Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie: Dauer, Inhalte, Perspektiven

24 Mai, 2023 - 11:18
Stefanie Hanke
Arzt im Krankenhaus mit Krebspatientin

Genau wie die Kardiologie, die Pneumologie oder die Gastroenterologie gehört auch die Hämatologie und Onkologie zu den Teilgebieten der Inneren Medizin. Wie die Facharzt-Weiterbildung konkret aussieht und wie lange sie dauert, erfahren Sie im Beitrag.

Auf einen Blick: Weiterbildung (Facharztausbildung) Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie:

  • Definition: Die Hämatologie und medizinische Onkologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit der Diagnose und Therapie von Erkrankungen des Blutes und Knochenmarks (Hämatologie) sowie von Tumoren und tumorbedingten Krankheiten (Onkologie) befasst.
  • Dauer: Die Weiterbildungszeit in der Inneren Medizin und Hämatologie und Onkologie beträgt 72 Monate. Davon müssen 36 Monate in der Inneren Medizin und Hämatologie und Onkologie abgeleistet werden (davon 24 Monate in der stationären Patientenversorgung). 24 Monate müssen in anderen Fachgebieten der Inneren Medizin erfolgen. Jeweils 6 Monate müssen in der Notfallaufnahme und in der Intensivmedizin abgeleistet werden.
  • Anzahl der Fachärzte: In Deutschland gibt es 1.216 Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie. Davon sind 1.144 berufstätig. 288 davon arbeiten ambulant, 814 stationär in einer Klinik.

Es ist eine Schockdiagnose, vor der viele sich besonders fürchten: Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 500.000 Menschen neu an Krebs. Und: Da die Lebenserwartung steigt und viele Menschen ein hohes Lebensalter erreichen, steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten weiter an. Bei einer Krebsdiagnose sind zunächst die jeweiligen Fachärztinnen und Fachärzten Ansprechpartner (z.B. Gynäkologie bei Brustkrebs). Doch im Verlauf der Therapie werden in der Regel auch Fachärztinnen und Fachärzte für Hämato-Onkologie mit einbezogen.

Expertinnen und Experten für Tumortherapien

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Wissen über die Entstehung von Tumoren und die therapeutischen Möglichkeiten massiv weiterentwickelt. So steht heute für die verschiedenen Tumorarten eine Vielzahl von verschiedenen, wirksamen Medikamenten und Therapieformen zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise individuell angepasste Chemotherapien, Blutstammzelltransplantationen, Immuntherapien oder hormonelle Therapiemaßnahmen. Diese Therapien fallen – unabhängig von der Art der Krebserkrankung – in den Bereich den Hämato-Onkologie.

Neben den Tumorerkrankungen, die andere Organe betreffen, ist die Hämato-Onkologie ganz konkret auch für Erkrankungen des Blutes und des Knochenmarks zuständig. Dazu gehören beispielsweise Leukämien. Aber auch bösartige Erkrankungen des Lymphsystems und der Lymphknoten, Anämien und Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie oder Thrombophilie) gehören in den Verantwortungsbereich dieses Fachgebiets.

Ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit läuft nichts

Die Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie ist dabei stark interdisziplinär angelegt. In regelmäßigen Tumor-Konferenzen tauschen sich die Fachärztinnen und Fachärzte unterschiedlicher Fachgebiete über die einzelnen Fälle aus. Dazu zählen beispielsweise andere Teilgebiete der Inneren Medizin, aber auch chirugische Fächer, die Strahlentherapie, die Nukleartherapie und die Psychoonkologie. Außerdem werden je nach Art des Tumors natürlich auch Kolleginnen und Kollegen aus Fächern wie der Gynäkologie oder der Urologie mit einbezogen.

Wer sich für eine Facharzt-Weiterbildung im Bereich Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie interessiert, sollte also Freude an einer interdisziplinären Zusammenarbeit haben. Aber auch Empathie ist wichtig – denn die Patientinnen und Patienten leiden häufig an lebensbedrohlichen Erkrankungen und haben mit entsprechenden Sorgen und Ängsten zu kämpfen. Außerdem sollte man interessiert an aktuellen Forschungsergebnissen sein und Freude daran haben, sich hier regelmäßig weiterzubilden – denn in diesem Fachgebiet gibt es ständig neue Entwicklungen und Möglichkeiten. Wer Interesse an eigenen Forschungsarbeiten hat, ist in der Hämatologie und Onkologie ebenfalls richtig.

