Frauen in Führungspositionen: „Klares Ost-West-Gefälle“

24 Juni, 2025 - 07:22
Dr. Sabine Glöser
Medizinisches Team in einer Besprechung, bestehend aus Ärztinnen, Ärzten und Fachkräften in Arbeitskleidung, die Tablets und Notizen nutzen.

Drei regionale Faktoren haben großen Einfluss auf die Chancen von Frauen, in mittelgroßen Unternehmen eine Führungsposition zu bekleiden. Dazu gehören die allgemeine Beschäftigungsquote von Frauen, die Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen für Kinder und der Anteil an Männern, die Elternzeit nehmen. Zumindest ist das das Ergebnis einer Untersuchung von Natalie Welch, Doktorandin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier.

Die Wissenschaftlerin analysierte die Daten von 25 000 Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitenden und errechnete anhand der drei genannten Faktoren einen Wert, der aussagt, wie günstig oder ungünstig die Situation im jeweiligen Kreis für den beruflichen Aufstieg von Frauen ist.

Der Anteil an Frauen, die es in die Managementebene eines Unternehmens schaffen, hängt den Ergebnissen zufolge auch von der jeweiligen Region ab. „Wir sehen ein klares Ost-West-Gefälle“, sagte Projektleiter Prof. Jörn Block vom Forschungszentrum Mittelstand der Universität Trier. „Das ist wahrscheinlich so, weil Frauen schon zu DDR-Zeiten besser in den Arbeitsmarkt integriert waren.“ Jena beispielsweise schaffe deutschlandweit die besten Voraussetzungen für Frauen, was in fast 34 Prozent weiblichen Führungskräften resultiere. Spitzenreiter ist demnach Frankfurt (Oder) mit mehr als 46 Prozent Frauen in Führungspositionen. In Westdeutschland dagegen würden die untersuchten Faktoren oft gegen den beruflichen Aufstieg von Frauen ins Management sprechen. Gelsenkirchen zum Beispiel sei Schlusslicht, was die Rahmenbedingungen angehe. Im Ergebnis führe das zu nur 19 Prozent Frauen in der Chefetage.

Für die Politik ergeben sich der Autorin zufolge mehrere Möglichkeiten zu handeln. So sollte sie kulturelle und strukturelle Hindernisse für Frauen thematisieren, mehr Betreuungsplätze schaffen und flexiblere Arbeitsbedingungen möglich machen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Review of Regional Research erschienen (DOI: 10.1007/s10037–025–00228–0).

Dtsch Arztebl 2025; 122(13): [4]

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