
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Julia Weinmann-Menke unseren Fragen. Sie ist seit 1. März 2026 Ärztliche Direktion der Klinik für Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg.
Frau Professorin Weinmann-Menke, warum eigentlich haben Sie sich auf die Nephrologie spezialisiert?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Bedingt durch meine Promotionsarbeit in der Nephrologie-Rheumatologie hat mich die Nephrologie rasch fasziniert und auch geprägt. Besonders interessant und herausfordernd ist für mich die Verbindung von komplexer Physiologie mit unmittelbarer klinischer Relevanz. Die Niere ist ein zentrales Organ, das viele Systeme gleichzeitig beeinflusst – das macht die Arbeit anspruchsvoll und interessant. Gleichzeitig bin ich sehr nah an der Patientin und dem Patienten. Auch stehen in der Nephrologie die Patienten als Ganzes im Mittelpunkt. Dies erlaubt oft langfristige Arzt-Patienten-Beziehungen, was ich als besonders erfüllend empfinde.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Unabdingbar ist für mich ein Umfeld, das von Vertrauen, Miteinander, Offenheit und fachlicher Neugier geprägt ist. Gute Medizin entsteht im Team. Dafür braucht es klare Kommunikation, gegenseitigen Respekt und die Möglichkeit, Dinge kritisch zu hinterfragen.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Das war der Rat, sich nicht zu früh festzulegen und gleichzeitig konsequent den eigenen Interessen und Stärken zu folgen. Karrierewege verlaufen selten geradlinig. Wichtig ist, neugierig zu bleiben und Chancen aktiv zu ergreifen.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Ich schätze Integrität, Verlässlichkeit und Teamgeist. Und ich schätze Menschen, die sich begeistern lassen und gemeinsam etwas aufbauen und weiterentwickeln wollen, sowie Menschen, die andere fördern und auch fordern, zur Weiterentwicklung beitragen und ein Umfeld schaffen, in dem man gerne zusammenarbeitet.
Was treibt Sie an?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Mich treibt der Wunsch an, medizinische Zusammenhänge wirklich zu verstehen und dieses Wissen in konkrete Verbesserungen für Patientinnen und Patienten zu übersetzen, um diese erfolgreich behandeln zu können. Gerade die Verbindung von Klinik und Forschung, also wirklich „From Bench to Bedside“, aber auch umgekehrt, ist dabei ein starker Antrieb. Mich begeistert immer wieder das Engagement und der Enthusiasmus junger Kolleginnen und Kollegen, das Beste für unsere Patientinnen und Patienten zu erreichen, ob in der experimentellen oder klinischen Forschung oder in der Patientenversorgung.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Mit jemandem, der fachübergreifend denkt und neue Perspektiven eröffnet und der Medizin, Systemdenken und gesellschaftliche Fragen verbindet.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Ich rate ihnen, sich Zeit zu nehmen, die eigene Nische zu finden und sich nicht ausschließlich an äußeren Erwartungen zu orientieren. Gute Medizin erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, die eigene Belastbarkeit realistisch einzuschätzen und zu kommunizieren. Junge Ärztinnen und Ärzten sollten ihre Vorstellungen klar formulieren, sodass Möglichkeiten der Unterstützung und Förderung auch richtig alloziert werden können.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Das gelingt mir nicht perfekt. Ich versuche das Bestmögliche zu erreichen. Karriere in der Medizin und Familie ist weiterhin kein einfaches Unterfangen. Aus meiner Sicht ist das nur möglich, wenn man seine berufliche Tätigkeit extrem wertschätzt, diese einen stärkt und man gleichzeitig von seinem Partner und externen Strukturen unterstützt wird. Dieses vorausgesetzt, versuche ich, soviel Zeit wie möglich mit meiner Familie und für gemeinsame Aktivitäten einzuplanen. Entscheidend ist weniger Balance im täglichen Sinne als vielmehr ein langfristig tragfähiger Rhythmus.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Es mangelt an struktureller Entlastung für das medizinische Personal und konsequenter Ausrichtung auf Qualität statt Quantität. Viele Prozesse sind ineffizient organisiert, was Ressourcen bindet, die der Patientenversorgung zugutekommen sollten. Die Medizin sollte kein profitorientiertes Geschäft sein, sondern eine kostenneutrale und bedarfsgerechte Versorgung sicherstellen.
Wann sind Sie glücklich?
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke: Um ehrlich zu sein bin ich glücklich, wenn meine Kinder und meine Familie glücklich sind und wir begeistert Dinge gemeinsam als Familie unternehmen. Beruflich bin ich das, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit einen Unterschied macht – sei es durch eine gute klinische Entscheidung, einen kleinen Fortschritt in der Forschung oder einfach, weil wir im Team gemeinsam für einander einstehen und mit Freude unserer Arbeit nachgehen.