Als Facharzt oder Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie kann man entweder in einer Klinik oder in einer Praxis arbeiten. Andere Möglichkeiten bieten beispielsweise auch MVZ oder Labore.

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Internist und Hämato-Onkologe werden: Die Weiterbildung (Facharztausbildung) im Überblick

Die Dauer der Weiterbildung

Die Facharzt-Weiterbildung dauert 72 Monate im Gebiet Innere Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon

  • müssen 36 Monate in Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie abgeleistet werden (24 Monate davon in der stationären Patientenversorgung)
  • müssen 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Die Inhalte der Weiterbildung
 

Übergreifende Inhalte im Gebiet Innere Medizin
  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Beratung bezüglich gesundheitsfördernder Lebensführung
  • Schulung bei ernährungsbedingten Gesundheitsstörungen
  • Begutachtung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsminderung
  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Beratung und Führung Suchtkranker sowie Suchtprävention
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Beratung zu Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten einschließlich Organspende

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfall- und intensivmedizinische Maßnahmen im Gebiet Innere Medizin

  • Stufendiagnostik und Therapie bei akut einsetzenden Leitsymptomen, z. B. Dyspnoe, Thoraxschmerz, Bauchschmerz, passagere und persistierende Bewusstseinsstörungen, Fieber, Erbrechen, Durchfall
  • Diagnostik und Therapie akuter und vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände, insbesondere
    • respiratorische Insuffizienz
    • Schock
    • kardiale Insuffizienz
    • akutes Nierenversagen
    • sonstiges Ein- und Mehrorganversagen
    • Koma und Delir
    • Sepsis
    • Intoxikationen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit Funktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsystemen
  • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten einschließlich Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Therapie von Stoffwechselentgleisungen
  • Notfallsonographie
  • Notfallbronchoskopie
  • Passagere Schrittmacheranlage
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, insbesondere
    • zentralvenöse Zugänge
    • arterielle Gefäßzugänge
  • Endotracheale Intubation

Infektionen im Gebiet Innere Medizin

  • Meldepflichten gemäß Infektionsschutzgesetz
  • Vorsorge und Behandlung häufiger Infektionskrankheiten
  • Management bei therapieresistenten Erregern

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder
  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge
  • Diagnostische Verfahren im Gebiet Innere Medizin
  • Durchführung von ultraschallgestützten Punktionen bei Pleuraerguss und Aszites
  • B-Modus-Sonographie der Schilddrüse
  • Elektrokardiogramm
  • Langzeit-Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeitblutdruckmessung
  • CW-, PW-, Duplex-, Farbduplex-Sonographie der Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie der peripheren Arterien und Venen
  • B-Modus-Sonographie des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich der Nieren und ableitender Harnwege (Richtwert: 400)
  • Spirometrische Untersuchung der Lungenfunktion
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen-Thorax-Untersuchungen
  • Differentialdiagnosen atopischer Erkrankungen

Therapeutische Verfahren im Gebiet Innere Medizin

  • Durchführung von Entlastungspunktionen und Drainagen bei Pleuraerguss und Aszites
  • Enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik mit Berechnung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie Erstellen eines Ernährungsplans
  • Infusionstherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie

Angiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen von Arterien, Venen, Kapillaren und Lymphgefäßen

Endokrinologische und diabetologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation endokriner Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Internistische Basisbehandlung von endokrinen Erkrankungen einschließlich assoziierter Stoffwechselstörungen
  • Behandlung des Diabetes mellitus

Gastroenterologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege
  • Internistische Basisbehandlung von Krankheiten der Verdauungsorgane sowie der exokrinen Verdauungsdrüsen und ihrer Ableitungswege

Geriatrische Basisbehandlung

  • Spezielle geriatrische Behandlungsmöglichkeiten mit dem Ziel der Erhaltung und Wiederherstellung größtmöglicher Selbstständigkeit
  • Behandlung von Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters einschließlich interdisziplinärer Aspekte bei Multimorbidität

Kardiologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs

Nephrologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenaler Komplikationen
  • Internistische Basisbehandlung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten sowie deren extrarenale Komplikationen

Pneumologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Internistische Basisbehandlung von Erkrankungen der Atemwege, der Lunge, des Lungenkreislaufs, des Mediastinum, der Pleura, der Atempumpe einschließlich schlafbezogener Atmungsstörungen sowie der extrapulmonalen Manifestationen pulmonaler Erkrankungen
  • Grundlagen allergologischer Erkrankungen

