Frauen bringen Teams zu besseren Leistungen

18 Februar, 2020 - 13:15
Dr. Sabine Glöser

Arbeitsgruppen unter weiblicher Leitung erzielen bessere Ergebnisse als jene unter männlicher. Insbesondere Frauen laufen unter weiblicher Führung zu Höchstform auf. Trotzdem beurteilen männliche Teammitglieder die Führungsleistung von Frauen schlechter. Das zumindest sind Ergebnisse einer Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

An dem Teamwork-Feldexperiment an der Universität Kalabrien in Süditalien nahmen 430 Studierende teil, die freiwillig einen Teil ihrer Prüfung als Teamarbeit absolvierten. Wie sich die Dreierteams zusammensetzten und wer jeweils die Führungsrolle übernahm, wurde ausgelost. So konnten die Forscher den Effekt unterschiedlicher Geschlechterkonstellationen in einem realen Arbeitsumfeld messen.

Trotz gleichem Zeiteinsatz erzielten die von Frauen geführten Teams signifikant bessere Abschlussnoten. Ausschlaggebend dafür waren die individuellen Leistungen der Teammitglieder. Dieser Effekt war den Teamleiterinnen gar nicht bewusst. So beurteilten sie ihre eigenen Führungsleistungen nicht besser als die Teamleiter. Hingegen erbrachten die Teamleiterinnen selbst schwächere Prüfungsleistungen als weibliche Teammitglieder. Auch empfanden sie ihre Aufgabe, gemeinsame Arbeitstreffen zu organisieren und die Vorbereitung auf die Prüfung zu koordinieren, als besonders zeitintensiv.

Frauengeführte Teams, folgern die Studienautoren, profitieren vom uneigennützigen Engagement der Chefinnen sowie deren Organisations- und Motivationstalent. Die Teamleiterinnen investierten mehr Zeit zum Wohle der Gruppe, selbst wenn ihr eigenes Lernpensum zu kurz komme. Diese „typisch weiblichen“ Eigenschaften würden in modernen, von Kooperation geprägten Arbeitsumgebungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Doch: „Männer scheinen immer noch Vorbehalte gegen weibliche Führung zu haben, obwohl oder vielleicht gerade weil diese sich als besonders effektiv erweisen kann“, mutmaßte einer der Studienautoren, Vincenzo Scoppa von der Universität Kalabrien.

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): [4]

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