In hoch qualifizierten Jobs erhalten Frauen weniger Geld

30 März, 2021 - 08:35
Dr. Sabine Glöser
Gender-Pay-Gap

Frauen sind inzwischen deutlich häufiger in hoch bezahlten Berufen zu finden als noch Ende der 1980er-Jahre. Doch werden sie in diesen Jobs tendenziell schlechter bezahlt als Männer. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Den Ergebnissen zufolge ist der Anteil von Frauen in den oberen 20 Prozent der Berufe mit dem höchsten Stundenlohn seit Ende der 1980er-Jahre von 21 Prozent auf 37 Prozent gestiegen. In Berufen mit geringeren Stundenlöhnen hat der Anteil der weiblichen Beschäftigten nur von 42 Prozent auf knapp 52 Prozent zugelegt. Im oberen Fünftel der Einkommensverteilung hat sich der Anteil von Frauen ebenfalls erhöht, doch nur von 20 Prozent auf 30 Prozent. Zudem ist ihr Anteil in Jobs, in denen man vor allem kognitiv arbeitet und nur wenige Routinetätigkeiten anfallen, von knapp 29 Prozent auf gut 42 Prozent gestiegen. In Berufen, in denen es überwiegend um Routinetätigkeiten geht, hat sich der Frauenanteil nur von 33 Prozent auf 36 Prozent erhöht.

01.04.2021, Brandenburgklinik Berlin-Brandenburg
Bernau bei Berlin
01.04.2021, MEDIAN Klinik Bad Sülze
Bad Sülze

„Die Studie zeigt, dass sich gerade in hoch qualifizierten Jobs die Beschäftigung von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten sehr positiv entwickelt hat“, sagte RWI-Arbeitsmarktexperte Ronald Bachmann. „Allerdings haben nicht alle Frauen, die in den bestbezahlten Berufen arbeiten, auch den Sprung an die Spitze der Einkommensverteilung geschafft.“ Möglich sei, dass Frauen größeren Wert auf zeitliche Flexibilität legten, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, und dafür auf Geld verzichten.

Aus Sicht der Autoren spielen bei der Beschäftigung von Frauen in hoch bezahlten Jobs soziale Kompetenzen eine wichtige Rolle. Stark gestiegen sei der Anteil der Frauen in interaktiven Berufen, etwa der Anteil der Lehrerinnen, Psychologinnen, Ärztinnen oder der Frauen im Personalwesen und in der PR-Branche. Diese Entwicklung könne Frauen künftig zugutekommen. So dürften ihre Arbeitsplätze tendenziell weniger durch technologischen Wandel gefährdet sein, da sich kognitive und Nicht-Routine-Tätigkeiten schwerer automatisieren ließen als andere Jobs.

Dtsch Arztebl 2021; 118(13): [4]

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