Rheumatologische Basisbehandlung

  • Weiterführende Diagnostik, Therapie und Rehabilitation entzündlich-rheumatischer Systemerkrankungen sowie entzündlicher Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Internistische Basisbehandlung von entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen sowie entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Hämatologie und Onkologie

  • Prävention, Differentialdiagnose, Therapieoptionen und Nachsorge der Erkrankungen des Blutes, der blutbildenden Organe und des lymphatischen Systems einschließlich der hämatologischen Neoplasien, der unterschiedlichen soliden Tumoren, humoraler und zellulärer Immundefekte, sowie der systemischen medikamentösen, insbesondere der chemotherapeutischen Behandlung maligner Erkrankungen, auch unter Berücksichtigung des höheren Lebensalters
  • Epidemiologie, Screening, Prävention und Prognosebeurteilung maligner Erkrankungen
  • Stadieneinteilung, Management, Therapiestrategien und Prognoseabschätzung hämatologischer Systemerkrankungen sowie solider Tumorerkrankungen

Diagnostische Verfahren in der Hämatologie und Onkologie

  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Sonographien und Röntgendiagnostik sowie von weiteren bildgebenden Verfahren
  • Indikationsstellung bildgebungsgestützter und interventioneller Verfahren der lokalen Tumortherapie
  • Ultraschallgestützte Punktionen an Lymphknoten und Weichteiltumoren sowie an der Leber
  • Punktionen des Liquorraumes
  • B-Modus-Sonographie der Subcutis und peripheren Lymphknotenregionen
  • B-Modus-Sonographie der Gesichts- und Halsweichteile
  • B-Modus-Sonographie von Ergüssen in serösen Körperhöhlen
  • Durchführung und Befunderstellung spezieller Laboruntersuchungen einschließlich Funktionsprüfungen, immunologischer und molekularer Diagnostik des peripheren Blutes, des Knochenmarks, anderer Körperflüssigkeiten sowie zytologischer Feinnadelaspirate, davon
    • peripherer Blutausstrich (Richtwert: 500)
    • Knochenmarkausstrich (Richtwert: 500)
    • zytochemische Färbungen
    • zytologische Präparate anderer Körperflüssigkeiten oder Feinnadelaspirate
  • Knochenmarkaspiration und Knochenstanzbiopsie
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation immunologischer und molekularer Zelldiagnostik

Therapeutische Verfahren in der Hämatologie und Onkologie

  • Grundlagen der Hochdosistherapie und spezieller zellulärer Therapieverfahren
  • Therapie nicht-maligner hämatologischer Erkrankungen
  • Durchführung, Überwachung und Nachsorge von systemischer Tumortherapie bei soliden Tumorerkrankungen und hämatologischen Neoplasien unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes und der Komorbiditäten des Patienten, von Wirksamkeit und Sicherheit der Arzneimittel sowie von Nutzen und Zusatznutzen, davon in Behandlungsfällen bei
    • hämatologischen Neoplasien (Richtwert: 200)
    • soliden Tumorerkrankungen (Richtwert: 400)
  • Behandlung von Spätfolgen nach medikamentöser Tumortherapie
  • Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen, interventionellen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren sowie deren prognostische Beurteilung im multidisziplinären Team
  • Falldarstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz (Richtwert: 50)
  • Behandlung von Patienten mit febriler Neutropenie
  • Behandlung des onkologischen Patienten im höheren Lebensalter
  • Spezielle palliativmedizinische Betreuung bei Patienten mit Systemerkrankungen und malignen Tumoren
  • Behandlung von hämatologischen und onkologischen Notfällen

Gerinnungsstörungen

  • Diagnostik, Beratung und Therapie von
    • angeborenen und erworbenen hämorrhagischen Diathesen
    • angeborenen und erworbenen Hyperkoagulopathien
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Globaltests der Blutgerinnung und zur Kontrolle des Fibrinolysesystems sowie Einzelfaktorbestimmungen

Supportivtherapie

  • Supportivtherapie bei Tumorerkrankungen einschließlich antiemetischer Therapie, Ernährung und Diätetik
  • Einleitung und Überwachung von Rehabilitationsmaßnahmen
  • Infektionsprophylaxe und Behandlung von Infektionen
  • Situationsgerechte Kommunikation mit Patienten und Angehörigen einschließlich psychosozialer Aspekte bei lebensbedrohlichen oder fortgeschrittenen onkologischen und hämatologischen Erkrankungen

Quellen: (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2018, Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2022, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
 


Aktuelle Stellenangebote in diesem Fachgebiet:

Assistenzarztstellen Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie
Facharztstellen Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie
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