Facharzt-Weiterbildung HNO-Heilkunde: Dauer, Inhalte, Berufsperspektiven

24 April, 2020 - 07:19
Lukas Hoffmann

Wie wird man Facharzt oder Fachärztin in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde? Wie lange dauert die Weiterbildung und wo kann man sich niederlassen? Hier finden Sie Antworten zu Weiterbildung und Karriere.
 


Auf einen Blick: Facharzt-Weiterbildung HNO-Heilkunde

  • Definition: Fachärzte für HNO-Heilkunde beschäftigen sich mit Erkrankungen, Verletzungen, Verletzungsfolgen, Fehlbildungen und Funktionsstörungen der Ohren, der oberen Luftwege, der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes, der unteren Luftwege und der Speiseröhre.
  • Dauer: Die Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde dauert 60 Monate. Davon können bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen. 
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 8.719 Fachärzte für HNO-Heilkunde. Davon sind 6.498 berufstätig. 4.538 arbeiten ambulant, 1.594 stationär in einer Klinik, 86 in Behörden, Körperschaften und ähnlichen Einrichtungen.
     

Habe ich Heuschnupfen oder eine Corona-Infektion? Diese Frage hören HNO-Ärzte seit Beginn der COVID-19-Pandemie oft von Patienten. Sie sind neben Pneumologen und natürlich Virologen wichtige Ansprechpartner in der Corona-Krise, denn in ihren Untersuchungsbereich fallen auch die oberen und unteren Luftwege, die bei Coronavirus-Patienten betroffen sind. 

Daneben decken sie viele weitere Behandlungsbereiche bei Jung und Alt ab: HNO-Ärzte beschäftigen sich mit der Erkennung und Therapie von Verletzungen, Fehlbildungen und Tumoren des Ohres, der Nase, des Halses, der Nasennebenhöhlen und der Mundhöhle. Ein HNO-Arzt ist nicht nur ein „Mandelschneider“ sagt PD Dr. Elias Scherer, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, und tritt damit einem häufig und gerne geäußerten Klischee entgegen. Tatsächlich reiche das Spektrum des HNO-Facharztes von der Behandlung einer allergiebedingten chronischen Nasennebenhöhlenentzündung bis hin zu mikrochirurgischen Eingriffen am offenen Kehlkopf. Sein Spezialgebiet ist die Kopf-Hals-Chirurgie. Hierzu zählt die operative Entfernung von Tumoren an schwer zugänglichen Stellen. 

Ob Klinik oder Niederlassung, HNO-Ärzte werden überall gebraucht. In der Karte unten sind jene Versorgungsgebiet grau eingefärbt, in der die Gründung einer Neupraxis möglich ist. Besonders im Südwesten Deutschlands sieht es gut aus. In Baden-Württemberg ist nicht nur auf dem Land, sondern auch in einigen Städten, wie Karlsruhe, Stuttgart oder Ludwigsburg, die Neugründung einer Praxis möglich. Deutschlandweit am wenigsten HNO-Ärzte gibt es allerdings im bayrischen Haßberge, einem rund 500 Meter hohen Mittelgebirgszug zwischen Schweinfurt und Bamberg. 

Versorgungsgrad niedergelassener HNO-Ärzte

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In allen Kreisregionen, die dunkelgrün gefärbt sind, liegt der Versorgungsgrad bei über 110 Prozent. Hier ist nur noch die Übernahme einer bereits bestehenden Praxis möglich. Denn als Faustregel gilt: Wenn der Versorgungsgrad in einem Gebiet unter 110 Prozent liegt, dann gibt es eine Kassenzulassung und man kann eine Praxis neu gründen. Liegt der Versorgungsgrad über 110 Prozent ist nur die Übernahme einer bereits bestehenden Praxis möglich. Wer sich einen Überblick verschaffen will, welche Praxen gerade angeboten werden, findet auf KVbörse viele Anzeigen. 

Bevor man sich niederlässt oder über eine Facharztanstellung in einer Klinik nachdenkt, muss man die Weiterbildung absolvieren. Sie dauert 60 Monate, also fünf Jahre, und kann in einer Praxis oder einem Klinikum abgeleistet werden. Auch ein Wechsel innerhalb der Weiterbildung ist möglich, man kann also zum Beispiel zwei Jahre in einer Klinik und danach zwei Jahre in einer Praxis lernen.

