Prof. Dr. Hilgendorf: „Um langfristig gut zu arbeiten, braucht man Freude am Arztberuf“

5 Februar, 2026 - 10:46
Dr. Sabine Glöser
Karriere konret: Prof. Dr. med. Ingo Hilgendorf

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Ingo Hilgendorf unseren Fragen. Er ist seit 1. Oktober 2025 Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité, Campus Virchow-Klinikum in Berlin.

Herr Professor Hilgendorf, warum eigentlich sind Sie Kardiologe geworden?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Die Entscheidung für die Kardiologie fiel eigentlich erst im Praktischen Jahr. Wie so oft waren es auch bei mir persönliche Begegnungen und Vorbilder, die den Ausschlag gegeben und mir die Vorzüge dieses Fachgebietes aufgezeigt haben. Die Kardiologie vereint die interessanten Elemente eines internistischen Fachs mit denen der interventionellen und minimalinvasiven Diagnostik und Therapie. Sie reicht in die Akut- und Notfallmedizin hinein ebenso wie in das chronische Erkrankungsspektrum und das Spektrum der Prävention. Sie betrifft viele Menschen, jung und alt, und bietet damit Schnittstellen mit praktisch allen anderen Fachdisziplinen. Die Kardiologie ist hochinnovativ bei diagnostischen und therapeutischen Verfahren, medikamentös, nichtinvasiv und minimalinvasiv und bietet ein breites Betätigungsfeld in der Forschung.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Um langfristig gut zu arbeiten, braucht man Freude am Arztberuf. Um in einem komplexen Fachgebiet wie der Kardiologie gut arbeiten zu können, braucht man ein spezialisiertes, qualifiziertes und motiviertes Team, welches auf interprofessionelle und kollegiale Zusammenarbeit setzt. Dafür sind gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung unabdingbar.

16.01.2026, Kardiologische Praxis Dr. Reinhold Pollert & Kollegen
Landau in der Pfalz

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Wenn man von einem Ziel überzeugt ist, dann sollte man es konsequent, aber nicht stur verfolgen. Durchhalten heißt, nicht auf dem eigenen Standpunkt zu beharren, sondern Wege zu finden, sein Ziel zu erreichen.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Wenn ich es wirklich mit einem Wort umschreiben müsste: Verbindlichkeit. Der Begriff umfasst für mich mehrere wesentliche Werte wie Offenheit, Vertrautheit und Zuverlässigkeit.

Was treibt Sie an?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Mich treibt das Gefühl an, wirksam werden zu können. Das kann sowohl durch meine Arbeit an und mit Patientinnen und Patienten sein als auch durch die strategisch-konzeptionelle Arbeit in der Klinikleitung oder das Erforschen von Krankheitsmechanismen. Was zählt, ist einen Unterschied zu machen.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Gerade weil es aktuell leider nicht allzu oft gelingt, schätze ich gemeinsame Abende mit meiner Frau und meinen Kindern am meisten.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Auch wenn es in der Ausbildungsphase schwierig erscheint sich zu orientieren, sollte man versuchen, für sich frühzeitig Karriereziele zu setzen: Welche Fachdisziplin will ich erlernen? Will ich an einem akademischen Haus oder einem Maximalversorger arbeiten? Will ich langfristig in der Klinik arbeiten, in der Niederlassung, in einer Behörde oder in der Industrie? Es ist völlig normal, anfangs oder sogar im fortgeschrittenen Weiterbildungsstadium keine definitiven Antworten auf diese Fragen zu haben. Aber es ist ratsam, sich diese Fragen immer wieder zu stellen, um die eigene Entwicklung beeinflussen zu können.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Da mir meine Arbeit Freude bereitet, empfinde ich sie nicht als Belastung, auch wenn sie anstrengend ist. Wichtig ist, sich in einem Umfeld außerhalb der Arbeit regelmäßig Ruhe- und Auszeiten zu nehmen, zum Beispiel mit Familie und Freunden.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Aus meiner Sicht krankt das deutsche Gesundheitssystem an Fehlanreizen und einer mangelhaften sektorenübergreifenden Versorgung. Allerdings sind die Voraussetzungen im Hinblick auf Infrastruktur und Qualifikation in Deutschland hervorragend. Damit sollte es prinzipiell möglich sein, eine qualitative Verbesserung für alle Interessensgruppen im Gesundheitssystem zu erreichen.

Wann sind Sie glücklich?

Prof. Dr. Ingo Hilgendorf: Das ist eine große Frage. Im Kontext der beruflichen Karriere bin ich jetzt gerade glücklich, da sich mit der Übernahme der Klinikleitung für mich viele Gestaltungsspielräume aufgetan haben.

 

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