Die Big Five: Was Ärztinnen und Ärzte sich im Job wünschen

25 November, 2025 - 07:13
Stefanie Hanke
Illustration eines Mannes, der ein großes Herz hält, neben einer Wunschliste mit Herzen, umgeben von Wolken und einem blauen Hintergrund.

Was wünschen sich Ärztinnen und Ärzte auf Jobsuche und wie stellen sie sich die ideale Stelle vor? Darum geht es in der aktuellen Studie „Ärztebarometer: Jobsuche & Karriere 2025“ von ÄRZTESTELLEN. Es zeigt sich: Wunsch und Wirklichkeit liegen teilweise weit auseinander.

"Was ist Ihnen bei einem guten Job wichtig“? Diese Frage beantworteten in der größten arbeitsmarktbezogenen Befragung von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland mehr als 3.100 Personen. Das Ergebnis: Es lassen sich fünf Kriterien identifizieren, die für mehr als 90 Prozent der Befragten „sehr wichtig“ oder „wichtig“ sind. Die Big Five unter den Jobprioritäten sind: 

  • Gutes Arbeitsklima (82,0 Prozent „sehr wichtig“/16,8 Prozent „wichtig“)
  • Vereinbarkeit mit Familie und Freizeit (61,4 Prozent/29,6 Prozent)
  • Arbeitszeiten (55,5 Prozent/36,7 Prozent)
  • Arbeitsinhalte (54,6 Prozent/41,4 Prozent)
  • Gehalt und Zusatzleistungen (48,5 Prozent/45,3 Prozent)

06.12.2025, German Medicine Net
Zürich
06.12.2025, Colin Weber GmbH & Co.KG / Kieser Ulm
Ulm

Beim Thema „Weiterbildungsmöglichkeiten“ zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Hierarchiestufen. Besonders wichtig ist dieser Aspekt den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung (96,3 Prozent „sehr wichtig“ oder „wichtig“). Bei den Chefärztinnen und -ärzten ist dieser Wert deutlich niedriger (70,8 Prozent „sehr wichtig“ oder „wichtig“). 

Ärztinnen ist das Thema „Arbeitszeiten“ wichtig

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es unterschiedliche Prioritäten. Frauen finden das Thema „Arbeitszeiten“ deutlich häufiger (65,1 Prozent) „sehr wichtig“ als Männer (45,4 Prozent). Ein gutes Arbeitsklima ist Frauen mit 86,9 Prozent ebenfalls deutlich häufiger „sehr wichtig“ als Männern (77,0 Prozent). Auch auf einen sicheren Job legen Ärztinnen größeren Wert: 45,8 Prozent bewerteten diesen Aspekt als „sehr wichtig“ – im Vergleich zu 38,8 Prozent der Ärzte. Anders sieht es beim Gehalt aus: Dieser Aspekt ist Männern mit 53,8 Prozent deutlich häufiger „sehr wichtig“ als Frauen (43,5 Prozent). Bei den überwiegend männlichen Chefärzten beträgt der Anteil der Bewertung „sehr wichtig“ sogar 55,7 Prozent.

Interessanter Aspekt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung im Arztberuf: Laut der Ärztestatistik der Bundesärztekammer gibt es in diesem Jahr erstmals mehr berufstätige Ärztinnen (50,1 Prozent) als Ärzte. Diese Tendenz wird sich in Zukunft fortsetzen: Etwa zwei Drittel der Medizinstudierenden an deutschen Universitäten sind derzeit weiblich. Die Wünsche und Vorstellungen der Ärztinnen werden also perspektivisch den Arztberuf stärker prägen, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Oft fehlen in Stellenanzeigen relevante Infos

Woher erfahren Ärztinnen und Ärzten auf Jobsuche, ob eine ausgeschriebene Stelle tatsächlich zu ihren Wünschen passt? Hier zeigt sich: In Stellenanzeigen finden die Jobsuchenden häufig nicht die Informationen, die für sie relevant sind. So vermissen 58 Prozent in den Ausschreibungen Angaben zu Arbeitszeiten und möglichen Arbeitszeitmodellen. Ein Blick in 800 Stellenausschreibungen auf ÄRZTESTELLEN zeigt: In weniger als der Hälfte der Stellenanzeigen (47,2 Prozent) gibt es einen Hinweis auf Teilzeitangebote. Nur 10,9 Prozent der untersuchten Anzeigen gehen auf das Thema „Arbeitszeitmodelle“ ein. 

