PD Dr. Schmeel: „Unabdingbar ist das Verständnis für eine Medizin als Teamsport“

18 Dezember, 2025 - 07:11
Dr. Sabine Glöser
Karriere konkret: Priv.-Doz. Dr. med. Christopher Schmeel
Priv.-Doz. Dr. med. Christopher Schmeel ist seit 1. Oktober 2025 Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Krankenhaus Merheim der Kliniken der Stadt Köln.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Priv.-Doz. Dr. med. Christopher Schmeel unseren Fragen. Er ist seit 1. Oktober 2025 Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Krankenhaus Merheim der Kliniken der Stadt Köln.

Herr Dr. Schmeel, warum eigentlich sind Sie Facharzt für Strahlentherapie geworden?

PD Dr. Christopher Schmeel: Die Strahlentherapie vereint Hochpräzision aus Medizin, Physik und Technologie – millimetergenau und mit der steten Herausforderung, komplexe biologische Prozesse zu verstehen. Mich fesseln jeden Tag aufs Neue die interdisziplinären Schnittstellen in der Tumorbehandlung, die begleitende Bildgebung, die in weiten Teilen noch zu erforschende Strahlenbiologie sowie modernste Technik, verbunden mit enger menschlicher Zuwendung und Begleitung in einer oftmals belastenden Lebenssituation.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

PD Dr. Christopher Schmeel: Unabdingbar ist eine Kultur des Vertrauens und das Verständnis für eine Medizin als Teamsport. Interdisziplinarität und eine offene Kommunikation auf Augenhöhe sind gerade in der modernen Strahlentherapie Grundpfeiler, um das volle Potenzial unseres Fachs im Sinne einer optimalen Patientenbehandlung ausschöpfen zu können. Auf der persönlichen Ebene ist meine intrinsische Neugier unabdingbar, um am Puls der Wissenschaft zu bleiben und neue Trends meines Fachgebiets kritisch zu reflektieren.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

PD Dr. Christopher Schmeel: „Das Bessere ist der Feind des Guten“ oder auch „Stillstand ist Rückschritt“, insbesondere mit Blick auf klinische Prozesse, Herangehensweisen und Bürokratie. Auch wenn man aus Bequemlichkeit mitunter dazu tendiert, liebgewonnene Strukturen und Prozesse beizubehalten, sollte man auch Gutes ab und an hinterfragen. Das gilt für fachliche oder technische Standards ebenso wie für die klinikinterne Prozesssteuerung, aber auch für die Kommunikationskultur.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

PD Dr. Christopher Schmeel: Ich schätze persönliche Integrität, Loyalität und Ehrlichkeit. Im Klinikalltag bedeutet das vor allem, Verantwortung zu übernehmen und mutig auch unbequeme Fragen zu stellen.

Was treibt Sie an?

PD Dr. Christopher Schmeel: Mir ist ein Anliegen, die moderne Strahlentherapie durch personalisierte und adaptive Ansätze voranzubringen und diese Fortschritte unseren Patienten niederschwellig zugänglich zu machen.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

PD Dr. Christopher Schmeel: In professioneller Hinsicht wäre das wohl Marie Curie. Als Pionierin der Radioaktivität würde sie ihr wissenschaftliches Erbe, heute mit millimetergenauen Bestrahlungen und gleichzeitiger Schonung von gesundem Gewebe, vermutlich als pure Fiktion und auch Genugtuung ihrer Errungenschaften erleben. Für mich wäre es im Gegenzug hochspannend, mehr über ihren mitunter hochgefährlichen Pioniergeist und ihre ersten Schritte zu erfahren.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

PD Dr. Christopher Schmeel: Die besten Karrieren bauen auf Tiefe und Fokus. Verschaffen Sie sich zuerst einen fundierten Überblick über Ihr Fachgebiet und lernen Sie früh, aktiv zu entscheiden, welche Stimmen und Themen Ihre Aufmerksamkeit verdienen, statt auf alle externen Reize zu reagieren. Schaffen Sie sich Freiräume für dezidiertes Lernen und klinische Reflexion in der Routine. Investieren Sie Ihre Zeit und Energie neben der Klinik und Wissenschaft auch regelmäßig in den Austausch mit anderen ärztlichen Fach- und nichtärztlichen Berufsgruppen. Ein gutes Verständnis für Abläufe und Rückhalt durch Vertrauen werden es Ihnen zurückzahlen.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

PD Dr. Christopher Schmeel: Zeitweise ist das gar nicht so einfach. Meist gelingt sie mir, indem ich klare Prioritäten setze. Privat sind Auszeiten mit der Familie und Freunden, die ich konsequent einhalte, wichtig, um im Job fokussierter und resilienter zu sein.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

PD Dr. Christopher Schmeel: Die Sektorengrenzen zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung sind noch immer zu starr. Der Informationsaustausch ist sogar innerhalb der einzelnen Sektoren bescheiden. Schwächen in der Digitalisierung und Datenintegration verzehren unnötig hohe Personalkapazitäten und mindern die Behandlungsqualität. Ich bin jedenfalls auf die weitere Entwicklung der ePA gespannt.

Wann sind Sie glücklich?

PD Dr. Christopher Schmeel: Ich bin glücklich, wenn ich mich einer Aufgabe widmen kann, die mich herausfordert und die mir liegt und wenn ich mit meiner Familie und Freunden eine gute Zeit erlebe!

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