
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Sonja Römer unseren Fragen. Sie ist seit 1. Januar 2026 Chefärztin der Notaufnahme am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg.
Frau Dr. Römer, warum eigentlich haben Sie sich auf die Notfall- und Intensivmedizin spezialisiert?
Dr. Sonja Römer: Mich hat von Anfang an die Unmittelbarkeit dieses Fachs fasziniert: Entscheidungen haben oft direkte Konsequenzen. Es geht um das Ganze – medizinisches Wissen, Teamarbeit, Kommunikation und Menschlichkeit in Extremsituationen. Gleichzeitig ist die Notfall- und Intensivmedizin ein Bereich, in dem man viel bewirken kann, oft in kurzer Zeit. Diese Kombination aus Verantwortung, Dynamik und Sinnhaftigkeit hat mich überzeugt.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Dr. Sonja Römer: Ein vertrauensvolles, gut funktionierendes Team ist für mich die Grundlage. Gerade in der Notfall- und Intensivmedizin ist man aufeinander angewiesen. Dazu kommen klare Strukturen, offene Kommunikation und eine Kultur, in der auch Fehler besprechbar sind. Nur so kann man langfristig gute Medizin machen.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Dr. Sonja Römer: Dieser Rat hat mich lange begleitet: „Warten Sie nicht darauf, dass man Ihnen etwas zutraut – trauen Sie es sich selbst zu!“ Besonders geprägt hat mich eine Chefärztin, die mich gezielt gefördert hat und mir früh Verantwortung übertrug – oft in Situationen, in denen ich mir selbst noch nicht sicher war, ob ich schon so weit bin. Ihr Vertrauen ermutigte mich, über meine eigenen Grenzen hinauszugehen und trug wesentlich dazu bei, dass ich den Mut entwickelte, Chancen zu ergreifen. Diese Erfahrung versuche ich heute auch an mein eigenes Team weiterzugeben.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Dr. Sonja Römer: Ich schätze Menschen, die klar und strukturiert handeln und auch in Ausnahmesituationen ruhig und kontrolliert bleiben. Ebenso wichtig ist mir eine wertschätzende Kommunikation. Authentizität und Verlässlichkeit sind für mich zentral, also Menschen, die zu dem stehen, was sie sagen und tun und auf die ich mich gerade in schwierigen Situationen verlassen kann.
Was treibt Sie an?
Dr. Sonja Römer: Mich treibt der Wunsch an, wirklich einen Unterschied zu machen – für Patientinnen und Patienten, aber auch für mein Team. Und die Überzeugung, dass wir Strukturen in der Medizin aktiv verbessern können, wenn wir Verantwortung übernehmen.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Dr. Sonja Römer: Sehr gerne mit Alexander Gerst. Ich finde es beeindruckend, wie er komplexe Themen verständlich vermitteln kann. Besonders spannend wäre für mich, aus erster Hand von seinen Erfahrungen im All zu hören und auch davon, wie sich der Blick auf die Erde und unsere Verantwortung verändert, wenn man diese Perspektive einnimmt.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Dr. Sonja Römer: Suchen Sie sich ein Umfeld, in dem Sie fachlich und menschlich lernen und wachsen können. Vernetzen Sie sich frühzeitig im Krankenhaus, nicht nur in der eigenen Abteilung, sondern bewusst auch darüber hinaus. Der Austausch mit anderen Fachbereichen, aber auch mit dem Personalmanagement und dem Controlling eröffnet neue Perspektiven und hilft, das eigene Handeln im größeren Kontext des gesamten Krankenhauses zu verstehen. Gerade jungen Ärztinnen möchte ich sagen: Trauen Sie sich, sichtbar zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Dr. Sonja Römer: Ehrlich gesagt, das ist ein Prozess und kein Zustand. Mir hilft es, klare Grenzen zu setzen und bewusst Auszeiten einzuplanen. Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei meine Familie. Ich habe vier Kinder, und auch wenn ich oft weniger Zeit für sie habe, als ich mir wünsche, macht es mich glücklich, sie aufwachsen zu sehen. Besonders wichtig ist für mich die Unterstützung meines Mannes, der mir oft den Rücken freihält und meinen beruflichen Weg in dieser Form überhaupt erst ermöglicht. Dieses gegenseitige Verständnis ist die Basis dafür, dass beides seinen Platz haben kann.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Dr. Sonja Römer: Es mangelt weniger an Engagement als an Strukturen, die dieses Engagement sinnvoll nutzen. Wir brauchen mehr Zeit für Patientinnen und Patienten, bessere Arbeitsbedingungen und eine konsequentere Förderung von interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Wann sind Sie glücklich?
Dr. Sonja Römer: Glücklich bin ich, wenn ich merke, dass meine Arbeit einen Unterschied macht, sei es bei einer Patientin oder einem Patienten oder im Team – und ganz persönlich in Momenten, in denen ich wirklich abschalte und Zeit mit Menschen verbringe, die mir wichtig sind.



