Prof. Dr. Neeff: „Es gibt verschiedene Wege, als Chirurgin oder Chirurg erfolgreich zu sein!“

12 März, 2026 - 07:19
Dr. Sabine Glöser
Köpfe und Karriere: Prof. Dr. Hannes Neeff
Prof. Dr. med. Hannes Neeff ist seit 1. November 2025 Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Diakonie-Klinikum Stuttgart.

Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Hannes Neeff unseren Fragen. Er ist seit 1. November 2025 Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Diakonie-Klinikum Stuttgart.

Herr Professor Neeff, warum eigentlich haben Sie sich auf die Tumorchirurgie spezialisiert?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Während meiner Ausbildung wurde viel Wert auf die Nachsorge der operierten Patientinnen und Patienten gelegt. Ich konnte früh erfahren, dass insbesondere Tumorpatientinnen und -patienten, die ich als Chirurg über Jahre begleitet und denen die Chirurgie nach eigener Aussage ein „neues Leben“ geschenkt hat, auf besondere Art mit ihrem Behandlungsteam verbunden sind. Außerdem ist es eine große Herausforderung, Tumore so zu entfernen, dass entstehende Einschränkungen möglichst gering und von kurzer Dauer sind.

Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Unabdingbar ist für mich tiefes Vertrauen in das Team. Jede Phase vor, während und nach der Operation ist wichtig und wird nie von einem oder einer Einzelnen allein bestimmt.

Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Gehen Sie dorthin, wo man Sie im Team braucht und sehen Sie zu, dass Sie schnell Eigenverantwortung übernehmen. Nicht notwendig ist, ab dem ersten Tag in der Chirurgie im späteren Wunschgebiet tätig zu sein oder schnell OP-Kataloge zu erfüllen.

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Berechtigtes Selbstbewusstsein.

Was treibt Sie an?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Kein Behandlungsverfahren in der Chirurgie ist jemals ausgereift. Es treibt mich an herauszufinden, welche Art von Veränderung am OP-Tisch und, vermutlich ebenso wichtig, abseits des OP-Saals für eine Entwicklung des Faches notwendig ist.

Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Ich würde gern einmal einen ganzen Drehtag mit dem Filmregisseur und Fotografen Wim Wenders verbringen, besonders, nachdem ich erfahren habe, dass er Sohn eines Chirurgen ist.

Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten? 

Prof. Dr. Hannes Neeff: Vermutlich ist es für die persönliche Entwicklung junger Ärztinnen und Ärzte sowie für die Entwicklung der Chirurgie als Fach hinderlich, wenn die ältere Generation meint, Ratschläge erteilen zu müssen. Daher möchte ich lieber eine Anregung geben: Beobachten Sie die erfahreneren Kolleginnen und Kolleginnen im OP und vor allem außerhalb des OPs genau und versuchen Sie deren persönliche Entscheidungsprozesse zu verstehen. Es gibt verschiedene Wege, als Chirurgin oder Chirurg erfolgreich zu sein – finden Sie Ihren eigenen!

Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Die Balance über die Arbeitszeit zu definieren, fällt mir immer noch schwer. Mir hilft es, die Tage und Wochen, an denen definitiv keine Balance möglich ist, nicht als persönliche Niederlage zu empfinden. Zudem hilft mir das Vertrauen in mein Team. Wenn ich nicht im Dienst bin, muss ich wissen, dass unsere Patientinnen und Patienten perfekt versorgt sind. Das ist für meine Balance zentral.

Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Es mangelt an der Kostentransparenz. Warum schämen wir uns beinahe dafür, die durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlten Rechnungen an die Patientinnen und Patienten in Kopie zu versenden?

Wann sind Sie glücklich?

Prof. Dr. Hannes Neeff: Ich bin glücklich, wenn es mir möglich war, alle für den Tag gesetzten Ziele, große wie kleine und private wie berufliche, unter einen Hut zu bekommen zu haben.

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