Ärztinnen und Ärzte privat: Welchen Stellenwert haben Freundschaften?

17 Mai, 2023 - 07:09
Stefanie Hanke
Freunde beim Essen

Freundschaften spielen eine große Rolle für ein erfülltes Leben. Aber haben Ärztinnen und Ärzte überhaupt Zeit dafür? Der aktuelle Medscape Report Ärzte und ihre Freundschaften" nimmt das Sozialleben von Medizinerinnen und Medizinern unter die Lupe.

Insgesamt haben 1.100 Personen an der Online-Befragung teilgenommen. Und es zeigt sich: Zwar ist der anfordernde Arztberuf eine Hürde, wenn es darum geht, Freundschaften zu schließen und zu pflegen – trotzdem nimmt sich ein Großteil der Befragten Zeit dafür.

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So gab nur ein Prozent der Befragten an, überhaupt keine Freundinnen und Freunde zu haben. Ein Drittel (34 Prozent) nannten eine bis fünf Personen ihre Freundinnen und Freunde, bei etwas mehr als einem weiteren Drittel (37 Prozent) waren es sechs bis zehn Personen. 28 Prozent zählen sogar elf Personen oder mehr zu ihrem engeren Freundeskreis.

Freundeskreis kommt meistens aus dem Gesundheitssystem

Wie auch in vielen anderen Berufsbereichen lernen viele ihre Freundinnen und Freunde an der Uni kennen: Jede vierte Freundschaft wird während des Studiums geschlossen. Knapp jede fünfte Freundschaft (18 Prozent) entsteht während der Arbeit unter Kolleginnen und Kollegen. Ein weiterer Großteil der Freundschaften ist noch älter: 17 Prozent stammen aus der Schulzeit, sechs Prozent aus der Kindheit. Andere Wege, neue Freundinnen und Freunde kennenzulernen, sind Sport, Nachbarschaft oder Kontakte über Kinder bzw. die Familie.

Auffällig dabei: Ärztinnen und Ärzte freunden sich besonders häufig mit Menschen an, die ebenfalls im Gesundheitswesen arbeiten.

Grafik "Berufe Freundinnen und Freunde" zum Download (jpg, 227 kB)

Insgesamt gaben zwei Prozent an, nahezu mit allen Kolleginnen und Kollegen auch befreundet zu sein, nur gut jeder Vierte (27 Prozent) war mit niemandem aus dem Job befreundet. Ein Großteil der Befragten (71 Prozent) pflegt immerhin einige Freundschaften im beruflichen Kontext. Allerdings scheint das eher zufällig zu passieren: 47 Prozent legten es nicht gezielt darauf an, Freundschaften im beruflichen Umfeld zu schließen, 36 Prozent wollen lieber Beruf und Privatleben trennen. Nur neun Prozent schätzen es, Freunschaften am Arbeitsplatz zu schließen.

Einen ähnlichen Uni-Abschluss bzw. einen ähnlichen finanziellen oder sozialen Status teilen 74 Prozent der Ärztinnen und Ärzte mit den Menschen in ihrem Freundeskreis. Und auch beim Alter gab es große Ähnlichkeiten (73 Prozent). Eine weitere Erkenntnis der Befragung: Vitamin B wirkt nicht. 54 Prozent der Befragten werden zwar im Joballtag von ihren Freundinnen und Freunden unterstützt, aber nur bei sechs Prozent verbesserten sich die Karrierechancen durch die Freundschaften ständig oder häufig. Die meisten (73 Prozent) profitierten nicht von Jobangeboten oder Nebenjobs über ihre Freundinnen und Freunde.

Zeitmangel ist der häufigste "Freundschaftskiller"

Natürlich kommt es auch immer wieder vor, dass Freundschaften an den äußeren Umständen scheitern und man sich aus den Augen verliert. Aber was sind die Gründe dafür? Am häufigsten nannten Ärztinnen und Ärzte dabei den Zeitmangel und die zu große räumliche Entfernung zu ihren Freundinnen und Freunden.

Grafik "Warum fällt es schwer, mit Freundinnen und Freunden in Verbindung zu bleiben?" zum Download (jpg, 170 kB)

Im direkten Vergleich zeigt sich: Der Job ist eine größere Gefahr für Freundschaften als familiäre Verpflichtungen. So stimmen knapp drei Viertel der Befragten (74 Prozent) der Aussage zu, dass der Job Freundschaften sehr häufig bzw. manchmal behindert. Bezogen auf familiäre Pflichten stimmen nur 43 Prozent dieser Aussage zu.

Freundschaften mit Patientinnen und Patienten

Ärztinnen und Ärzte begleiten Menschen häufig in wichtigen und emotional aufwühlenden Phasen ihres Lebens. Kein Wunder, dass das auch immer wieder zu Freundschaften führt: 28 Prozent der Befragen haben sich schonmal mit Patientinnen oder Patienten angefreundet, 72 Prozent haben diese Erfahrung noch nie gemacht. Dass aus einer Arzt-Patienten-Beziehung auch echte Freundschaft entstehen kann, hat beispielsweise der Onkologe PD Dr. Jens Ulrich Rüffer erlebt: Er hat mit seinem Freund und ehemaligen Patienten Michael Lohmann sogar ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht.

Allerdings kann eine Freundschaft einer Arzt-Patienten-Beziehung auch im Weg stehen: 17 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Ärztinnen und Ärzte generell keine Menschen behandeln sollten, mit denen sie befreundet sind.

Und natürlich hört man auch im privaten Umfeld nie ganz auf, Arzt oder Ärztin zu sein: So werden Ärztinnen und Ärzte häufig um Rat bei medizinischen Fragen gebeten. Grundsätzlich ist das für die meisten auch in Ordnung: Nur 14 Prozent gaben an, sich von den Fragen gestört zu fühlen. Ein Prozent sagte sogar, man sollte Freundinnen und Freunden grundsätzlich keine medizinischen Ratschläge geben.

Quelle: Medscape Report 2023: "Ärzte und ihre Freundschaften"

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