Dr. Marx: „Die Unfall- und Handchirurgie ist jeden Tag aufs Neue ein vielseitiges Fach“

20 Juli, 2023 - 07:59
Dr. Sabine Glöser
Dr. med. Christian Heinrich Marx
Dr. med. Christian Heinrich Marx ist seit Ende des Jahres 2022 neuer Chefarzt der Abteilung für Chirurgie und Orthopädie in der Asklepios Nordseeklinik Westerland/Sylt

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Christian Heinrich Marx unseren Fragen. Er ist seit Ende des Jahres 2022 neuer Chefarzt der Abteilung für Chirurgie und Orthopädie in der Asklepios Nordseeklinik Westerland/Sylt.

Herr Dr. Marx, warum eigentlich haben sie sich auf die Handchirurgie spezialisiert?

Dr. Christian Heinrich Marx: Ursprünglich wollte ich Viszeralchirurg werden, genau wie mein Vater. Meine Ausbildung absolvierte ich bei Professor Ulrich in Düsseldorf in einer gemeinsamen Abteilung für Viszeral- und Unfallchirurgie. Nach meiner Facharztprüfung fragte er mich, ob er mich nicht in das BG-Klinikum nach Duisburg empfehlen solle. Da die Handchirurgie dort eine eigene Abteilung bildete, war dies die logische Weiterentwicklung. Auch erschien es mir für die Patienten äußerst unangenehm, zuerst ein gebrochenes Handgelenk oder eine Oberschenkelfraktur zu versorgen und sie danach in eine Handchirurgie weiterverlegen zu müssen. Es hat mich schon damals gereizt, den Patienten eine Komplettlösung anbieten zu können. Denn solche komplexen Fälle kommen gar nicht selten vor.

Was ist für sie unabdingbar, damit sie gut arbeiten können?

Dr. Christian Heinrich Marx: Ich halte mich selbst für einen Teamplayer. Insofern ist es wichtig, dass ich Kolleginnen und Kollegen habe, die nicht nur mit mir, sondern auch untereinander gut auskommen. Eine von Offenheit und Wertschätzung geprägte Kommunikation sowie ein stets respektvoller Umgang sind essenziell. Spannungen im Team führen häufig zu schlechteren Ergebnissen. Patienten haben dafür sensible Antennen. Mich freut es, wenn sich auch das Pflege- und OP-Personal als Teil dieses Teams begreifen. So können wir das Bestmögliche für die uns anvertrauten Patienten erreichen.

23.04.2024, Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft – KABEG LKH Villach
Villach

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf ihrem Karriereweg mitbekommen haben?

Dr. Christian Heinrich Marx: Einer meiner Mentoren im Studium fragte mich mal, als ich sehr niedergeschlagen war, was ich in meinem Leben nicht geschafft habe, was ich wirklich gewollt habe. Im Rückblick hatte er damit absolut Recht. Ich wollte unbedingt Medizin studieren und habe dies auch geschafft – mit Durchhaltevermögen und einem eisernen Willen, auch wenn der Weg manchmal steinig war. Andere Ratschläge, die ich nie vergessen habe, betreffen einen alten sterbenden Patienten in meinem ersten Pflegepraktikum im Krankenhaus direkt nach dem Abitur. Dieser schwerkranke Herr hatte mitbekommen, dass ich Medizin studieren wollte, sah mir in die Augen und sagte, dass ich sicher ein guter Arzt werden würde. Er fragte, ob er mir noch etwas raten dürfe, was ich dankbar annahm. Er sagte, ich solle fleißig lernen, jede freie Minute nutzen, um mein Wissen zu vervollständigen und immer an den denken, der alles erschaffen hat. Eine Stunde später starb er. Seine Ratschläge begleiten mich bis heute.

Was schätzen sie an anderen Menschen am meisten?

Dr. Christian Heinrich Marx: Ich mag Menschen, die mit Herzblut und Leidenschaft für eine Sache brennen. Ein Straßenkehrer, der die Straße mit Herzblut fegt, wird das immer besser tun als jemand, der diese Tätigkeit ohne Herzblut ableistet.

Was treibt sie an?

Dr. Christian Heinrich Marx: Carpe diem – nutze den Tag. Mich motiviert ein gutes Ergebnis, ein Erfolg, den das Team mit jedem entlassenen Patienten hat, und Mitarbeitende, die genau wie ich bereit sind, etwas mehr beizutragen. In diesem Sinne versuche ich ein gutes Vorbild zu sein.

Mit wem würden sie gerne einmal einen Abend verbringen?

Dr. Christian Heinrich Marx: Wenn es ein lustiger Abend werden soll, würde ich gerne mit Oliver Welke ein Bier trinken. Die Heute Show ist für mich mittlerweile die beste Satire-Sendung im deutschen Fernsehen. Wenn es ein ernster Abend werden soll, würde ich Alexei Nawalny nennen.

Was raten sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

Dr. Christian Heinrich Marx: Sucht Euch am Anfang eurer Karriere Kollegen und Lehrer, denen ihr vertraut und hört in Euch hinein, ob dieser Fachbereich der Medizin der richtige für Euch ist. Holt Euch Rat bei Mentoren, Lehrern und Kollegen und sucht Euch Vorbilder, deren Stärken Ihr zu Euren eigenen machen könnt. Ich habe für meine erste Assistentenstelle 201 Bewerbungen schreiben müssen. Heute können Ärztinnen und Ärzte oft unter mehreren potenziellen Arbeitgebern wählen. De facto ist es mittlerweile so, dass man sich umeinander bewirbt. Der Rat an die neuen Kolleginnen und Kollegen wäre also, eigene Wünsche zu prüfen und sich seine Arbeitgeber gut auszusuchen.

Wie gelingt ihnen eine gesunde Work-Life Balance?

Dr. Christian Heinrich Marx: Durch meine anspruchsvolle Tätigkeit ist es essenziell, dass ich von meiner Familie unterstützt werde. Aber auch dann gelingt das nicht immer. Hier auf der Insel ist es allerdings besonders schön, dass ich jeden Tag mit dem Rad zur Klinik fahren kann und dadurch schon ein klein wenig sportlichen Ausgleich habe. Das bläst früh morgens schon den Kopf frei. Ansonsten versuche ich meine Urlaube mit sportlichen Tätigkeiten zu verbringen. So liebe ich das Skilaufen in den Dolomiten oder auch das Beachvolleyballspielen oder Segeln in Strandurlauben.

Woran mangelt es dem Deutschen Gesundheitssystem?

Dr. Christian Heinrich Marx: Ganz kurz und knapp: an Aufrichtigkeit!

Wann sind sie glücklich?

Dr. Christian Heinrich Marx: Glück war für mich noch nie ein Dauerzustand. Momente, in denen ich Glück empfinde, sind zum Bespiel, wenn ich nach einem intensiven Skitag in den Dolomiten mit meiner Frau bei einem guten Glas Wein am Kamin den Abend ausklingen lasse und weiß, dass es unseren mittlerweile erwachsenen Söhnen gut geht und sie gesund sind. Ansonsten bin ich glücklich, wenn mir bei einer schwierigen Operation eine gute Performance gelingt und ich meinem Patienten helfen konnte. Die Unfall- und Handchirurgie mit ihrem Facettenreichtum ist jeden Tag aufs Neue ein überaus vielseitiges Fach, was mich bis heute fasziniert.

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