Dr. Rudlof: „Wertschätzung ist der Schlüssel für ein gutes Arbeitsklima“

11 Mai, 2023 - 08:02
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: Dr. Burkard Rudlof
Dr. med. Burkard Rudlof ist seit 1. Januar 2023 Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am St. Martini Krankenhaus in Duderstadt.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Burkard Rudlof unseren Fragen. Er ist seit 1. Januar 2023 Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am St. Martini Krankenhaus in Duderstadt.

Herr Dr. Rudlof, warum eigentlich sind Sie Anästhesist geworden?

Dr. Burkard Rudlof: Ich absolvierte meinen Ersatzdienst bei einer Hilfsorganisation im Rettungsdienst. Für die damals noch übliche Rettungssanitäter-Ausbildung musste ich ein Anästhesiepraktikum absolvieren; inzwischen ist das ja erheblich professioneller. Ich hatte das Glück, an einen freundlichen und geduldigen Oberarzt zu geraten, der mir viel beigebracht und gezeigt hat. Ich verlängerte das Praktikum dann mehrfach und gab meinen ursprünglichen Berufswunsch, Lehrer zu werden, auf. Stattdessen fing ich an, Medizin zu studieren, mit dem klaren Ziel, Anästhesist zu werden.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Dr. Burkard Rudlof: Natürlich braucht es eine entsprechende apparative Ausstattung. Ganz wichtig aber ist das Team, in dem man mitspielt. Niemand kann in der heutigen Medizin, wahrscheinlich war es früher auch nicht anders, allein eine gute Leistung bringen. Gerade in der Anästhesie, wo sich ein ruhiger Routineablauf schlagartig in eine Notfallsituation verwandeln kann, muss sich jeder blind auf den anderen verlassen können. Natürlich versuchen wir, diese Fähigkeiten durch Teamtrainings zu verbessern. Doch auch die gegenseitige Wertschätzung spielt eine große Rolle. Wobei ich sowieso davon überzeugt bin, dass Wertschätzung der Schlüssel für ein gutes Arbeitsklima und ein leistungsfähiges Team ist.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Dr. Burkard Rudlof: Den besten Rat hat mir mein Vater auf dem Sterbebett gegeben: Arbeite immer ehrlich und fleißig, an einem ehrlichen und fleißigen Mitarbeiter kann man auf Dauer nicht vorbeigehen – und hüte dich vor Blendern!

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Dr. Burkard Rudlof: Freundschaft, Ehrlichkeit, Gastfreundschaft und Humor.

Was treibt Sie an?

Dr. Burkard Rudlof: Ich glaube, ich bin ziemlich ehrgeizig. Ich denke immer, dass es noch etwas gibt, das ich verbessern kann. Und dann findet sich auch immer irgendetwas. Das ist nicht immer von Vorteil. Ich muss immer aufpassen, dass ich Leute damit nicht in den Wahnsinn treibe. Es fällt mir auch schwer aufzugeben. Manchmal ist das nicht nur im Beruf ein Problem.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Dr. Burkard Rudlof: Ingrid Bergmann!!! Aber das geht ja leider nicht mehr!

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Dr. Burkard Rudlof: Macht Euch am besten schon vor dem Studium mit dem vertraut, was auf Euch zukommt. Ich glaube, man muss für diesen Beruf ein bisschen brennen. Nutzt während der Ausbildung jede Chance, Euren Ausbildern alles aus der Nase zu ziehen, was geht. Lest, geht auf Fortbildungen und macht Euch vertraut mit dem Beurteilen von wissenschaftlichen Arbeiten. Hochglanzprospekte sollten nicht Eure einzige Informationsquelle sein. Vergesst aber bei all Eurem Wissen und Euren Fähigkeiten nicht, dass Ihr es mit Menschen zu tun habt, die Ängste und Verzweiflung mitbringen. Dabei müsst Ihr es schaffen, Euch einen professionellen Mantel anzulegen, der Eure eigene Seele schützt, aber es trotzdem zulässt, mit den Patienten zu fühlen. Ich habe es mir angewöhnt, Medizinstudierende einfach mal auf den OP-Tisch zu legen und mich dann mit den übrigen um den Tisch herumzustellen. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand dabei positive Gefühle hatte.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

Dr. Burkard Rudlof: Puh, schwierig! Man würde gern von sich behaupten, dass man alles unter einen Hut kriegt. Ich mache Sport und wandere gerne. Gerade beim Joggen kommt man ja oft in einen Flow, der den Kopf aufräumt.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Dr. Burkard Rudlof: Ich denke, das DRG-System ist überhastet eingeführt worden, ohne die Konsequenzen wirklich zu überdenken. Andere Länder haben es wieder abgeschafft und bei uns wird ja auch offen darüber diskutiert. Ich hoffe nur, dass dann nicht noch etwas Schlechteres kommt. Denn nach meiner mehr als 35-jährigen Erfahrung im Gesundheitswesen hat es keine der vielen „Jahrhundertreformen“ geschafft, eine wirkliche Verbesserung herbeizuführen.

Wann sind Sie glücklich?

Dr. Burkard Rudlof: Also eigentlich glaube ich, dass ich prinzipiell immer gute Laune habe. Besonders glücklich bin ich natürlich bei meiner Familie und mit Freundinnen und Freunden.

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