
Neue Arbeitsformen braucht das Land – und zwar auch für Ärztinnen und Ärzte! Langsam, aber sicher setzen sich neue Formen der Zusammenarbeit durch, nicht selten aus der Not geboren, doch ohne Druck entstehen ja bekanntlich keine Diamanten. Eine andere, neue Form der niedergelassenen Arbeit für Ärztinnen und Ärzte bietet das Unternehmen Eterno Health GmbH an.
Während es in Krankenhäusern mehr und mehr Jobsharing- und frei einteilbare Arbeitszeit-Modelle gibt, werden im niedergelassenen Bereich unterschiedlich geführte MVZ immer beliebter. Das Start-up-Unternehmen Eterno wurde von Maximilian Waldmann und Frederic Haitz gegründet, die sich fragten, wie man die Arbeit von Niedergelassenen erleichtern und den Arztberuf attraktiver machen kann. Ihre Antwort: Mit Coworking-Spaces, eingebettet in eine Art Rundum-Sorglos-Paket in Form von fertigen Arztpraxen, in die sich Medizinerinnen und Medizinern einmieten.
Mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten
Die Praxisräume (zwischen 1.500 und 2.000 m²) kommen mit einer optimierten gemeinsamen digitalen Infrastruktur, Services sowie mit standardisierten Prozessen eines professionellen Backoffices. „Wir stellen das Personal und Software, kümmern uns um Verbrauchsmaterialien wie Kanülen, die Wartung der Medizingeräte sowie Reinigungsarbeiten“, erklärt Dr. Timo Rodi, Chief Medical Officer bei Eterno Health GmbH.
Seine Kundinnen und Kunden teilen sich gemeinsame Bereiche wie Wartezimmer, Empfangsbereich und Besprechungsräume. Auch medizinische Geräte und Einrichtungen wie Laboratorien oder Bildgebungseinrichtungen können für alle bereitgestellt werden. Dies ermöglicht den Ärztinnen und Ärzten den Zugang zu hochwertigen medizinischen Ressourcen, ohne dass sie diese selbst anschaffen müssen.
Das hat viele Vorteile für die Medizinerinnen und Mediziner: Sie behalten die Freiheiten einer selbständigen Tätigkeit, nutzen lediglich die gemeinsame Infrastruktur, müssen sich aber nicht mehr um die lästigen administrativen Prozesse wie Terminplanung, Abrechnung und Patientenverwaltung kümmern. So haben sie mehr Zeit, sich auf ihre medizinische Arbeit zu konzentrieren. Zudem arbeiten sie mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen Tür an Tür, können sich austauschen oder Patientinnen und Patienten überweisen. Dies fördert den Austausch von Wissen und Erfahrungen und schafft eine kooperative Atmosphäre. Auch aus Nachhaltigkeitssicht ist die gemeinsame Nutzung von Arbeitsräumen und Ressourcen sinnvoll.
An den Bedürfnissen der Ärztinnen und Ärzte orientiert
Das Konzept trifft einen Punkt. Rodi ist selbst Mediziner und weiß um die Hürden, die sich für Kolleginnen und Kollegen oft auftun, wenn sie sich niederlassen wollen. „Man ist Arzt und soll jetzt plötzlich kaufmännisch agieren, wie ein Personaler denken oder sich um die IT kümmern. Im Studium wird so etwas aber nicht vermittelt“, gibt er zu Bedenken.
Das beste Verkaufsargument jedoch, so Rodis Erfahrung, ist die zentrale Telefonie. „Anrufe laufen nicht mehr in der Praxis ein, sondern werden von uns beantwortet. Das nimmt einen echten Stressfaktor aus den Praxen.“ Die Mitarbeitenden haben mehr Zeit, um auf die Patientinnen und Patienten einzugehen.
Eterno nimmt Fahrt auf
In den Co-Woking-Spaces sollen nicht nur Medizinerinnen und Mediziner mit ihren Praxen ein Zuhause finden, auch Physiotherapie-Praxen oder Yogastudios sollen sich ansiedeln. Die ersten Erfahrungen hat das Unternehmen schon gemacht. In Hamburg steht ein erster Eterno Hub mit 15 Ärztinnen und Ärzten, 8 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, einer Ernährungsberaterin, eine Osteopathin, 6 Yogalehrerinnen und 2 Personaltrainer. Ein zweiter Standort wurde im April 2023 mit aktuell 9 Ärztinnen und Ärzten vor Ort in Frankfurt eröffnet. Geplant sind weitere Hubs in Berlin, München und Stuttgart.
Auch für den ländlichen Raum ist das Konzept interessant sein. Hier braucht es besonders viele und möglichst unterschiedlichen Anreize für Medizinerinnen und Mediziner, sich niederzulassen. Rodi erzählt, dass sich erste Kommunen gemeldet und Interesse bekundet haben. Oft haben diese bereits Gebäude, die sie zur Verfügung stellen könnten und auch schon Ärztinnen und Ärzte an der Hand, die bereit wären, mitzumachen. Es fehlt nur noch ein Dienstleister, der alles zusammenbringt und die Organisation übernimmt. In diese Lücke stößt Eterno mit seinem Konzept.
Doch nicht nur Ärztinnen und Ärzte, die sich neu niederlassen wollen, sind an den Diensten der Firma interessiert. Auch bereits etablierte Praxen nehmen Kontakt mit Eterno auf. „Wir erleben, dass sich Praxen melden, die zwar nicht in einen Coworking-Space umziehen, allerdings unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen“, berichtet Rodi.
Fazit
Was Eterno anbietet, reiht sich ein in ein breiter werdendes Angebot von Arbeitsformen für Ärztinnen und Ärzte. Gut so, denn es braucht verschiedene Modelle, um diversen Lebensrealitäten und Bedürfnissen von Medizinerinnen und Medizinern gerecht zu werden. Eine flexible Arbeitsgestaltung ist ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit von Arbeitenden. Das gibt eben auch für Ärztinnen und Ärzte.



