„Teilzeitarbeit birgt zahlreiche Chancen, aber auch Risiken!“

15 Januar, 2020 - 15:47
Dr. Sabine Glöser
Prof. Dr. med. Stephan Holmer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums Landshut

Wenn es um flexiblere Arbeitszeiten geht, wird für viele das Thema Teilzeit immer interessanter. Im Interview spricht Prof. Dr. Stephan Holmer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums Landshut, darüber, welche Vor- und Nachteile er bei Teilzeitstellen sieht.

Herr Professor Holmer, wie viele Ärztinnen und Ärzte sind im Klinikum Landshut in Teilzeit beschäftigt?

Prof. Dr. Stephan Holmer: Bei uns steigt der Anteil der Teilzeitkräfte. Inzwischen arbeiten etwa 30 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit. Davon sind 58 Prozent Frauen, 42 Prozent Männer.

Dieser Unterschied ist nicht sehr groß. Woran liegt das?

Prof. Dr. Stephan Holmer: Inzwischen gehen auch immer mehr Ärzte in Elternzeit und arbeiten währenddessen in Teilzeit. Dagegen sinkt der Anteil der Ärztinnen, die in Teilzeit arbeiten. Das Bild der Frau hat sich modernisiert. Ärztinnen streben vermehrt an, ihrem Beruf erfolgreich nachzugehen.

Welche Vorteile sehen Sie generell in Teilzeitarbeit?

Prof. Dr. Stephan Holmer: Teilzeitarbeit sorgt dafür, dass Ärztinnen und Ärzte ihr Leben flexibler gestalten können. Zugleich führt eine reduzierte Stundenzahl zu einer geringeren Arbeitsbelastung. So wird die Work-Life-Balance optimiert, was sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken kann.

Davon profitiert letztlich auch das Klinikum.

Prof. Dr. Stephan Holmer: Natürlich, wir können die Ärztinnen und Ärzte flexibler einsetzen und personellen Engpässen vorbeugen. Vor allem Schichtdienstmodelle eignen sich gut für Teilzeitkräfte. Meist ist Teilzeit auch durch eine produktivere Arbeitsweise gekennzeichnet. Und die Fluktuationsquote von Teilzeitkräften gegenüber Vollzeitkräften ist niedriger. Im Schnitt bleiben sie dem Unternehmen länger treu.

Welche Nachteile bergen Teilzeitstellen?

Prof. Dr. Stephan Holmer: Die größten Nachteile sind der geringere Lohn, geringere Ansprüche auf Arbeitslosengeld und Altersrente. Zudem gestaltet sich das Erreichen höherer Qualifikationsstufen wegen der geringeren Präsenz schwieriger. Auch die Facharztweiterbildung dauert länger. Da diese oft in Rotationsmodellen stattfindet, müssen Weiterbilder, Kollegium und Verwaltung für Teilzeitkräfte intelligente Lösungen finden.

Dtsch Arztebl 2019; 116(3): [4]

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