
In Unternehmen gelten Frauennetzwerke als Maßnahme, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Ob diese Netzwerke Empowerment fördern oder unbeabsichtigt gar Ungleichheiten verfestigen, hängt vom Format ab. Das ergab eine Studie eines internationalen Forscherinnenteams.
Während der dreijährigen Untersuchung beobachtete das Team 40 Frauennetzwerktreffen, führte 75 Interviews und analysierte umfangreiche Sekundärdaten. Den Ergebnissen zufolge sind Frauennetzwerke vor allem dann erfolgreich,
- wenn sie auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet sind statt auf symbolische Sichtbarkeit,
- wenn sie zukunftsorientiert arbeiten und keine vermeintlichen Defizite adressieren und
- wenn sie Hierarchien abbauen, sodass Frauen die Formate eigenständig prägen können.
Dagegen wirken Frauennetzwerke kontraproduktiv, wenn sie darauf abzielen, Frauen an oft männlich geprägte Praktiken anzupassen. Mit bestimmten Formaten reproduzierten Unternehmen subtile Formen von Diskriminierung, obwohl sie Gleichstellung betonten, erläuterte Prof. Dr. Karin Kreutzer von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel. Diese scheinbar wohlwollende Haltung adressiere Frauen als schutzbedürftige Empfängerinnen von Unterstützung. Statt strukturelle Ungleichheiten zu hinterfragen, würden Frauen in die Rolle geraten, sich an Karrierelogiken anzupassen.
„Netzwerke sind kein Reparaturinstrument für individuelle Defizite, sondern können Vehikel für strukturellen Wandel sein“, sagte Kreutzer. Doch müssten Unternehmen bereit sind, Kontrolle abzugeben und eine unterstützende Rolle im Hintergrund einzunehmen. Frauennetzwerke seien Instrumente für Empowerment und beruflichen Aufstieg, wenn sie als Raum verstanden würden, diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen und zu verändern. Die Studie ist im Fachmagazin Journal of Management erschienen (DOI: 10.1177/01492063251390850).
Dtsch Arztebl 2026; 123(15): [4]



