Arztgehälter in der Schweiz: Das können Sie verdienen

2 August, 2021 - 06:55
Stefanie Hanke
Ärztin mit Stethoskop und schweizer Flagge

Viele Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland blicken über die Grenze in die Schweiz: Unser südliches Nachbarland lockt mit hoher Lebensqualität und guten Gehältern für Mediziner. Was können Sie in der Schweiz verdienen? Das erfahren Sie im Beitrag.
 


Auf einen Blick: Einstiegsgehälter von Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz

Position Bruttogehalt pro Monat (CHF) Bruttogehalt pro Monat (Euro)
Assistenzarzt (1. Jahr)

7.355 CHF

6.793 Euro

Spitalsarzt (Facharzt)

8.077 CHF

7.461 Euro

Oberarzt

8.643 CHF

7.984 Euro

Chefarzt

13.030 CHF

12.037 Euro

Die Schweiz ist mit Abstand das beliebteste Ziel, wenn deutsche Ärztinnen und Ärzte ins Ausland auswandern: 2020 fanden insgesamt 555 Mediziner in der Alpenrepublik einen neuen Job. Von den ausländischen Ärztinnen und Ärzten, die in der Schweiz arbeiten, hat mehr als jeder zweite (53,4 Prozent) einen deutschen Pass: Das verrät eine aktuelle Erhebung des Schweizer Berufsverbands der Ärzte FMH.

Arztgehälter in der Schweiz

Aber was können angestellte Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz konkret verdienen? Das ist regional verschieden. Einen Anhaltspunkt bietet aber das aktuelle Lohnbuch Schweiz 2021. Danach verdient man als Berufseinsteiger in öffentlichen Spitälern des Kantons Zürich im ersten Jahr ihrer Assistenzarztzeit 7.355 CHF im Monat (6.793 Euro). Im zweiten Dienstjahr steigt das Einkommen auf 7.555 CHF (6.979 Euro). Damit sind Assistenzärzte und -ärztinnen bei unseren südlichen Nachbarn finanziell deutlich besser gestellt als in Deutschland.

Spitalärzte (Fachärzte) können mit einem Einstiegsgehalt von 8.077 CHF (7.461 Euro) rechnen, Oberärzte verdienen zwischen 8.643 CHF (7.984 Euro) und 10.083 CHF (9.314 Euro). Für Chefärzte gibt es monatlich 13.030 CHF (12.037 Euro). In den Arbeitsverträgen Schweizer Krankenhäuser sind in der Regel 13 Monatsgehälter vorgesehen – wie in Deutschland gibt es außerdem Zuschläge für Dienste, Wochenend-, Feiertags- und Nachtschichten.

Laut einer Befragung des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) lag die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit dabei im Durchschnitt bei 45 Wochenstunden. Allerdings: 44 Prozent der Befragten gaben an, mehr zu arbeiten – häufig sogar mehr als die gesetzlich zulässigen 50 Wochenstunden. Erfasste Überstunden werden in der Schweiz entweder durch Freizeit ausgeglichen oder ausgezahlt – in diesem Fall mit einem Zuschlag von mindestens 25 Prozent.

Höheres Einkommen in der Praxis

Eine Studie des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit hat 2018 das Einkommen der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz unter die Lupe genommen. Danach verfügten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte über ein jährliches Medianeinkommen von 257.000 CHF (237.331 Euro) – die Hälfte der Befragten verdiente also mehr, die andere Hälfte weniger. Spitzenverdiener waren dabei die Neurochirurgen mit einem Medianeinkommen von 697.000 CHF (643.658 Euro) in der eigenen Praxis.

Allerdings gab es dabei deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen soziodemographischen Gruppen: So gibt es auch in der Schweiz einen signifikanten Gender Pay Gap: Im Durchschnitt verdient ein Arzt etwa 29 Prozent mehr als eine Ärztin. Außerdem ist das Einkommen von Schweizern und Schweizerinnen höher als das von Zugezogenen und Ältere verdienen mehr als Jüngere. Zusätzlich gibt es auch deutliche regionale Unterschiede.

Die Studie berücksichtigt Zahlen von 2009 bis 2014. Da dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit für eine regelmäßige Erhebung die rechtlichen Grundlagen fehlen, wurde die Studie leider nicht mit aktuelleren Zahlen wiederholt.

Regional unterschiedliche Steuerbelastung in der Schweiz

Aber was bleibt vom Bruttogehalt am Ende netto übrig? Während der Spitzensteuersatz von 42 Prozent in Deutschland ab einem Jahreseinkommen von 57.919 Euro (2021) fällig wird, ist das System in der Schweiz komplizierter: Sowohl der Bund als auch die Kantone und Gemeinden erheben von den Bürgern Einkommensteuer. Das bedeutet: Es kommt ganz darauf an, in welchem Kanton der Schweiz man lebt und Steuern zahlt.

Wie in Deutschland wird auch die Einkommensteuer in der Schweiz mit Progression berechnet. Je höher also die Einkünfte sind, desto höher ist auch der Steuersatz. Doch der kann regional sehr unterschiedlich sein. Im Landesmittel der Spitzensteuersätze liegt die Steuerbelastung ohne Kirchensteuer aktuell bei 33,8 Prozent. Die höchsten Spitzensteuersätze liegen im Kanton Genf bei 46 Prozent und damit höher als in Deutschland. Weniger als die Hälfte (22 Prozent) wird für Steuerzahler in Teilen der Kantone Schwyz und Zug fällig.

Quellen: Lohnbuch Schweiz 2021, Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, Orell Füssli Verlag, Zürich; Bundesamt für Gesundheit BAG

Hier geht es zu aktuellen Stellenangeboten in der Schweiz auf aerztestellen.de

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