Dr. Winkler: „Nur mit einem guten Team kann ich gute Medizin anbieten“

11 März, 2021 - 08:00
Dr. Sabine Glöser
Dr. Bert Winkler
Dr. med. Bert Winkler ist seit 1. Januar 2021 Chefarzt der Abteilung für Neurologie in der Paracelsus-Klinik Zwickau.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Bert Winkler unseren Fragen. Er ist seit 1. Januar 2021 Chefarzt der Abteilung für Neurologie in der Paracelsus-Klinik Zwickau.

Herr Dr. Winkler, warum eigentlich sind Sie Neurologe geworden?

Dr. Bert Winkler: Das Nervensystem fand ich schon immer faszinierend, auch die Neurologie als Fach, da man sich die meisten Dinge mit Logik und Verstand erschließen kann. Als Berufsanfänger fand ich es aber abschreckend, dass man als Neurologe therapeutisch häufig so wenig Möglichkeiten hatte. Beruflich gestartet bin ich deswegen als Internist. Allerdings war das die Zeit, in der der Erkenntnisgewinn auf dem Gebiet der Neurologie auf einmal enorm war und damit einhergehend auch die therapeutischen Möglichkeiten. Und da mich die Neurologie noch immer faszinierte, habe ich letztlich wieder zu ihr zurückgefunden.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Dr. Bert Winkler: Das Wichtigste ist ein gutes Team. Nur mit einem guten Team kann ich gute Medizin anbieten. Und nur dann macht es Spaß zu arbeiten.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Dr. Bert Winkler: Der wichtigste Rat kommt noch immer von den antiken Ärzten: Primum nihil nocere. Sich immer wieder darauf zu besinnen hilft, überambitioniertes Handeln zu vermeiden. Und: Man muss Prioritäten setzen können, idealerweise auch noch die richtigen.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Dr. Bert Winkler: Teamgeist, Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz, Leidenschaft, Engagement und Humor.

Was treibt Sie an?

Dr. Bert Winkler: Neurologie ist täglich eine intellektuelle Herausforderung. Und wenn man es schafft, das Rätsel zu lösen, kann man gleichzeitig Menschen helfen. Das ist ein wesentlicher Teil des Antriebs. Außerdem macht es mir viel Spaß, in einem Team zu arbeiten.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Dr. Bert Winkler: Ich würde gern mit Umberto Eco bei einem Gläschen Wein über Gott und die Welt philosophieren. Oder mit Mark Twain, Ranga Yogeshwar, Yuval Noah Harari.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Dr. Bert Winkler: Bleibt neugierig und bewahrt Euch Empathie – trotz aller ökonomischen Zwänge in der heutigen Medizin.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

Dr. Bert Winkler: Ich fahre jeden Tag eine Stunde mit der S-Bahn zur Arbeit. Das scheint zunächst einmal ein zusätzlicher Belastungsfaktor zu sein, schafft aber gleichzeitig eine gute Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Und zu Hause angekommen werde ich erstmal von meiner Familie in Beschlag genommen. Beides hilft, die Arbeit aus dem Kopf zu bekommen. Und das wiederum schützt davor, auszubrennen.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Dr. Bert Winkler: Da gibt es Vieles. Der Fokus im Gesundheitssystem liegt zu wenig auf Prävention und Gesundheitsförderung. Die Digitalisierung ist deutlich ausbaufähig. Es gibt zu viel Reglementierung sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Medizin. Weitere Probleme sind die zunehmende Ökonomisierung der Medizin und die unzureichende Wertschätzung der Pflegeberufe.

Wann sind Sie glücklich?

Dr. Bert Winkler: Wenn ich Ziele erreiche und Probleme lösen kann. Wenn ich außerhalb der Alltagsroutinen Zeit mit meiner Familie verbringen kann oder einen Abend mit Freunden. Oder wenn ich mich beim Sport verausgabe.

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