Traumanetzwerke: Modell für vernetzte Kliniken

6 April, 2021 - 08:45
Dr. Sabine Glöser

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) könnten die Traumanetzwerke der DGU künftig ein Modell für Kliniken sein, sich für Situationen wie Pandemien, Terroranschläge oder Unfälle mit vielen Verletzten im Vorhinein zu vernetzen.

„Solche Strukturen könnten auch bei einer Pandemie helfen, die Patienten koordiniert auf die Krankenhäuser zu verteilen und damit die Auslastung zu steuern, um Überlastung zu vermeiden“, sagte DGU-Präsident Prof. Dr. Michael J. Raschke. „Denn ein Virus wie Corona macht nicht an Ländergrenzen halt. Die Netzwerkstruktur, die wir in den Traumanetzwerken seit mehr als 15 Jahren leben, könnte das Modell für die Zukunft sein.“

Anders als in der Schwerverletztenversorgung seien viele Häuser auf einen Massenanfall an Erkrankten nur bedingt vorbereitet. Falls regional eine Klinik mit ihren Ressourcen an ihre Grenzen stoße, müssten Patienten frühzeitig in andere Kliniken verlegt und aufgenommen werden. Dabei sei der Zeitpunkt der Verlegung entscheidend. In der Realität scheitere das nicht selten an den föderalen Krankenhausstrukturen, die an Ländergrenzen endeten. Bei einer Überlastung sei es aufwendig, länderübergreifend Patienten zu verlegen oder Kliniken zu finden, die Patienten aufnehmen können. Für diesen Fall gebe es weder eine strukturierte Steuerung noch etablierte Kommunikationswege oder gemeinsam genutzte Telematikstrukturen.

„Länderübergreifende Netzwerkstrukturen wie in unserem Akutnetzwerk bringen für die Patienten einen Riesenvorteil. Denn kein Krankenhaus steht bei einem Massenanfall an Verletzten alleine da“, ergänzte DGU-Vizepräsident Prof. Dr. Benedikt Friemert. „Wenn alle Betten voll sind, ist klar, welche Klinik angefragt werden kann und welche gegenseitigen Aufnahmeverpflichtungen bestehen.“ Die Initiative „Traumanetzwerk DGU®“ gibt es seit 15 Jahren. Inzwischen haben sich in ihr Kliniken regional und grenzüberschreitend zu 53 zertifizierten Netzwerken flächendeckend zusammengeschlossen.

Dtsch Arztebl 2021; 118(14): [4]

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