
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. habil. MUDr. Tomáš Holubec, Ph.D., unseren Fragen. Er ist seit 1. Januar 2026 Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie am Klinikum Nürnberg.
Herr Professor Holubec, warum eigentlich sind Sie Herzchirurg geworden?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Es klingt fast unglaublich, aber ich wollte schon als kleines Kind Chirurg werden – noch bevor ich überhaupt zur Schule ging. Ein befreundetes Ehepaar meiner Eltern, sie Ärztin und er sogar Chirurg, hat mich damals geprägt. Während meines Studiums an der Medizinischen Fakultät in Hradec Králové (Königgrätz) erlebte ich im zweiten Studienjahr erstmals eine herzchirurgische Operation am schlagenden Herzen mit. Das hat mich tief beeindruckt. In diesem Moment wusste ich, dass mein Weg in die Herzchirurgie führen würde.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Ein gutes Arbeitsklima, Teamgeist, gegenseitiger Respekt und eine offene Kommunikation sind für mich unverzichtbar. Gerade in der Herzchirurgie ist Teamarbeit entscheidend. Im Operationssaal arbeiten viele Disziplinen eng zusammen, von der Chirurgie über die Anästhesie bis zur Pflege und Perfusion. Nur wenn alle Beteiligten gut miteinander abgestimmt sind, kann eine Operation optimal verlaufen.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Ich hatte das Glück, auf meinem Weg von einigen guten Mentoren begleitet zu werden. Einer ihrer wichtigsten Ratschläge war: Erst zuhören und beobachten und sich dann bewusst das Beste davon aneignen. Ein anderer Satz ist mir ebenfalls im Gedächtnis geblieben: Am Herzen kann man theoretisch komplexe und lange Operationen durchführen. Entscheidend ist aber immer, dass die Patientin oder der Patient den Eingriff gut übersteht. Dieser Gedanke begleitet mich bis heute.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Offenheit, Ehrlichkeit sowie Neugier und Fleiß. Menschen, die bereit sind zu lernen und sich weiterzuentwickeln, beeindrucken mich besonders, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. In der Herzmedizin, vor allem in der Herzchirurgie, sind außerdem fachliche Expertise und höchste Präzision unverzichtbar.
Was treibt Sie an?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Das Operieren selbst motiviert mich nach wie vor. Besonders minimal-invasive Eingriffe faszinieren mich, weil sie für die Patientinnen und Patienten schonender sind. Neue Operationstechniken einzuführen oder innovative Eingriffe umzusetzen, ist für mich immer wieder eine große Herausforderung und Freude. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass sich unsere Patientinnen und Patienten nach der Operation gut erholen und möglichst schnell wieder nach Hause zurückkehren können.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Mit meinem Vater. Er ist leider vor mehr als drei Jahren verstorben. Ich würde gern noch einmal Zeit mit ihm verbringen, mit ihm sprechen und ihm erzählen, was sich in meinem Leben und in meiner Arbeit in den letzten Jahren entwickelt hat. Vieles von dem, was ich erreicht habe, verdanke ich auch seiner Unterstützung und seinem Vertrauen. Ich bin sicher, er wäre stolz. Und ich würde mich sehr über dieses Gespräch freuen.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Ich rate jungen Ärztinnen und Ärzten, neugierig zu bleiben und sich auch für anspruchsvolle Fächer wie die Chirurgie, insbesondere die Herzchirurgie, zu interessieren. Es ist ein herausforderndes, aber zugleich faszinierendes Fach. Man arbeitet in hochspezialisierten Teams und kann mit seiner Arbeit unmittelbar dazu beitragen, Leben zu retten und Lebensqualität zu verbessern.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Ich habe das große Glück, eine wunderbare Familie zu haben, meine Frau und unsere zwei Kinder. Wenn ich nicht im Krankenhaus bin, verbringe ich möglichst viel Zeit mit ihnen. Diese gemeinsamen Momente sind für mich der wichtigste Ausgleich zum Berufsalltag und geben mir neue Energie.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Vor allem an gut ausgebildetem Fachpersonal. Wir brauchen Menschen, die motiviert sind, sich diesem anspruchsvollen, aber auch erfüllenden Beruf zu widmen. Die Qualität eines Gesundheitssystems hängt letztlich immer von den Menschen ab, die darin arbeiten.
Wann sind Sie glücklich?
Prof. Dr. MUDr. Tomáš Holubec: Privat bin ich glücklich, wenn meine Familie gesund ist und es ihr gut geht. Beruflich empfinde ich große Zufriedenheit, wenn sich unsere Patientinnen und Patienten nach einer herzchirurgischen Operation gut erholen und wieder nach Hause gehen können. Zu sehen, dass unsere Arbeit ihnen hilft, ist das Schönste an meinem Beruf.



