Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: „Man muss Medizinisches auch mal delegieren können“

19 Oktober, 2021 - 07:51
Dr. Sabine Glöser
Karriere Konkret: Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling
Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling ist Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Leiter des zertifizierten Prostatazentrums an der Ammerland-Klinik in Westerstede.

Wer im Krankenhaus Karriere machen will, braucht neben fachlichen Qualifikationen auch andere Fähigkeiten. Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Leiter des zertifizierten Prostatazentrums an der Ammerland-Klinik in Westerstede, berichtet über seine Erfahrungen auf dem Weg nach oben.

Herr Prof. Kausch von Schmeling, was braucht es neben der fachlichen Leistung, um Chefarzt zu werden?

Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: Entscheidend ist für mich die Freude, im Team zu arbeiten. Ich führe täglich Gespräche mit Mitarbeitenden und muss dabei meist Probleme lösen. Das macht nur Spaß, wenn man ernsthaftes Interesse hat, für das Team da zu sein. Wichtig zu wissen ist auch, dass man als Chef immer vorne steht, also ausgesprochen exponiert ist. Das sollte einem schon zusagen. Auch sind Geduld und Diplomatie wertvolle Eigenschaften, die man manchmal erst erlernen muss.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Medizin und Management?

Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: Gerade das macht ja Spaß. Um ausreichend Zeit für das Management zu haben, muss man Medizinisches auch mal delegieren können. Das ist mitunter gar nicht einfach. Erstens muss man lernen, anderen Aufträge zu erteilen. Zweitens möchte man vieles ja auch gerne selbst machen.

Was ist die größte, nicht fachliche Herausforderung?

Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: Das sind die täglichen Frustrationen, zum Beispiel morgens als Erstes zu hören, dass zwei Mitarbeitende krank sind und ein OP-Saal wegen technischer Probleme nicht läuft. Doch auch das gehört dazu.

12.04.2024, Marien-Hospital Marl
Marl
11.04.2024, Paracelsus-Klinik Golzheim Düsseldorf
Düsseldorf

Warum interessieren sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte für eine Karriere im Krankenhaus?

Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: Eine Karriere bedeutet heute deutlich mehr Verantwortung und die Bezahlung, zum Beispiel der Chefärzte, ist bei Weitem nicht mehr so hoch wie vor 20 oder 30 Jahren.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten, die nach oben wollen?

Prof. Dr. Ingo Kausch von Schmeling: Sie sollten so viel lernen wie möglich. Ich empfehle als Zusatzqualifikation immer eine Promotion. Zudem ist es wichtig, in Zielvereinbarungs- und Evaluationsgesprächen eigene Wünsche klar zum Ausdruck zu bringen.

Dtsch Arztebl 2021; 118(42): [4] 

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