Studie: Wie Führungskräfte richtig entscheiden

9 März, 2021 - 08:05
Dr. Sabine Glöser

Entscheidungsverzerrungen (Biases) wie Selbstüberschätzung, das Überschätzen von Synergieeffekten oder das selektive und voreingenommene Aufnehmen von Informationen erklären, warum selbst gestandene Manager nicht vor Fehlplanungen und falschen Entscheidungen gefeit sind. Techniken, die unter den Namen Debiasing gefasst werden, helfen diesen Verzerrungen entgegenzuwirken. Das jedenfalls ergab eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).

In einer Fragebogenstudie mit 94 Controllern und kaufmännischen Leitern deutscher Unternehmen fanden die Forscher heraus, dass in jenen Unternehmen weniger Biases auftreten, in denen Beschäftigte persönliche Risiken eingehen können und bei Fehlern nicht zuerst nach Schuldigen gesucht wird, sondern die daraus gezogenen Lehren und Chancen im Vordergrund stehen. „Ein respektvoller Umgang untereinander führt dazu, dass man sich eigene Fehler eher eingesteht und die Erkenntnis daraus im Idealfall sogar mit den Kolleginnen und Kollegen teilt“, erläuterte Dr. Maximilian Schmidt.

Um Biases zu verhindern, gibt es der Studie zufolge praktische Instrumente, beispielsweise die sogenannte Pre-Mortem-Session. Ein Team versetzt sich dabei gedanklich in die Zukunft und schaut auf ein fiktives gescheitertes Projekt zurück. Aus Sicht der Autoren hilft das, Fehlentscheidungen vorwegzunehmen und von vornherein zu verhindern. Auch dabei spiele die Unternehmenskultur eine wichtige Rolle. So würden sich Mitarbeiter zweimal überlegen, ihre Vorgesetzten auf eine Fehleinschätzung aufmerksam zu machen, wenn sie Angst hätten, dadurch ihren Job zu verlieren.

„Obwohl dem Thema hohes Potenzial zugerechnet wird, schöpfen die meisten Unternehmen dieses derzeit noch nicht voll aus“, sagte Schmidt. Für viele sei Debiasing noch neu und schwer greifbar, doch künftig werde das Thema sicher an Relevanz gewinnen. Die Studie ist in der Zeitschrift Journal of Accounting & Organizational Change erschienen (doi: https://doi.org/10.1108/JAOC-12–2019–0122).

Dtsch Arztebl 2021; 118(10): [4]

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