Fachgesellschaften: Zu wenige Frauen in Führungsgremien

9 Dezember, 2025 - 06:04
Dr. Sabine Glöser
Vergrößerte Darstellung einer roten Frauenfigur durch eine Lupe, umgeben von weißen Figuren

Trotz ihres wachsenden Anteils im Arztberuf sind Frauen in den Führungsgremien medizinischer Fachgesellschaften stark unterrepräsentiert. Das zumindest ergab eine Analyse der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Den Ergebnissen zufolge gibt es in den 183 medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland 1.460 Vorstandsmitglieder. Nur rund ein Drittel dieser Führungspositionen sind mit Frauen besetzt. Zudem werden lediglich 47 Fachgesellschaften von einer Frau geführt, was einem Verhältnis von eins zu drei entspricht. Im Vergleich dazu beträgt der Frauenanteil im Medizinstudium seit Jahren mehr als 60 Prozent. Aus Sicht des Autorenteams verhindern männerdominierte Netzwerke eine nachhaltige Förderung und Sichtbarkeit von Frauen in den Fachgesellschaften und damit im Arztberuf.

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„Die Gründe für diesen Missstand sind vielfältig“, sagte DIVI-Generalsekretär Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Direktor der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin im St.-Antonius-Hospital Eschweiler. „Es gibt strukturelle Hürden, von intransparenten Auswahlverfahren bis hin zu tradierten Rollenbildern, die Frauen doppelt belasten und Karrieren erschweren.“ Auch fehlten weibliche Vorbilder und Netzwerke, die Frauen gezielt fördern.

Im gesamten System der medizinischen Fachgesellschaften sei ein Kulturwandel nötig. „Mentoring-Programme, transparente Wahlprozesse, familienfreundlichere Rahmenbedingungen und aktive Beteiligung von Frauen auf Kongressen sind Maßnahmen, die wir konsequent umsetzen müssen“, betonte Janssens. Mit Blick auf ihr eigenes Präsidium mit zehn Männern und zwei Frauen räumte DIVI-Präsident Prof. Dr. Florian Hoffmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter Orden in München-Nymphenburg, ein: „Wir halten uns hier alle selbst den Spiegel vor und müssen dranbleiben.“ Die Analyse ist in der Fachzeitschrift Deutsche Medizinische Wochenschrift erschienen (DOI: 10.1055/a-2618–0902).

Dtsch Arztebl 2025; 122(25): [4]

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