instrumente“, betonte PD Dr. med. habil. Matthias Mehdorn, viszeralchirurgischer Oberarzt am Universitätsklinikum Leipzig.

Dtsch Arztebl 2026; 123(14): [4]

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