Hitzeschutz im Krankenhaus

11 September, 2023 - 06:58
Miriam Mirza
Arzt hält Schild "Hitzewelle"

Der Klimawandel macht sich immer mehr bemerkbar. Die zunehmend heißen Sommer der letzten Jahre haben einerseits zu mehr Hitzetoten geführt, und sie belasten die Gesundheit von Patientinnen und Patienten. Darüber hinaus sind die Kliniken als Arbeitgeber dafür verantwortlich, für ihr Personal gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, weshalb sie sich auch in dieser Hinsicht mit dem Thema Hitzeschutz beschäftigen sollten.

Dass die Zahl der heißen Tage (darunter versteht man Tage mit einem Tagesmaximum der Lufttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius) zunimmt, ist statistisch bewiesen: Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts hat sich seit den 1950er Jahren die Zahl der Hitzetage von etwa drei Tagen auf derzeit durchschnittlich neun Tage pro Jahr verdreifacht. Auch markante Hitzeperioden nahmen in diesem Zeitraum sowohl in der Häufigkeit als auch in der Intensität zu. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Dass die Hitze zu Problemen führt, ist auch schon bei den Kliniken angekommen. Das Problem: Die wenigsten Häuser sind darauf vorbereitet, und nur die wenigsten können Temperaturen effizient und flächendeckend herunterregulieren. In der Regel sind dafür – meist nicht unerhebliche und darum kostenintensive – bauliche Maßnahmen erforderlich.

Hitzeschutz für Patientinnen und Patienten

Dennoch kann ein Krankenhaus verschiedene Maßnahmen ergreifen, um den Hitzeschutz von Patientinnen und Patienten während heißen Wetterperioden zu gewährleisten.:

  • Temperaturkontrolle: Die Innentemperatur im Krankenhaus sollte möglichst angemessen gekühlt sein, um den Komfort der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Klimaanlagen und Lüftungssysteme sollten richtig gewartet werden, um eine angenehme Umgebung aufrechtzuerhalten.
     
  • Flüssigkeitsversorgung: Eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit ist ein Muss. Alle Patientinnen und Patienten sollten mehr Wasser und Flüssigkeiten erhalten, um Dehydrierung zu verhindern. Dies ist besonders wichtig für ältere Menschen und Patientinnen und Patienten, die möglicherweise Schwierigkeiten haben, ihren Flüssigkeitsbedarf zu erkennen.
     
  • Kühlungsmöglichkeiten: Das Angebot von Möglichkeiten zur Kühlung wird von Patientinnen und Patienten größtenteils gerne angenommen. Hierzu bieten sich beispielsweise kühlende Kompressen, Ventilatoren oder kühle Tücher an. Bei Bedarf könnten auch spezielle Kühlmatratzen oder -polster verwendet werden.
     
  • Information und Aufklärung: Eine gute Aufklärung kann präventiv wirken. Darum sollten Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen über die Risiken von Hitzestress und Möglichkeiten, sich dagegen zu schützen, aufgeklärt werden. Auch Anweisungen zur Vermeidung von Überhitzung und Dehydrierung sollten weitergegeben werden.
     
  • Schutz für gefährdete Gruppen: Besondere Aufmerksamkeit sollte älteren Patientinnen und Patienten, Kindern, schwangeren Frauen und Menschen mit bestimmten medizinischen Bedingungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegsproblemen gewidmet werden. Diese Personen sind oft anfälliger für hitzebedingte Probleme.
     
  • Patientenverlegungen: In Fällen extremer Hitze oder Hitzewellen könnte es notwendig sein, Patientinnen und Patienten in kühleren Bereichen des Krankenhauses unterzubringen oder gegebenenfalls Verlegungen in andere Einrichtungen zu organisieren.
     
  • Überwachung: Um Anzeichen von Hitzeerschöpfung oder -schlag frühzeitig zu erkennen, ist eine regelmäßige oder engmaschigere Überwachung der Vitalparameter angemessen. Dies ist besonders wichtig bei gefährdeten Patientinnen und Patienten.
     
  • Medikamentenmanagement: Oft unterschätzt wird die Tatsache, dass Hitze die Wirksamkeit von bestimmten Medikamenten beeinflussen kann. Das sollte überprüft und die Dosierungen gegebenenfalls angepasst werden.
     
  • Personalschulung: Auch das Krankenhauspersonal sollte im Umgang mit hitzebedingten Notfällen geschult werden, damit sie schnell und angemessen reagieren können.
     
