PD Dr. Lenzen: „In der Medizin ist es entscheidend, eine klare Haltung zu zeigen“

6 März, 2025 - 09:40
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: PD Dr. Henrike Lenzen
Dr. med. Henrike Lenzen ist seit 1. September 2024 Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Interventionelle Endoskopie und Diabetologie am Städtischen Klinikum Braunschweig.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Privat-Dozentin Dr. med. Henrike Lenzen unseren Fragen. Sie ist seit 1. September 2024 Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Interventionelle Endoskopie und Diabetologie am Städtischen Klinikum Braunschweig.

Frau Dr. Lenzen, warum eigentlich sind Sie Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie geworden?

PD Dr. Henrike Lenzen: Die einzigartige Kombination aus Diagnostik, Therapie und Prävention in der Gastroenterologie hat mich von Beginn an fasziniert. Die Komplexität der Organe des Verdauungssystems und die Möglichkeit, mit endoskopischen Verfahren minimalinvasiv zu arbeiten, begeistern mich täglich aufs Neue. Zudem bietet dieses Fachgebiet eine perfekte Balance zwischen wissenschaftlicher Präzision und praktischen, oft hochkomplexen manuellen Fertigkeiten.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

PD Dr. Henrike Lenzen: Ein engagiertes und kompetentes Team ist für mich sehr wichtig. Ebenso wichtig sind eine moderne Ausstattung und ein kontinuierlicher Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Nur so können wir innovative Ansätze wie KI-gestützte Diagnostik oder künftig auch die robotergestützte Endoskopie umsetzen. Das Vertrauen und die Unterstützung der Klinikleitung sind dabei genauso entscheidend wie Mut zur Veränderung und Durchhaltevermögen, um gemeinsame Ziele auch in herausfordernden Zeiten zu erreichen.

02.12.2025, Medizinisch-Soziales Zentrum Uckermark gGmbH | Kreiskrankenhaus Prenzlau
Prenzlau

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

PD Dr. Henrike Lenzen: Die beiden Ratschläge, stets die Neugier zu bewahren und den Mut, Fragen zu stellen, haben meinen beruflichen Weg maßgeblich geprägt und mich ermutigt, stets nach Verbesserungen zu suchen und mich weiterzuentwickeln. Sie haben mich gelehrt, dass lebenslanges Lernen der Schlüssel zum Erfolg im sich ständig weiterentwickelnden Fachgebiet ist. Ebenso wichtig ist, für die eigenen Überzeugungen und Werte einzustehen. Gerade in einem anspruchsvollen Umfeld wie der Medizin ist es entscheidend, eine klare Haltung zu zeigen und in schwierigen Situationen selbstbewusst aufzutreten. Dieser Aspekt hat mir geholfen, mich für das einzusetzen, woran ich glaube, sei es zum Wohle der Patientinnen und Patienten oder für die Weiterentwicklung unseres Berufsstands.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

PD Dr. Henrike Lenzen: An anderen Menschen schätze ich ihre Empathie, Integrität und die Fähigkeit, auch in herausfordernden Situationen professionell zu bleiben. Diese Eigenschaften sind im Arztberuf unerlässlich, um Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu betreuen und im Team erfolgreich zusammenzuarbeiten. Ebenso wichtig ist für mich ein respektvoller und höflicher Umgang, gerade in einem anspruchsvollen und oft stressigen Umfeld wie der Medizin. In belastenden Situationen zeigt sich sowohl im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen als auch mit Patientinnen und Patienten deutlich, wie wertvoll gegenseitige Wertschätzung ist. Ein achtsamer und respektvoller Umgang schafft Vertrauen, stärkt den Zusammenhalt im Team und erleichtert es, auch schwierige Situationen gemeinsam zu meistern. Diese Attribute bilden für mich nicht nur die Grundlage für ein harmonisches Miteinander, sondern auch für nachhaltigen Erfolg auf fachlicher und menschlicher Ebene. Sie tragen wesentlich dazu bei, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen und ihr Bestes geben können.

Was treibt Sie an?

PD Dr. Henrike Lenzen: Mich treibt der Wunsch an, eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen und diese kontinuierlich weiterzuentwickeln. Besonders in der Gastroenterologie motiviert es mich, durch Forschung und verbesserte endoskopische Techniken dazu beizutragen, Behandlungsabläufe zu optimieren sowie Patientinnen und Patienten die bestmögliche Betreuung zu bieten. Die Herausforderungen und Chancen, die sich aus diesen Veränderungen ergeben, sind für mich täglicher Ansporn, meine Arbeit mit Engagement und Leidenschaft zu verfolgen.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

PD Dr. Henrike Lenzen: Ein Abend mit Madeleine Albright wäre für mich inspirierend. Ihre beeindruckende Karriere und ihre Rolle als erste US-Außenministerin faszinieren mich. Ich bewundere, wie sie sich stets für die Unterstützung und Förderung von Frauen eingesetzt hat.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?

PD Dr. Henrike Lenzen: Bewahren Sie sich Ihre Leidenschaft für die Medizin und investieren Sie kontinuierlich in Ihre Weiterbildung. Bleiben Sie offen für neue Entwicklungen und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um praktische Erfahrungen zu sammeln und von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen.

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

PD Dr. Henrike Lenzen: Eine gesunde Balance gelingt mir durch klare Prioritätensetzung, effizientes Zeitmanagement und regelmäßige Auszeiten. Ich plane bewusst Zeit für Sport und Freunde und Familie ein, um den Kopf freizubekommen. Auch die Unterstützung durch mein Team und eine gute Organisation im Klinikalltag tragen dazu bei.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

PD Dr. Henrike Lenzen: Dem deutschen Gesundheitssystem mangelt es vor allem an Digitalisierung und einer effizienteren Ressourcenverteilung. Wir müssen die sektorenübergreifende Versorgung durch digitale Plattformen und gemeinsame Behandlungsstandards effizienter gestalten. Zudem brauchen wir innovative Lösungen für den Fachkräftemangel und flexiblere Strukturen, um auf Veränderungen wie die Ambulantisierung reagieren zu können. Gerade diese Herausforderung, die eine Verlagerung der Patientenversorgung in ambulante Settings vorantreibt, erfordert gezielte Maßnahmen, um die Versorgungsqualität zu sichern und die Belastung der Fachkräfte zu verringern. Trotz der schwierigen Zeiten müssen dringend Investitionen in das System getätigt werden, insbesondere in das ärztliche und pflegerische Personal.

Wann sind Sie glücklich?

PD Dr. Henrike Lenzen: Glück bedeutet für mich in erster Linie, gesund zu sein und von Familie und Freunden umgeben zu sein, die einen wertvollen Ausgleich zum beruflichen Alltag bieten. Es erfüllt mich mit Zufriedenheit, Zeit mit meinen Angehörigen und einem unterstützenden sozialen Umfeld zu verbringen, das mir Kraft gibt und mich inspiriert.

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