OP-Pflege: Knappes Personal und schlechte Stimmung

7 April, 2020 - 07:12
Dr. Sabine Glöser

Auch in der OP-Pflege deutscher Krankenhäuser herrscht Personalknappheit. So sind nur 39 Prozent der Pflegekräfte der Meinung, es gebe genügend Mitarbeitende, um anfallende Arbeiten bewältigen zu können.

Das jedenfalls geht aus dem OP-Barometer 2019 hervor, das das Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) alle zwei Jahre erhebt. Im Jahr 2019 befragte das Zentrum 1 633 Pflegekräfte aus der OP- und Anästhesiepflege an deutschen Krankenhäusern über ihre Arbeitssituation.

„Auffallend ist, dass es nicht nur quantitative Faktoren sind, die das Thema Personal betreffen, sondern eben auch vermehrt qualitative Aspekte der Zusammenarbeit und der Wertschätzung des Arbeitsplatzes“, sagte Prof. Dr. Thomas Busse, Direktor des ZGWR. So empfinden der Umfrage zufolge 46 Prozent der Befragten Konflikte am Arbeitsplatz als erschwerend. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) meint, an ihrem Arbeitsplatz spiele das Thema Mobbing eine Rolle. Dies führe zu einer weiteren Entfremdung vom Arbeitgeber.

Nur 63 Prozent bereit, sich im eigenen Krankenhaus operieren zu lassen

„Wenn über 63 Prozent angeben, unter einem hohen Krankenstand zu leiden, mehr als 64 Prozent den Arbeitgeber bei einem gutem Angebot wechseln oder weit über 54 Prozent den Beruf nicht mehr im gleichen Krankenhaus ausüben würden, so spricht dies eine deutliche Sprache“, sagte Busse weiter. Im Übrigen seien nur 63 Prozent bereit, sich im eigenen Krankenhaus operieren zu lassen. Somit verwundere die Aussage nicht, dass fast die Hälfte der Befragten eine zunehmende Patientengefährdung aufgrund der aktuellen Personalsituation sehen.

Nach Datenlage des OP-Barometers 2019 scheint es dem ZGWR-Direktor zufolge große Unterschiede zwischen den einzelnen Kliniken zu geben, was Personal und Patientengefährdung angehe. „Manche Krankenhäuser haben eben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, andere wohl eher weniger“, sagte er und rät dazu, „genau hinzuschauen, in welchem Krankenhaus man sich operieren lässt“.

Dtsch Arztebl 2020; 117(15): [4]

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