  • Notfallplanung: Eine gute Vorbereitung ist eine echte Hilfe für den Notfall. Das macht die Entwicklung eines Notfallplans für hitzebedingte Situationen sinnvoll, der klare Anweisungen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten während Hitzewellen oder extremen Temperaturen enthält.

Hitzeschutz für das Krankenhauspersonal

Doch nicht nur der Schutz der Patientinnen und Patienten sollte Krankenhäusern ein Anliegen sein, auch von Mitarbeitenden muss Schaden abgewandt werden. Der Schutz des Krankenhauspersonals vor Hitzebelastung ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass sie in der Lage sind, qualitativ hochwertige Pflege zu leisten und gleichzeitig ihre eigene Gesundheit zu erhalten. Hier sind einige Maßnahmen, die ein Krankenhaus für den Hitzeschutz seines Personals ergreifen kann:

  • Bereitstellung von Hitze-Richtlinien: Das Krankenhaus sollte klare Richtlinien und Protokolle für den Umgang mit Hitzebelastung und Hitzestress entwickeln und mit dem Personal teilen.
     
  • Adäquate Arbeitskleidung: Mitarbeitenden sollte angemessene und atmungsaktive Arbeitskleidung, die die Möglichkeit von Hitzestau minimiert, zur Verfügung gestellt werden.
     
  • Trinkwasserversorgung: Mit nicht allzu großem Aufwand können überall im Krankenhaus leicht zugängliche Trinkwasserspender aufgestellt und das Personal ermutigt werden, regelmäßig Flüssigkeiten zu sich zu nehmen, um Dehydrierung zu vermeiden.
     
  • Pausenmanagement: Hitze belastet den Körper. Darum sind regelmäßige Pausen und Ruhezeiten in kühlen Bereichen wichtig.
     
  • Arbeitszeitflexibilität: Wenn möglich, sollten die Häuser flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen, um die heißesten Stunden des Tages zu vermeiden.
     
  • Klimatisierung: Alle Arbeitsbereiche im Krankenhaus sollten angemessen klimatisiert sein, um ein komfortables Arbeitsumfeld zu gewährleisten.
     
  • Schulung und Sensibilisierung: Auch das Personal sollte über die Risiken von Hitzestress und wie es sich schützen kann, aufgeklärt werden.
     
  • Schutzkleidung und Ausrüstung: Wenn das Personal Schutzkleidung oder spezielle Ausrüstung tragen muss, um bestimmte Aufgaben auszuführen, ist zu prüfen, ob diese Ausrüstung atmungsaktiv ist und angemessen belüftet wird.
     
  • Regelmäßige Gesundheitschecks: Um Anzeichen von Hitzeerschöpfung oder -schlag frühzeitig zu erkennen, sind regelmäßige Gesundheitsüberprüfungen hilfreich.
     
  • Notfallplanung: Krankenhäuser brauchen einen Notfallplan, der beschreibt, wie das Personal im Falle von Hitzestress oder Hitzestresssymptomen reagieren soll. Außerdem sollten sie sicherstellen, dass alle Mitarbeitenden darüber informiert sind.
     
  • Unterstützung bei Bedarf: Ein guter Arbeitgeber bietet Unterstützung und Ressourcen für Mitarbeitende an, die aufgrund von gesundheitlichen Bedenken oder anderen Gründen besondere Anforderungen an den Hitzeschutz haben.
     
  • Personalaustausch: Wenn möglich, ist die Organisation von Personalaustausch eine Option, um die Belastung auf einzelne Mitarbeitende während heißer Perioden zu reduzieren.

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Die spezifischen Maßnahmen können je nach den Gegebenheiten des Krankenhauses, der Region und den Arbeitsbedingungen variieren. Das Hauptziel sollte jedoch darin bestehen, das Wohlbefinden und die Gesundheit des Krankenhauspersonals sowie der Patientinnen und Patienten zu schützen.

Hitzeschutzinitiative der Bundesregierung

Im Juli 2023 legte Bundesgesundheitsministier Karl Lauterbach erstmals einen ersten, konkreten Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums für den Sommer vor. Ebenfalls geladen waren Vertreterinnen und Vertretern der Pflege, der Städte und Kommunen, der Ärzteschaft sowie Wissenschaft. Um kurzfristig wirksamen Hitzeschutz zu betreiben, legt die Initiative zunächst den Schwerpunkt vor allem auf die Kommunikation und die Sensibilisierung. Langfristig wollen sich die Verantwortlichen jedoch auch strukturell besser aufstellen. Dazu soll im Herbst eine Statuskonferenz stattfinden, auf der über weitere Maßnahmen gesprochen werden soll, um für den Sommer 2024 besser gerüstet zu sein.

 

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