DKG-Umfrage: Übergriffe auf Klinikpersonal nehmen zu

3 März, 2026 - 07:42
Dr. Sabine Glöser
Ein Arzt in weißem Kittel wird von einer Person in dunkler Kleidung körperlich bedrängt, in einem modernen Gebäude mit Glasfront.

Das Personal in Krankenhäusern ist immer öfter gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Insgesamt nahmen 376 Allgemeinkrankenhäuser an der Umfrage teil.

Die wichtigsten Ergebnisse: 66 Prozent der Krankenhäuser gaben an, dass die Zahl der Übergriffe mäßig (42 Prozent) oder deutlich (24 Prozent) gestiegen ist. In 51 Prozent der Fälle gewalttätiger Übergriffe auf das Personal waren Pflegekräfte betroffen, in 21 Prozent Ärztinnen und Ärzte und in 6 Prozent Beschäftigte aus anderen Bereichen. 95 Prozent der befragten Häuser registrierten Übergriffe in der Notaufnahme. Als Hauptgrund dafür nannten 71 Prozent der Häuser krankheitsbedingte Ursachen und allgemeinen Respektverlust; 41 Prozent gaben lange Wartezeiten an.

Die meisten Krankenhäuser reagieren bereits auf die Angriffe. Demnach schulen 77 Prozent die Beschäftigten in besonders von Gewalt betroffenen Bereichen in Deeskalation. 47 Prozent schulen die Beschäftigten aller Stationen. Zwei Drittel der Kliniken verfügen über eine Gefährdungsbeurteilung und Alarmierungskette. Mehr als ein Drittel hat die Gebäude baulich auf Gewaltprävention angepasst. Allerdings stellten bisher nur 43 Prozent der Häuser Strafanzeige infolge von gewalttätigen Übergriffen.

„Für die Betroffenen bleibt oft die Erkenntnis, dass eine Strafanzeige mit ihren Zeugenvernehmungen und Formularen zwar sehr zeitaufwendig ist, am Ende aber die Situation nicht verändert“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Prof. Dr. Henriette Neumeyer. Letztlich müssten Politik und Justiz für eine angemessene strafrechtliche Grundlage sorgen und Gewalttaten konsequent verfolgen. Die DKG fordert unter anderem die strafrechtliche Gleichstellung von Übergriffen auf Krankenhauspersonal mit denen auf Einsatzkräfte. Auch sollten Krankenhäusern die Kosten für Sicherheitspersonal und anderen Schutz vor Übergriffen refinanziert werden.

Dtsch Arztebl 2026; 123(5): [4]

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