Dr. Böhm: „Die Notfallmedizin hat mich nicht mehr losgelassen“

22 September, 2021 - 13:37
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: Dr. Marco Böhm
Dr. med. Marko Böhm ist seit 1. Juli 2021 Chefarzt der Rettungsstelle der Immanuel Klinik Rüdersdorf.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Marko Böhm unseren Fragen. Seit 1. Juli 2021 ist er Chefarzt der Rettungsstelle der Immanuel Klinik Rüdersdorf.

Herr Dr. Böhm, warum eigentlich sind Sie Notfallmediziner geworden?

Dr. Marko Böhm: Am Anfang war es eher Zufall: Mein damaliger kardiologischer Chef bat mich, die oberärztliche Leitung der Rettungsstelle zu übernehmen. Ich kannte die Notfallmedizin aus meiner Facharztrotation und fand die Tätigkeit abwechslungsreich und ziemlich interessant. Eigentlich wollte ich nur zwei bis drei Jahre dort bleiben und dann in „meine“ Kardiologie zurückkehren. Daraus sind elf Jahre geworden. In dieser Zeit habe ich die Zusatzbezeichnung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ erworben. Mit meinem neuen Chef haben wir die Notfallmedizin umstrukturiert und sind sozusagen als Krönung in eine neu gebaute, moderne Notaufnahme umgezogen. Seither hat mich die Notfallmedizin nicht mehr losgelassen.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Dr. Marko Böhm: Ganz wichtig ist in der Notfallmedizin das Team, mit dem man gemeinsam versucht, die immer wieder auftretenden Belastungsspitzen abzufangen. Auch kann ein gut funktionierendes Team kritisch kranke Patienten rascher und effizienter behandeln.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Dr. Marko Böhm: Gib nie auf, es öffnet sich immer wieder eine Tür!

06.10.2022, St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus
Ludwigshafen am Rhein

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Dr. Marko Böhm: Offenheit, Ehrlichkeit und natürlich freue ich mich immer wieder über Kollegen mit guter Laune, die auch in kritischen oder anstrengenden Situationen nicht den Humor verlieren.

Was treibt Sie an?

Dr. Marko Böhm: Letztendlich macht mir der Beruf an sich auch nach mehr als 20 Jahren immer noch Spaß. Hinzu kommt, es gibt eigentlich nie einen Stillstand. Die Medizin entwickelt sich immer weiter. Dinge, die vor Jahren unwahrscheinlich waren, sind jetzt Standard, wie die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) oder die kathetergestützte Behandlung an den Herzklappen.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Dr. Marko Böhm: Ich hätte gerne mit Peter Scholl-Latour und seinem gefühlt unendlichen Wissen gern einen Abend verbracht. Auch Elon Musk mit seiner Energie und seinen Visionen finde ich sehr interessant.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Dr. Marko Böhm: Eigentlich möchte ich ihnen raten, sich frühzeitig auf ein berufliches Ziel festzulegen und dann konsequent darauf hinzuarbeiten. Allerdings habe ich es selbst so nicht gemacht. Erst wollte ich Kardiologe / Intensivmediziner werden und bin danach auf die Notfallmedizin umgeschwenkt. Allerdings enthält ja auch die Notfallmedizin viel Kardiologie und Intensivmedizin.

Wie gelingt Ihnen eine gute Work-Life-Balance?

Dr. Marko Böhm: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich sie habe. Aber der Versuch, sie zu erreichen, ist vielleicht das Wichtigste. Unerlässlich ist natürlich eine Arbeit in einem guten Team, die einen erfüllt, sowie eine stabile Familie, in die man auch nach einem schlechten Tag zurückkehren und sich entspannen kann. Unabdingbar sind natürlich auch Schwerpunkte im Leben außerhalb der Klinik.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Dr. Marko Böhm: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das deutsche Gesundheitswesen gerade in der Hochleistungsmedizin sehr leistungsfähig ist. Sorgen bereitet mir die zunehmende Ökonomisierung der Medizin. Die Abrechnung nach Pauschalen bildet den reellen Aufwand oft unzureichend ab. Dadurch entsteht eventuell die Gefahr, medizinische Entscheidungen zu beeinflussen.

Wann sind Sie glücklich?

Dr. Marko Böhm: Ich glaube, den einen glücklichen Moment gibt es nicht, aber dafür viele kleine. Das kann ein gut verlaufener Fall sein, ein bestiegener Berg oder auch nur das Schwelgen in Urlaubsbildern, auf der Couch mit der Familie.

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