
Über wichtige Erfahrungen, gewonnene Einsichten und ausgefallene Wünsche spricht aerztestellen.de mit erfolgreichen Ärztinnen und Ärzten. Dieses Mal stellt sich Prof. Dr. med. Tobias Herold unseren Fragen. Er ist seit 1. April 2025 Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie an der München Klinik Bogenhausen.
Herr Professor Herold, warum eigentlich sind Sie Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie geworden?
Prof. Dr. Tobias Herold: Ausschlaggebend waren zwei Dinge: der Wunsch, Menschen in schwierigen und oft existenziellen Lebenslagen zu helfen sowie die Begeisterung für ein Fach, das wie kaum ein anderes von wissenschaftlichem Fortschritt geprägt ist. Ein Schlüsselmoment war für mich ein kurzer, aber eindrücklicher Besuch bei Professor Haferlach im Labor für Leukämiediagnostik während meines Praktischen Jahres. Ich arbeitete in meiner Promotion selbst an molekulargenetischen Fragestellungen, just zu der Zeit als sich mit der Genomsequenzierung eine tiefgreifende Veränderung in der Diagnostik abzeichnete. Kaum ein Fachgebiet war so nah an dieser Entwicklung wie die Hämatologie.
Was ist für Sie unabdingbar, damit Sie gut arbeiten können?
Prof. Dr. Tobias Herold: Ein verlässliches Team und eine stabile persönliche Lebenssituation. „Team“ umfasst für mich alle Beteiligten – von der Aufnahme über die Pflege bis zur spezialisierten Diagnostik. Auch die Verwaltung gehört dazu. Gute Medizin funktioniert nur, wenn viele Hände ineinandergreifen und der Umgang miteinander respektvoll bleibt.
Wie lautet der beste Rat, den Sie auf Ihrem Karriereweg bekommen haben?
Prof. Dr. Tobias Herold: Der beste Rat war, die Balance zu halten zwischen Patientennähe und professioneller Distanz. Unser Fach konfrontiert uns häufig mit schwerem Leid. Empathie ist dabei essenziell, aber auch der Schutz der eigenen seelischen Gesundheit.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Prof. Dr. Tobias Herold: Demut und Kompetenz – eine oft unterschätzte Kombination.
Was treibt Sie an?
Prof. Dr. Tobias Herold: Mich treibt der tägliche Wunsch an, etwas zu verbessern, sei es in der Patientenversorgung, im Miteinander im Team oder in organisatorischen Strukturen.
Mit wem würden Sie gern einmal einen Abend verbringen?
Prof. Dr. Tobias Herold: Mit meiner Frau. Und wenn sie keine Zeit hat, mit Madeleine Albright und Albert Einstein – zwei Persönlichkeiten mit Haltung, Scharfsinn und Humor.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten?
Prof. Dr. Tobias Herold: Lassen Sie sich die Freude an diesem Beruf nicht nehmen, weder durch äußere Umstände noch durch Zynismus. Es gibt schwierigere und leichtere Phasen, aber langfristig bietet kaum ein Beruf so viel Sinn, Entwicklung und Nähe zum Menschen.
Wie gelingt Ihnen eine gesunde Work-Life-Balance?
Prof. Dr. Tobias Herold: Sie gelingt mir mal besser, mal schlechter. Wichtig sind bewusste Pausen und Gespräche mit Menschen, die mir nahestehen. Sie helfen beim Sortieren und Erden.
Woran mangelt es dem deutschen Gesundheitssystem?
Prof. Dr. Tobias Herold: Es mangelt an vielem, aber vor allem an Struktur, Digitalisierung und einer ehrlicheren Prioritätensetzung. Ressourcen sind begrenzt. Ein intensives Gespräch kann manchmal mehr bewirken als die nächste Diagnostik, wird aber deutlich schlechter vergütet.
Wann sind Sie glücklich?
Prof. Dr. Tobias Herold: Ich bin oft glücklich, aber besonders dann, wenn ich wirklich helfen konnte oder wenn ein Plan aufgeht.



