Umfrage: Führungskräfte fühlen sich stark belastet

16 Juli, 2020 - 07:02
Dr. Sabine Glöser
Führungskräfte Belastung

Ein Drittel der Führungskräfte in Deutschland fühlt sich belastet und verunsichert. Jede fünfte Führungskraft kann den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden; jede vierte meint, mehr zu einer Gruppe beizutragen, wenn diese von einem anderen geführt werde.

Das zumindest ergab eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung an der Universität Witten/Herdecke befragte die Stiftung 981 Führungskräfte in Deutschland.

Den Ergebnissen zufolge beklagen Führungskräfte, die sich stark belastet fühlen, diffuse Unternehmensziele und zu viel Bürokratie, was ihre eigenen Aufgaben angeht. Auch nehmen sie die Mitarbeiter in ihrem Umfeld als destruktiv wahr oder haben eine skeptische Haltung ihnen gegenüber. Dagegen empfinden jene Führungskräfte, die sich in ihrer Rolle nur gering belastet sehen, ihre Aufgaben eher als klar. Zudem meinen sie weniger oft, ihre Arbeit sei stark formalisiert. Auch haben sie eine aufgeschlossenere Haltung Mitarbeitern gegenüber.

Eine hohe Belastung der Führungskräfte, betonen die Autoren, sei ein gravierendes Problem für Unternehmen. Sie wirke sich negativ auf den Erfolg von Führung aus. So verbessere sich beispielsweise die Produktivität weniger und auch die Mitarbeiterzufriedenheit sei niedriger. Wichtig sei, einen stärkeren Fokus auf die Bedingungen wirksamer Führung und die Evaluation der Organisationskultur zu legen, statt nur die harten Fakten zu begutachten.

„Führungskräfte selbst brauchen motivierende und unterstützende Bedingungen, um wirksam zu führen und eine kreative und innovative Arbeitsatmosphäre für ihre Teams zu schaffen“, sagte Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. In Entwicklungsgesprächen sollte deren Belastung thematisiert werden. Personalabteilungen könnten mit Workshops und Coachings Unterstützung anbieten. „Die Gestaltung einer motivierenden und sinnstiftenden Unternehmenskultur“, sagte sie weiter, „ist die Führungstechnik der Zukunft.“

Dtsch Arztebl 2020; 117(29-30): [4]

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