
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Julia Heinzelbecker unseren Fragen. Sie ist seit 1. Oktober 2025 Direktorin der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Marburg.
Frau Professorin Heinzelbecker, warum eigentlich sind Sie Fachärztin für Urologie geworden?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Das war ein Zufall. Ich traf die Entscheidung für mein PJ-Wahlfach nach dem Ausschlussprinzip. Fest stand für mich, es sollte ein chirurgisches, operativ tätiges Fach sein. Schließlich kam mir die Urologie in den Sinn und ich merkte, dass ich zum Ende meines Studiums gar nicht wusste, was man in der Urologie macht. Das wollte ich mir anschauen – und ich war begeistert. Das Fach ist ungeheuer vielfältig. Wir behandeln Frauen wie Männer, die Volkskrankheit Nierensteine und die gutartige Vergrößerung der Prostata, aber auch zahlreiche Krebserkrankungen, wie Prostata-, Harnblasen- oder Nierenkrebs. Auch die Behandlung der Harninkontinenz und die Andrologie gehören ins Repertoire von Urologinnen und Urologen. An vielen Standorten behandeln wir zudem Kinder und führen Nierentransplantationen durch. Diese Vielfalt hat mich von Anfang an überzeugt. Das Fach Urologie zu wählen, war die beste und für mich einzig richtige Entscheidung.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Unabdingbar ist für mich ein engagiertes und verlässliches Team sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: In meiner Karriere gab es einen Zeitpunkt, an dem ich überlegte, mich nichtuniversitär umzuorientieren. In dieser Situation wies mir der Chefarzt eines nichtuniversitären Hauses der Maximalversorgung, bei dem ich mich beworben hatte, den richtigen Weg. Mit seinem Hinweis, ich gehöre an ein Universitätsklinikum, bestärkte er mich in meiner universitären Karriere.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Loyalität und Ehrlichkeit.
Was treibt Sie an?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Mich treibt die Neugier nach wissenschaftlichen Erkenntnissen an und die Aussicht, Dinge zum Besseren aktiv zu verändern.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Gern würde ich einen Abend mit Sheryl Sandberg verbringen, der ehemaligen Co-Geschäftsführerin von Meta, vormals Facebook.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Beschäftigen Sie sich frühzeitig mit Ihren Zukunftsplänen und Karrierewegen und stellen Sie sich dieser Herausforderung offen, mit klarem Blick und ohne Angst. Berücksichtigen Sie außerdem, dass es manchmal notwendig ist, einen Schritt zurückzugehen, um langfristig drei Schritte nach vorne zu kommen.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Ich bin ganz gut darin, Probleme im Job nach Feierabend auszublenden. Allerdings gelingt mir das nicht immer …
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Es mangelt an einer langfristigen Zukunftsstrategie, die unabhängig von Legislaturperioden ist.
Wann sind Sie glücklich?
Prof. Dr. Julia Heinzelbecker: Ich bin glücklich, wenn ich in der Natur und im Grünen bin.



