
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Dr. med. Sebastian Kreienborg unseren Fragen. Er ist seit 1. Dezember 2025 Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, endovaskuläre Chirurgie und Phlebologie am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg.
Herr Dr. Kreienborg, warum eigentlich sind Sie Facharzt für Gefäßchirurgie geworden?
Dr. Sebastian Kreienborg: Die Gefäßchirurgie ist ein spannendes und zugleich abwechslungsreiches chirurgisches Fach, dem im Studium leider kaum Beachtung geschenkt wird. Im Prinzip können wir, ausgenommen von Herz und Gehirn, an sämtlichen Regionen des Körpers Gefäßreparaturen durchführen. Dafür haben wir einen gut gefüllten Werkzeugkasten, bestehend aus klassisch offen-chirurgischen und endovaskulären Utensilien. Mein letzter Chef bezeichnete sich zurecht als Gefäßklempner, was unser Fachgebiet treffend beschreibt. Falls die Frage käme: Ja, ich würde auch heute wieder Gefäßchirurg werden!
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ein gut funktionierendes und motiviertes Team, das so wie ich jeden Tag gern zur Arbeit kommt und die Herausforderungen jedes einzelnen Patienten gemeinsam meistern möchte.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Dr. Sebastian Kreienborg: Lass Dich nicht von deinen Zielen abbringen, habe einen langen Atem. Es lohnt sich, zu kämpfen und an sich zu glauben.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ich schätze Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft, aber auch den Mut, in mitunter heiklen Situationen klare Entscheidungen zu treffen und aus negativen Erlebnissen zu lernen.
Was treibt Sie an?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ich bin ehrgeizig, durch das Fußballspielen Teamplayer und ich kann schlecht verlieren. Daher möchte ich mit meinem Team immer den maximalen Erfolg für die Patienten.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Dr. Sebastian Kreienborg: Mit Michael DeBakey, einem der Pioniere der kardiovaskulären Chirurgie, leider geht das nicht mehr. Eines seiner bekanntesten Zitate sollte allen Chirurgen bekannt sein: Das Skalpell ist heilig; es muss mit Ehrfurcht, nicht mit Prahlerei geführt werden.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Dr. Sebastian Kreienborg: Seid zielstrebig, habt viel Ausdauer, stellt immer Fragen, akzeptiert Rückschläge und verliert nie die Patienten aus dem Blick.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ich persönlich kann mit diesem Modebegriff überhaupt nichts anfangen. Ich sehe meinen Beruf als Berufung, der einen großen Teil meines Alltags einnimmt. Daher brauche ich gleichzeitig eine Partnerin, die mir den Rücken freihält. Dafür bin ich meiner Frau dankbar.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ich finde, dass wir weltweit eines der besten Gesundheitssysteme haben. Allerdings bringt mich die durch die politischen Entscheidungsträger bedingte ständig wachsende und überbordende Bürokratie oder das leidige Thema Datenschutzverordnung an den Rand des Wahnsinns. Ich hoffe, dass wir diesbezüglich schnell wieder gesund werden.
Wann sind Sie glücklich?
Dr. Sebastian Kreienborg: Ich bin eigentlich mit relativ wenig zufrieden. Glücklich bin ich, wenn Patienten nach der Behandlung beschwerdefrei und mit uns zufrieden sind, aber auch, wenn ich die Weiterentwicklung einzelner Mitarbeitenden sehe. Privat bin ich glücklich, wenn ich Zeit mit meiner Familie oder auch mit guten Freunden verbringen kann. Und gegen ein erneutes Triple des FC Bayern München hätte ich natürlich auch nichts.



