Sprechende Medizin: Das bringt Kommunikationstraining für Ärztinnen und Ärzte

11 August, 2021 - 07:52
Miriam Mirza
Junger, empathischer Arzt im Gespräch mit älterem Patienten

Die Arzt-Patientenkommunikation spielt für die Diagnosestellung, Therapieplanung und Nachsorge eine zentrale Rolle. Unzweifelhaft ist eine gelungene Kommunikation von großer Bedeutung für den Behandlungserfolg. Hinzu kommt, dass der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten zwar zufrieden mit den fachlichen Kenntnissen der Behandelnden ist. Was die Kommunikationsfähigkeiten angeht, ist nach ihrer Ansicht jedoch noch deutlich Luft nach oben. Viele Ärztevertreter sehen das ebenso und fordern deshalb Kommunikationstraining als verpflichtenden Teil der Facharzt-Weiterbildung.

Vertikale Kommunikation führt zu frustrierten Patientinnen und Patienten

Für eine gute Kommunikation fehlt im Klinikalltag oft die Zeit. Hinzu kommt, dass ein Gespräch deutlich weniger honoriert wird als etwa eine Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung. Nach Ansicht von Experten hat das negative Folgen auf die Kommunikationskultur.

12.08.2022, Laborärzte Sindelfingen
Sindelfingen
12.08.2022, Augen OWL
Detmold

In der Praxis zeigt sich, dass viele Ärztinnen und Ärzte den sogenannten „arztzentrierten“, vertikalen Kommunikationsstil nutzen. Charakteristisch ist dessen Einseitigkeit: Der Arzt redet, der Patient hört zu. In der Interaktion mit den Patienten werden häufig geschlossene Fragen gestellt, auf die nur mit „ ja“ oder „nein“ geantwortet werden kann. Auch Suggestivfragen sind für diesen Kommunikationsstil typisch. Vielleicht aus Zeitdruck wollen Ärztinnen und Ärzte schnell zu einem Ergebnis kommen und arbeiten im Gespräch darauf hin, vorschnelle Hypothesen zu bestätigen. Dabei werden oft die Emotionen der Erkrankten ignoriert. Die Folge: Patientinnen und Patienten fühlen sich bevormundet und das kommt schlecht an. Wer sich herablassend behandelt oder „verhört“ fühlt, kommt nicht wieder. Manch einer beendet sogar die Therapie eigenmächtig, und damit ist keinem geholfen. Außerdem entstehen durch eine schlechte Kommunikation Gesundheitskosten: Denn sie Verständisschwierigkeiten sind häufig die Ursache von Fehleinschätzungen, die wiederum zu unnötigen medizinischen Maßnahmen führen können.

Was wollen Patientinnen und Patienten heute?

Die vertikale Kommunikation ist nicht mehr zeitgemäß. In den letzten Jahren hat sich die Rollenverteilung gewandelt: nämlich von einer vertikalen hin zu einer horizontalen Beziehung. Patientinnen und Patienten sind heute viel stärker in ihre Therapie und Gesunderhaltung einbezogen, und das möchten sie auch in der Kommunikation erfahren. Viele wollen von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin als gleichberechtigter Partner ernst genommen werden. Sie wünschen sich Empathie, und dass sich der Arzt Zeit für sie nimmt.  Außerdem wollen sie in Entscheidungen eingebunden werden.

Dabei lohnt es sich für Ärztinnen und Ärzte, sich um eine gute Kommunikation zu bemühen, denn die Arzt-Patienten-Beziehung sowie die Therapie profitieren davon. Untersuchungen zeigen, dass sich Patiientinnen und Patienten viel besser mit einer Therapie identifizieren, eine bessere Compliance zeigen und sie sich insgesamt wohler und gesünder fühlen.

12.08.2022, Gemeinschaftspraxis
12.08.2022, ZRN Rheinland
Neuss

Das wissen auch immer mehr Ärztinnen und Ärzte und bemühen sich um eine bessere Kommunikation mit ihren Patientinnen und Patienten. Und auch in der Arztausbildung findet Kommunikationstraining immer häufiger statt. Eine immer größer werdende Anzahl von Universitäten bietet entsprechende Veranstaltungen an. In der medizinischen Weiterbildung allerdings muss in Sachen Kommunikationstraining noch nachgebessert werden.

Verpflichtendes Kommunikationstraining

Für viele Experten und Ärztevertreter ist das Thema so wichtig, dass sie eine verpflichtende Verankerung von Kommunikationskompetenz in der Ausbildung zu Fachärztinnen und Fachärzten fordern. Die Teilnehmenden einer Fachtagung des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) haben ihre Forderungen in Form der sogenannte „Düsseldorfer Erklärung“ verabschiedet. Der abschließenden Erklärung war eine zweijährige Studie vorangegangen, die sich mit der Kommunikationsausbildung von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften auseinandersetzt. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass sowohl die Patientenzufriedenheit in der Abteilung als auch die Berufszufriedenheit bei den Ärztinnen und Ärzten durch konnten eine Kommunikationsausbildung signifikant gesteigert werden.

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