Investitionsstau und Probleme mit der Digitalisierung

30 Juli, 2020 - 07:12
Dr. Sabine Glöser
Investitionsstau

Drei von vier Krankenhäusern in Deutschland können notwendige Investitionen nicht finanzieren. Zugleich schreiben 30 bis 50 Prozent der Häuser seit mehr als zehn Jahren Verluste. Darauf hat das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) unlängst hingewiesen.

Die Bundesländer finanzierten die Investitionskosten der Krankenhäuser nur unzureichend, erläutert das DKI. Faktisch werde nur noch die Hälfte der Krankenhausinvestitionen aus öffentlichen Fördermitteln bestritten. Die andere Hälfte steuerten die Häuser anderweitig bei, etwa über Überschüsse aus den Leistungsentgelten. Doch reichten die Gewinnmargen meist nicht aus, um den Investitionsbedarf zu decken oder Kredite finanzieren zu können. Nur jeweils rund ein Viertel der Häuser habe in den letzten Jahren eine hinreichende Rendite erzielt, um notwendige Investitionen zu finanzieren oder erwarte dies für die Zukunft.

Die Unterfinanzierung der Krankenhausinvestitionen führt aus Sicht des DKI zu einem großen Investitionsstau. Für die nächsten fünf Jahre betrage der Investitionsbedarf der Krankenhäuser sieben Milliarden Euro pro Jahr. Dagegen habe die öffentliche Förderquote der Bundesländer in den letzten Jahren nur 2,7 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Der Investitionsbedarf sei damit um das Zweieinhalbfache höher als aktuell die öffentlichen Fördermittel.

Darüber hinaus haben die Krankenhäuser dem DKI zufolge gravierende Probleme mit der Digitalisierung. So sei die IT-Infrastruktur teils veraltet und intern wie extern zu wenig vernetzt. Telemedizinische und telematische Lösungen kämen nur selektiv zum Einsatz. Weniger als die Hälfte der Häuser habe eine einheitliche krankenhausweite elektronische Patientenakte, eine elektronische Medikationsunterstützung oder Arzneimittelsicherheitsprüfung. Die Krankenhäuser, betont das DKI, erkennen die Potenziale der Digitalisierung zwar, doch vielfach schöpften sie sie noch nicht aus. Zudem reichten die öffentlichen Fördermittel bei Weitem nicht – und aus Eigenmitteln sei die Digitalisierung der Krankenhäuser nicht zu finanzieren.

Dtsch Arztebl 2020; 117(31-32): [4]

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