Hier geht es zu aktuellen Assistenzarztstellen in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde auf aerztestellen.de
 


Die Weiterbildung HNO-Heilkunde im Überblick

Dauer der Weiterbildung 

Die Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde dauert 60 Monate. Davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen. 

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (Richtzahl: 5)

  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesie

  • Punktions- und Katheterisierungstechniken

Notfälle

  • Gebietsbezogene Notfälle und Traumatologie
  • Durchführung von Notfallmaßnahmen, insbesondere Tamponadetechniken, Koagulationen, Fremdkörperextraktionen, Hämatomentlastungen

  • Mitbehandlung polytraumatisierter Patienten im interdisziplinären Team

Entzündungen

  • Behandlung von entzündlichen Erkrankungen sowie deren Folgen, insbesondere fortgeleiteter und rezidivierender Entzündungen sowie deren Sonderformen

  • Mitbehandlung bei Immun- und Autoimmunkrankheiten, insbesondere Granulomatosen, Kollagenosen und andere Bindegewebskrankheiten, Vaskulitiden

Alters- und geschlechtsspezifische Erkrankungen

  • Erregerbedingte Tropen- und Infektionskrankheiten
  • Diagnostik und Therapie von Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, z. B. Hör- und Felsenbeinerkrankungen, Adenoidhyperplasie mit Folgeerkrankungen, Rhinosinusitiden, Larynx- und Trachealerkrankungen, Speicheldrüsenerkrankungen

  • Indikationsstellung zur apparativen Unterstützung schwerhöriger Kinder, Einleitung und Überwachung von Therapiemaßnahmen

  • Mitbehandlung der Mukoviszidose

  • Diagnostik und Therapie bei Erkrankungen im Alter, insbesondere Schwerhörigkeit, Schwindel, Stimmstörungen, Schluckstörungen einschließlich Zenkerdivertikel

Funktionelle Störungen

  • Diagnostik, konservative und operative Therapie funktioneller Störungen, insbesondere
  1. des Hörens einschließlich Tinnitus, des Gleichgewichts und audiovisueller Wahrnehmungsstörungen

  2. des Riechens und Schmeckens, der Atmung und anderer Hirnnerven sowie der Speicheldrüsen

  • Funktionsstörungen der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke
  • Indikationsstellung zu logopädischer, physikalischer und psychosomatischer Therapie sowie deren Überwachung

Allergische und immunologische Erkrankungen sowie Umweltmedizin

  • Grundlagen der Typ I - IV-Reaktionen allergischer Erkrankungen
  • Diagnostik allergischer und pseudoallergischer Erkrankungen, insbesondere

  1. kutane (Prick-)Tests, ggf. auch epi- und intrakutane Tests, unspezifische Tests, Provokationstests (Richtzahl: 200)

  2. Interpretation von allergologischen in-vitro Testverfahren

  • Therapie allergischer und pseudoallergischer Erkrankungen einschließlich Erstellung eines Therapieplans, z. B. Karenz, medikamentöse Therapie, spezifische Immuntherapie (Richtzahl: 25)

  • Therapie der Anaphylaxie gemäß Schweregrad einschließlich des anaphylaktischen Schocks

  • Berufserkrankungen bedingt durch z. B. Lärm, Holz, Staub, Asbest

  • Prävention, Diagnostik und Therapie von Schädigungen durch Innenraum- und Außenluftschadstoffe, kanzerogene Substanzen und Lärm sowie toxische Substanzen und druck- bzw. schallbedingte Traumata

Gebietsbezogene Psychosomatik

  • Psychogene Symptome, somatopsychische Reaktionen und psychosoziale Zusammenhänge
  • Gebietsbezogene psychosomatische Erkrankungen

Diagnostische Verfahren

  • Biopsien und Exzisionen von Hauttumoren und Hautveränderungen
  • Histologische, zytologische und mikrobiologische Probengewinnung

  • Indikationsstellung und Befundinterpretation mikrobiologischer, chemischer und hämatologischer Untersuchungsverfahren

  • Elektrophysiologische Untersuchungen einschließlich Elektromyographie und Elektroneurographie

