Wenn Krankenhausabteilungen wegen des Ärztemangels schließen müssen

22 Februar, 2023 - 07:21
Miriam Mirza
Achtung Ärztemangel

Der Ärzte- und Pflegekräftemangel macht sich immer mehr bemerkbar – und es ist kein Ende in Sicht. Laut Prognosen der Unternehmensberatung PWC werden im Jahr 2035 knapp 1,8 Millionen offene Stellen im Gesundheitswesen aufgrund fehlender Fachkräfte unbesetzt sein. Das entspricht einem Engpass von 35 Prozent. Schon heute liegt der dieser bei rund sieben Prozent.

Die ersten Folgen dieser Negativentwicklung zeigen sich bereits: Immer mehr Krankenhäuser müssen Abteilungen vorübergehend oder sogar ganz schließen. In den letzten Jahren gab es vermehrt Meldungen, dass Geburtsabteilungen schließen, weil Geburtshelfer und -helferinnen fehlen. In der Kranken- und Altenpflege ist der Personalnotstand besonders drängend. Doch auch der Ärztemangel wird zu einem wachsenden Problem.

Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Es sind Meldungen, wie sie in den letzten Jahren immer wieder zu lesen waren: Ende letzten Jahres meldete die MEDIAN Klinik Hohenlohe in Bad Mergentheim, vorübergehend die Geriatrie schließen zu müssen. Als Hauptgrund wird Fachärztemangel angeben. Die Klinik leidet unter der Knappheit im Arbeitsmarkt. Das erschwert es ihr, offene ärztliche Stellen neu zu besetzen, aber auch die Abwanderung von Fachkräften in der Pflege und Ergotherapie erweist sich als große Belastung. Anderen Häusern geht es nicht besser, sie gehen sogar dazu über, die Arbeit in bestimmten Abteilungen komplett einzustellen. So stellte Mitte letzten Jahres die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Alfried Krupp Krankenhaus ihre Arbeit endgültig ein. Der anhaltende Fachärztemangel und die Schwierigkeit, erfahrene Hebammen zu finden, zwang das Krankenhaus schließlich zu dieser Maßnahme.

Dies sind nur zwei Beispiele für einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet. „Der Fachkräftemangel ist keine Theorie mehr, sondern längst bittere Realität“, sagt Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG). Die BWKG befragt jährlich die Geschäftsführenden der Mitgliedseinrichtungen (Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg) zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und der Arbeitsmarktentwicklung und stellt die Ergebnisse in Form des "BWKG-Indikators" zusammen. Die aktuelle Auswertung zeigt ein düsteres Bild. So meldeten die Geschäftsführenden von 92 Prozent der Krankenhäuser, 88,6 Prozent der Reha-Kliniken und 93,4 Prozent der Pflegeeinrichtungen Schwierigkeiten, Pflegefachkräfte zu finden. 74,8 Prozent der Geschäftsführenden von Krankenhäusern und Reha-Kliniken haben Probleme, freie Stellen im Ärztlichen Dienst neu zu besetzen. Hinzu kommen derzeit zusätzliche Ausfälle bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weil diese selbst krank sind oder sich um erkrankte Kinder kümmern müssen.

Düstere Aussichten für die Patientenversorgung

Welche Auswirkungen haben diese zunächst abstrakt wirkenden Zahlen auf das Gesundheitswesen? Die negativen Folgen zeigen sich in einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung. So sind beispielsweise Verschiebungen von Operationen in vielen Krankenhäusern inzwischen an der Tagesordnung, Wartezeiten verlängern sich und Patientinnen und Patienten müssen längere Anfahrtswege in Kauf nehmen, weil bestimmte Abteilungen in den Kliniken vorübergehend oder ganz schließen. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind ländliche Regionen. Werden hier nicht bald alternative Versorgungskonzepte eingeführt, müssen sich die Menschen auf massive Einschränkungen in ihrer medizinischen Versorgung einstellen.

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