
Fast die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte war im ärztlichen Alltag bereits von Gewalt betroffen. 54 Prozent dieser Vorfälle betrafen verbale Gewalt wie Drohungen oder Beleidigungen, in 32 Prozent der Fälle kam es zu körperlichen Angriffen. In zehn Prozent der Fälle waren körperliche Verletzungen, etwa durch Bisse oder Schnittwunden, die Folge. In jedem dritten Fall wurde die Polizei eingeschaltet. Das zumindest ergab eine Umfrage der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die im Januar 2025 ihre berufstätigen Mitglieder online befragte.
Weitere Ergebnisse: Nach Einschätzung von 45 Prozent der Befragten hat Gewalt gegenüber Ärztinnen und Ärzten in den letzten drei Jahren zugenommen. Und das hat Folgen: 38 Prozent der betroffenen Ärztinnen und Ärzte gaben an, sich gegenüber Patienten nach einem Vorfall distanzierter und weniger empathisch zu verhalten. 15 Prozent leiden unter psychischen Folgen wie Schlafstörungen, Albträumen oder Panikattacken. Fünf Prozent benötigen eine Therapie, um die Erlebnisse zu verarbeiten.
Als Hauptgründe für die gestiegene Gewalt nannten die Befragten unter anderem eine gestiegene Anspruchshaltung der Patienten und Patientinnen, Unzufriedenheit mit der Gesundheitspolitik und kulturelle Missverständnisse. Besonders oft eskaliert die Situation demnach in Zusammenhang mit Forderungen nach schnellen Terminen, bestimmten Rezepten oder Untersuchungen.
Viele Krankenhäuser und Praxen haben bereits reagiert und Notfallknöpfe installiert, Fluchtwege angepasst oder Deeskalationstrainings durchgeführt. Auch Sicherheitsdienste und Hausverbote sind Maßnahmen, um Personal zu schützen. „Wir werden eine Aufklärungskampagne für Patienten über angemessenes Verhalten gegenüber dem medizinischen Personal entwickeln und erneut Trainings zur Gewaltprävention und Deeskalation für das medizinische Personal anbieten“, sagte Prof. Dr. med. habil. Doreen Richardt, Vizepräsidentin der Ärztekammer Schleswig-Holstein.
Dtsch Arztebl 2025; 122(7): [4]