  • Mikroskopische und endoskopische Untersuchungsmethoden, insbesondere

  1. Ohrmikroskopie und Ohrendoskopie, Rhinoskopie, Sinuskopie, Pharyngoskopie (Richtwert: 100)

  2. Laryngoskopie/Stroboskopie, Tracheo- Bronchoskopie, Ösophagoskopie (Richtwert: 100)

  3. Dakryozystoskopie, Tubenendoskopie, Sialendoskopie (Richtwert: 10)

  • Sonographische Untersuchungen, davon

  1. Gesichts- und Halsweichteile (Richtwert: 100)

  2. Nasennebenhöhlen (Richtwert: 100)

  3. Schilddrüse (richtungsweisend)

  4. Doppler-/Duplexsonographien der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße (Richtwert: 200)

  • 3D-Röntgendiagnostik

  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

  • Grundlagen nuklearmedizinischer Verfahren

  • Ganzkörperplethysmographie

  • Audiologische Untersuchungsverfahren (Richtwert: 200), insbesondere

  1. Tonschwellen-, Sprach-, Hörfeldaudiometrie und Freifeldmessung

  2. elektrische Reaktionsaudiometrie (ERA) und Diagnostik zentraler Hörstörungen

  3. otoakustische Emissionen

  4. Impedanzmessungen mit Stapediusreflexmessung

  5. Tubenfunktionsprüfungen

  • Neugeborenenhörscreening und -tracking (Richtwert: 20)

  • Manuelle Untersuchungen der Halswirbelsäule

  • Manometrie und pH-Metrie des Ösophagus

  • Hörgeräteversorgung und deren Überprüfung (Richtwert: 20)

  • Neurootologische Untersuchungsverfahren (Richtwert: 200), insbesondere

  1. Prüfung auf Spontan- und Provokationsnystagmus

  2. Lage- und Lagerungsprüfung, insbesondere auf benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel

  3. vestibulär evozierte myogene Potenziale

  4. experimentelle Nystagmusprovokation und Nystagmographie

  5. spinovestibuläre, vestibulospinale und zentrale Tests

  6. Kopf-Impulstest, Hals-Drehtest, Video- Kopfimpulstest

  • Objektive Ventilationsprüfungen (Richtwert: 20), z. B.

  1. Rhinomanometrie

  2. Spirometrie, Spirographie

  • Prüfungen von Riech- und Schmeckstörungen (Richtwert: 10)

  • Sialometrie, Hirnnervenuntersuchung, Schluckdiagnostik, Tränensekretionsprüfung (Richtwert: 20)

Gebietsbezogene Schmerzmedizin

  • Periphere Regionalanästhesien und Nervenblockaden zur perioperativen regionalen Schmerztherapie (Richwert: 50)

  • Pharmakologische und nicht-pharmakologische Schmerztherapie

Therapeutische Verfahren

  • Intratympanale Therapie (Richtwert: 10)

  • Versorgung mit Trachealkanülen, Stimmprothesen (Richtwert: 100)

  • Grundlagen alternativer Therapien einschließlich Akupunktur und Naturheilverfahren

  • Wundversorgung an der Haut

  • Operative Therapie einschließlich endoskopischer und mikroskopischer Techniken

  1. an Ohr, Tuba auditiva, Felsenbein, Gehörgang, Ohrmuschel, z. B. Anlegeplastiken einschließlich Felsenbeinpräparationen, insbesondere Parazentesen/Paukendrainagen (Richtwert: 50)

  2. an Nase, Nasennebenhöhlen, ableitenden Tränenwegen, Orbita und Weichteilen des Gesichtsschädels, insbesondere Nasenseptumkorrekturen, Eingriffe an den Nasenmuscheln, der äußeren Nase, Infundibulotomien, Antroskopien, Polypektomien (Richtwert: 100)

  3. im Pharynx, insbesondere Adenotomien, Tonsillektomien/Tonsillotomien sowie der Mundhöhle einschließlich Lippen (Richtwert: 100)

  4. im Bereich des Kehlkopfes, insbesondere Eingriffe zur Stimmverbesserung und an der Luftröhre sowie Tracheotomien/Punktionstracheotomien und Eingriffe an den oberen Speisewegen (Richtwert: 50)

  5. am äußeren Hals (Richtwert: 10)

  6. Abszessdrainagen

  7. an Speicheldrüsen und -ausführungsgängen, insbesondere an Glandula parotis/submandibularis/sublingualis (Richtwert: 20)

  8. bei schlafbezogenen Atmungsstörungen (Richtwert: 10)

  9. bei Nasengerüstfrakturen (Richtwert: 20)

  10. Lymphknotenexstirpationen (Richtwert: 20)

Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade (Richtwert: 100), z. B.