Ähnlich sieht es auch beim Thema Gehalt aus. Für mehr als zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte (69,3 Prozent) sind konkrete Gehaltsangaben in Stellenanzeigen ein „wesentlicher Anreiz für eine Bewerbung“. Allerdings vermisst knapp die Hälfte der Befragten (47,9 Prozent) diese Informationen. Die Analyse bestätigt das: Eine konkrete Gehaltsangabe findet sich nur in 4,2 Prozent der Ausschreibungen. 56,6 Prozent der Anzeigen weisen auf einen gültigen Tarifvertrag hin. Üblich sind auch unkonkrete Formulierungen wie „attraktives Gehalt“ oder „leistungsgerechte Vergütung“ (39,2 Prozent).

Ein gutes Drittel (34,3 Prozent) vermisst in der Kategorie „gutes Betriebsklima“ Hinweise auf die Sicht der aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – beispielsweise durch glaubwürdige Testimonials, einen Verweis auf eine aktuelle Mitarbeiterbefragung oder Arbeitgeberbewertungen in den Stellenanzeigen.

Wie Arbeitgeber punkten können

Aus der Studie lassen sich konkrete Tipps ableiten, mit denen Arbeitgeber bei Ärztinnen und Ärzten punkten können:

  • Stellenanzeigen an Bedürfnissen ausrichten: Denken Sie an die Big Five der Jobprioritäten: Gutes Arbeitsklima, Vereinbarkeit mit dem Privatleben, Arbeitszeiten, Inhalte, Gehalt. Kommunizieren Sie in der Stellenanzeige möglichst konkret, was Sie in diesen Bereichen zu bieten haben.
  • Transparenz bei Arbeitszeiten und Gehalt: Prüfen Sie, ob Sie diese Informationen kommunizieren können. Setzen Sie dabei auf konkrete Angaben statt auf Floskeln.
  • Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen: Teilzeit? Jobsharing? Zeigen Sie, welche Modelle bei Ihnen möglich sind – am besten mit konkreten Beispielen.
  • Glaubwürdigkeit beim Betriebsklima: Werten Sie Stellenanzeigen mit Stimmen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf, um Interessierten einen Eindruck vom Arbeitsklima zu geben.
  • Bedürfnisse von Ärztinnen in den Fokus nehmen: Schaffen Sie Angebote und Strukturen, die besonders für Ärztinnen attraktiv sind. Dazu zählen neben Teilzeitmodellen und flexiblen Arbeitszeiten auch eine weniger männlich geprägte Arbeitskultur und flachere Hierarchien, die für ein als angenehmer empfundenes Arbeitsklima sorgen.

3.132 teilnehmende Ärztinnen und Ärzte

An der Studie nahmen zwischen dem 3. Mai und dem 20. Juli 2025 insgesamt 3.132 Ärztinnen und Ärzte teil. Die Befragung wurde bereits zum fünften Mal, nach 2016, 2018, 2021 und 2023, im Auftrag des Deutschen Ärzteverlags vom Wissenschaftlichen Institut für Presseforschung und Publikumsanalysen (WIP) in Köln durchgeführt. Die Befragten sind im Schnitt 44,2 Jahre alt. 51,6 Prozent der Befragten sind weiblich, 48,2 Prozent männlich, 0,2 Prozent der Befragten gaben als Geschlecht „divers“ an.

27,2 Prozent sind Ärzte/Ärztinnen in Weiterbildung, 30,2 Prozent sind Fachärzte/-ärztinnen, 29,6 Prozent sind Oberärzte/-ärztinnen und 6,1 Prozent sind Chefärzte/-ärztinnen. Mit 24,0 Prozent arbeiten die meisten Befragten in der Inneren Medizin, 13,7 Prozent sind im Bereich Anästhesiologie tätig. Mit 12,9 Prozent stehen die chirurgischen Fächer an dritter Stelle. Das Whitepaper mit den ausführlichen Umfrageergebnissen können Sie anfordern unter: service@aerztestellen.de

Dtsch Arztebl 2025; 122(24): [2]

Das könnte Sie auch interessieren: