Jeder fünfte Klinikarzt denkt über Berufswechsel nach

9 März, 2020 - 13:56
Dr. Sabine Glöser / Stefanie Hanke

Viele Ärztinnen und Ärzte an deutschen Kliniken fühlen sich aufgrund der Arbeitsbedingungen überlastet und stoßen an ihre gesundheitlichen Grenzen. Das zumindest geht aus den Ergebnissen einer Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) hervor. Im Auftrag des MB befragte das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) im Herbst 2019 bundesweit 6.500 angestellte Ärztinnen und Ärzte online.

Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) haben der Befragung zufolge das Gefühl, die Gestaltung ihrer Arbeitszeiten beeinträchtige sie in ihrer Gesundheit, beispielsweise in Form von Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit. 16 Prozent der Befragten gaben an, schlecht oder sogar sehr schlecht zu schlafen.

Wie beurteilen Sie die Qualität Ihres Schlafes?

15 Prozent waren durch ihre Arbeit schon einmal so stark psychisch belastet, dass sie sich in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung begeben mussten, zum Beispiel wegen eines Burn-outs. Jeder Fünfte der Befragten (21 Prozent) denkt inzwischen über einen Berufswechsel nach. Knapp die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte (49 Prozent) fühlen sich häufig überlastet. Jeder Zehnte sagte, er gehe ständig über seine Grenzen.

Wie schätzen Sie Ihre Arbeitsbelastung ein?

 

Aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte geht darüber hinaus im Arbeitsalltag immer mehr Zeit wegen administrativer Aufgaben verloren. Den Ergebnissen zufolge ist der tägliche Zeitaufwand für Datenerfassung, Dokumentation und organisatorische Tätigkeiten im Vergleich zu früheren MB-Befragungen stark gestiegen. Gaben im Jahr 2013 acht Prozent der Ärzte an, mindestens vier Stunden am Tag mit Verwaltungstätigkeiten befasst zu sein, waren es im Herbst 2019 schon 35 Prozent.

Zeit für eine Pause bleibt bei der allgemein hohen Arbeitsbelastung für viele nur noch selten: 60 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte verzichten häufiger pro Woche oder sogar täglich auf eine Pause.

Verzichten Sie während der Arbeit auf Ihre Pause?

So verwundert es nicht, dass knapp die Hälfte (48 Prozent) die Arbeitsbedingungen nur als "mittelmäßig" beurteilen. Insgesamt 23 Prozent gaben sogar an, ihre Arbeitsbedingungen seien "schlecht" oder "sehr schlecht".

Wie beurteilen Sie Ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen?

 

Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken müssten sich grundlegend verbessern, fordert die 1. Vorsitzende des MB, Dr. Susanne Johna. „Wer auf Dauer an seinen eigenen Ansprüchen scheitert und keine Zeit hat für Gespräche mit Patienten, für kollegialen Austausch und nach der Arbeit für Familie und Freunde“, sagte sie weiter, „fängt irgendwann an, die eigene Tätigkeit infrage zu stellen. Weder der Politik noch den Krankenhäusern darf diese Entwicklung gleichgültig sein.“

Dtsch Arztebl 2020; 117(10): [4]

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