  1. Ohr-Operationen einschließlich aktiver implantierbarer Hörsysteme, insbesondere Operationen bei Fehl- und Missbildungen im äußeren Ohr und Mittelohr, sanierende Mittelohroperationen, Tympanoplastikformen sowie an der Laterobasis
  2. Mittelgesichtsfrakturen, Felsenbeinfrakturen und Verletzungen von Larynx, Trachea, oberem Ösophagus

  3. in der Orbita und Periorbita

  4. bei Empyem, Muko-Pyozelen

  5. endonasale und extranasale Pansinusoperationen und Eingriffe an der frontalen Schädelbasis sowie an ableitenden Tränenwegen

  6. Parotidektomie

  7. Nervenrekonstruktionen oder mikrovaskuläre Anastomosen, Implantation von Nervenstimulatoren

  8. Lasergestützte Behandlungsverfahren (Richtwert: 20)

  9. Versorgung mit gastroenteralen Sonden sowie Durchführung enteraler und parenteraler Ernährungstherapien (Richtwert: 20)

Turmorerkrankungen

  • Grundlagen medikamentöser Tumortherapie sowie Strahlentherapie
  • Diagnostik und operative Therapie von Tumorerkrankungen einschließlich onkologischer Nachsorge

  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

  • Mitwirkung bei der systemischen Tumortherapie sowie der supportiven Therapie bei soliden Tumorerkrankungen der Facharztkompetenz

  • Erste Assistenz bei großen tumorchirurgischen Operationen im Kopf-Hals-Bereich einschließlich Lymphsystem/Neck Dissection, Schilddrüse und rekonstruktiver Verfahren

Hereditäre Erkrankungen

  • Indikationsstellung zur humangenetischen Beratung
  • Behandlung dysontogenetischer Veränderungen, insbesondere an den Ohrmuscheln, bei lateralen und medianen Halszysten und Fisteln

Prävention und Rehabilitation

  • Prävention und Rehabilitation bei Hörstörungen von Kindern und Jugendlichen
  • Tauglichkeitsuntersuchungen

  • Beratung zu Mund- und Zahnhygiene

  • Sturzprophylaxe

  • Beratung zum Gehörschutz

  • Beratung im Rahmen der Suchtprävention und Entwöhnung

  • Rehabilitation nach Cochlear-Implantation

  • Indikationsstellung zur Stimmrehabilitation

Schlafbezogene Atemstörungen

  • Grundlagen der Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen, insbesondere Polysomnographien
  • Kardiorespiratorische Polygraphien (Richtwert: 25)

Stimm-, Sprech- und Sprach- sowie Schluckstörungen

  • Grundlagen der Diagnostik und Therapie, insbesondere von
  1. Schluckstörungen

  2. funktionellen Stimmstörungen

  3. Dysphonie einschließlich Dystonie, Aphonie und Mutationsstörungen

  4. Dyslalie, Dysglossie und Rhinolalie

  5. Dysarthrie, Aphasie, Apraxie und Ataxie

  6. Redeflussstörungen

  7. verzögerter Sprachentwicklung

  • Diagnostik von Schluckstörungen, insbesondere fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES) und Interpretation radiologisch-bildmorphologischer Befunde (Richtwert: 20)

  • Konservative und operative Therapieoptionen bei Schluckstörungen

Wiederherstellungschirurgie

  • Prinzipien der plastischen und Wiederherstellungschirurgie einschließlich der Verwendung von freien, gestielten und gefäßanastomosierten Lappen
  • Einsatz von Biomaterialien

  • Plastische Maßnahmen geringeren Schwierigkeitsgrades an Nase und Ohr (Richtwert: 25), z. B.

  1. Defektdeckungen

  2. Nahlappenplastiken

  3. Implantation von Biomaterialien

Quellen Facharztweiterbildung: Musterweiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2019,
Quelle Karte: Versorgungsgrad nach Planungsregionen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Stand 2020).

 


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