Medscape-Report: Soziale Probleme belasten Ärztinnen und Ärzte

16 Januar, 2023 - 07:46
Miriam Mirza

Corona, Ukraine-Krieg, die steigende Inflation – derzeit reiht sich eine Krise an die andere. Das macht den Menschen zu schaffen und belastet sowohl ihre körperliche als auch seelische Gesundheit. Das lässt auch Ärztinnen und Ärzte nicht kalt, die die Folgen im beruflichen Alltag zu spüren bekommen, während sie selbst von den Krisen auch betroffen sind. Wie gehen Medizinerinnen und Mediziner damit um? Hinweise gibt ein Report der Online-Plattform Medscape.

Medscape befragte im Sommer 2022 rund 900 Ärztinnen und Ärzte über verschiedene soziale Probleme. Wenig überraschend belasten die Befragten Themen wie der Klimawandel (76 Prozent) und die Qualität der Gesundheitsversorgung (76 Prozent) am meisten, gefolgt von der Einwanderungs- und Ausländerpolitik (49 Prozent) sowie Rassismus und Diskriminierung (41 Prozent) und häusliche Gewalt (40 Prozent).

Machen soziale Probleme krank?

Dass sich die Mediziner und Medizinerinnen auch mit politischen Themen befassen, ist nicht verwunderlich, immerhin werden sie breit in der Gesellschaft diskutiert – folglich haben die Befragten auch Diskussionen mit ihren Patienteninnen und Patienten. So geben beispielsweise 83 Prozent an, mit ihnen Gespräche über das Thema Rassismus, Diskriminierung und Sexismus zu führen. Allerding glaubt nur ein Drittel (37 Prozent), dass diese gesellschaftlichen Probleme sich auch auf die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten auswirken.

Beim Thema Rassismus sind sich allerdings die meisten (60 Prozent) der Befragten bewusst, dass Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder Hautfarbe unterschiedlich behandelt werden. 39 Prozent glauben, dass das auch zutrifft, wenn sich Patientinnen und Patienten im medizinischen Umfeld bewegen. Es scheint für sie also eher ein gesellschaftliches als medizinisches Problem zu sein.

Sorge um schlechtere Gesundheitsversorgung

Auch in Sachen Gesundheitsversorgung machen sich Medizinerinnen und Mediziner Sorgen. Eine Mehrzahl, nämlich 72 Prozent, bemerkt eine Abnahme in der Qualität der medizinischen Versorgung. Die Gründe liegen ihrer Meinung nach in Personalmangel, einer zu hohen Arbeitslast, einer unzureichenden öffentlichen Finanzierung sowie in verschlechterten Organisationsstrukturen. Die Pandemie, so die Überzeugung der meisten Befragten (79 Prozent), hat die ohnehin schon schwierige Lage in der Gesundheitsversorgung weiter angespannt.

Das Nachdenken über diese und andere sozialen Probleme hat negative psychische Auswirkungen für die Ärztinnen und Ärzte. Sie fühlen sich gestresst (39 Prozent), wütend (37 Prozent) oder ängstlich (19 Prozent). Um etwas gegen die Probleme zu tun, entscheiden sich 66 Prozent, an wohltätige Organisationen zu spenden. Andere (39 Prozent) arbeiten als Freiwillige, um zu helfen und 24 Prozent engagieren sich durch die Teilnahme an Protesten, Demonstrationen und Kundgebungen.

Fazit

Viele gesellschaftliche Probleme betreffen Medizinerinnen und Mediziner nicht nur persönlich, sondern wirken sich auch direkt oder indirekt auf ihren Beruf aus. So bringt etwa der Klimawandel neue medizinische Herausforderungen mit sich, neue Infektionskrankheiten könnten erneute Pandemien auslösen und nicht zuletzt müssen sich Ärztinnen und Ärzte damit auseinandersetzen, dass soziale Ungerechtigkeiten auch krank machen. Bei vielen lösen diese offenen Fragen und ungelösten Probleme negative Emotionen aus. Darum sollten sie sich Gedanken machen, wie sie mit diesen Belastungen umgehen können und nach Strategien suchen, um nicht selbst in eine Überforderung zu geraten, die ihnen die Berufsausübung erschwert.

 

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