Umfrage: Führungskräfte entscheiden oft defensiv

19 Februar, 2020 - 15:00
Dr. Sabine Glöser

Viele Führungskräfte treffen Entscheidungen defensiv: Sie entscheiden nicht danach, welche Option die sachlich beste ist, sondern welche das geringste Risiko für sie selbst birgt. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung unter 950 Führungskräften aller Hierarchiestufen einer öffentlichen Einrichtung. Etwa 80 Prozent der Befragten haben demnach mindestens eine der zehn wichtigsten Entscheidungen der vergangenen zwölf Monate defensiv getroffen.

„Defensive Entscheidungen sind in vielen Organisationen weit verbreitet. Es gibt sie in öffentlichen Einrichtungen, in der privaten Wirtschaft genauso wie in Krankenhäusern“, sagte Florian Artinger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Selbst in den obersten Führungsebenen treffe man Führungskräfte, die viele der wichtigsten Entscheidungen nicht primär am Interesse der Organisation ausrichteten, sondern zuerst danach, sich selbst zu schützen.

Darüber hinaus fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Fehler- und Kommunikationskultur eines Unternehmens und der Häufigkeit defensiver Entscheidungen. So trafen Befragte, die die Fehlerkultur als schlecht bewerteten, häufiger defensive Entscheidungen als jene, die sie als gut empfanden. Zudem wählten Führungskräfte, die in einem Team mit einer guten Kommunikationskultur arbeiteten, weniger oft defensive Entscheidungen.

„Defensive Entscheidungen verursachen nicht nur erhebliche Mehrkosten. Sie haben auch negative Auswirkungen auf die Innovationskraft, Mitarbeiterführung oder Kundenzufriedenheit“, betonte Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und einer der Studienautoren. Statt einer Absicherungskultur sei eine Fehlerkultur nötig, damit Führungskräfte die für die Organisation besten Entscheidungen treffen. Die Studie ist im Journal Business Research erschienen (doi: 10.1007/s40685–018–0074–2).

Dtsch Arztebl 2019; 116(39): [4]

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