Ratgeber Personalmanagement: Mitarbeiterführung – wie Ärzte erfolgreich führen

3 April, 2020 - 13:51
Christiane Reuter-Herkner
Christiane Reuter-Herkner ist Geschäftsführerin der Personalmanagementberatung indialogia.

Ärzte in Führungsverantwortung stehen vor der Herausforderung, vielen unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden. Christiane Reuter-Herkner, Geschäftsführerin der Personalmanagementberatung indialogia, erläutert exklusiv auf aerztestellen.de, wie Chef- und Oberärzte zu exzellenten Führungskräften werden.

1. Analysieren Sie Ihr Umfeld

Als Experte sollen Sie in Ihrem Fachgebiet nach innen und außen leuchten. Als Manager sind Sie dafür verantwortlich, mit Ihrem Team die Ziele des Krankenhausträgers zu erreichen, als Vorgesetzte koordinieren Sie Ihre Mitarbeitenden und verantworten den Teamerfolg. Meist jedoch bleiben konkrete Erwartungshaltungen unausgesprochen, von Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitenden, aber auch von anderen Berufsgruppen, mit denen Sie im Tagesgeschäft die Patienten versorgen.

Je nachdem, in welchem Umfeld Sie arbeiten, haben all diese Rollen eine unterschiedlich starke Bedeutung. Machen Sie sich daher die Erwartungshaltung der wichtigsten Menschen und Gruppen in Ihrem beruflichen Umfeld bewusst und sprechen Sie diese gegenseitig offen an. Behalten Sie auch personelle Veränderungen Ihres Umfelds im Blick.

2. Finden Sie zu Ihrem eigenen Führungsverständnis

Ihr Führungsverständnis hat eine große Bedeutung für den Teamerfolg, die Entwicklung eines jeden Einzelnen im Team, die Zusammenarbeit und den Kontakt zu Kunden und Patienten. Immer geht es darum, die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen.

Wie bedeutend die Fähigkeit zur Selbstreflektion ist, wird oft unterschätzt. Sie ist wichtig, weil die eigene Haltung das eigene Verhalten prägt. Um souverän zu führen, sollten Sie sich mit sich selbst befassen und Antworten auf diese Fragen finden: Welche Führungsaufgaben nehme ich wahr, welche machen mir mehr oder weniger Freude? Was bedeutet für mich Führung?

Kommunizieren Sie Ihre wichtigsten Werte und leben Sie diese, das schafft Vertrauen. Überlegen Sie, an wen in Ihrem Team Sie welche  Aufgabe delegieren können, um Ihre Mitarbeitenden zu fördern und sich selbst zu entlasten. Kommunizieren Sie deutlich, an welchen Stellen im Arbeitsalltag Sie sich Eigenverantwortung wünschen und an welchen klar nach Vorgaben zu verfahren ist. Zeigen Sie Wertschätzung durch ein offenes und ehrliches Feedback.

3. Nutzen Sie die Stärken Ihres Teams

Wer die Kompetenzen und Potenziale von Mitarbeitenden fördert, zeigt eine der effektivsten Formen von Wertschätzung. Das richtige Maß zwischen Fordern und Fördern zu finden und dies mit dem Mitarbeitenden abzustimmen, ist eine Herausforderung. Doch es lohnt sich dies anzugehen. Gelingt es, stärkt das nicht nur die Mitarbeitenden, sondern bindet sie auch an die Klinik.

Reflektieren Sie Ihre eigenen Potenziale, dann die Ihrer Mitarbeitenden. Erfragen und erkennen Sie deren Kompetenzen und Potenziale. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitenden Entwicklungsmöglichkeiten auf, ermöglichen Sie externe Austausch- und Qualifizierungsmaßnahmen wie Hospitationen oder Arbeitsgruppentreffen. Wenn Sie Ihre Mitarbeitenden ihren Stärken entsprechend einsetzen, werden sie über sich hinauswachsen, Arbeitsprozesse neu denken und sich fachlich verbessern.

4. Fördern Sie Zusammenarbeit

Das System Krankenhaus unterliegt überwiegend den verschiedenen Abteilungs- und Berufsgruppeninteressen. Eine von Wertschätzung geprägte Zusammenarbeit ist nicht nur für die Mitarbeitenden, sondern auch für die Patientenbehandlung bedeutend.

Zeigen Sie Verständnis für die verschiedenen Sichtweisen und versuchen Sie, zum Beispiel durch Perspektivwechsel, für die Situation der anderen zu sensibilisieren und für ein gemeinsames Ziel zu werben. Ermutigen Sie Nachwuchskräfte, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Achten Sie auf eine berufsgruppenübergreifende Teamzusammensetzung. Begegnen Sie Mitarbeitenden anderer Berufsgruppen und Abteilungen ebenso respektvoll wie Ihren „engen“ Teammitgliedern. Denken Sie Zusammenarbeit interdisziplinär und zum Wohle aller.

5. Ebnen Sie den Weg zu mehr Resilienz

Diverse Umfragen zur Arbeitsplatzzufriedenheit von Ärzten zeigen, dass der Weg zu mehr Resilienz in den meisten Kliniken immer länger wird. Vor allem junge Ärztinnen und Ärzte sehnen sich nach Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit im Job zu pausieren, um sich vorübergehend anderen Dingen des Lebens zu widmen.

Beschäftigen Sie sich mit der Frage, was für Ihre Mitarbeitenden aktuell hinderlich ist, ihre täglichen Aufgaben zu bewältigen und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Der Fokus auf das Thema Resilienz kann für Ihre Klinik ein entscheidender Baustein sein auf dem Weg zu einer starken Arbeitgebermarke – und ein Erfolgsfaktor dafür, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Ganz wichtig: Denken und sprechen Sie positiv über sich, Ihr Team und Erreichtes. Ihr positives Bild wird sich positiv auf Ihr Umfeld übertragen.

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