Männer nutzen Netzwerke effektiver für ihre Karriere

6 Januar, 2026 - 07:26
Dr. Sabine Glöser
Geschäftsmann in Anzug zeigt auf ein vernetztes Symbol mit Personen-Icons, das zentrale Netzwerk und Kommunikation darstellt.

Frauen und Männer haben unterschiedliche kognitive Wahrnehmungsmuster, wenn es um soziale Verbindungen am Arbeitsplatz geht. Während Frauen ein feineres Gespür für Beziehungen haben, nutzen Männer Netzwerke effektiver für ihren Aufstieg. Das zumindest ist das Ergebnis mehrerer Studien eines internationalen Forscherteams.

Eric Quintane (ESMT Berlin), Matthew Brashears (University of South Carolina), Helena V. González-Gómez (NEOMA Business School) und Raina Brands (UCL School of Management) fanden in drei Studien mit mehr als 10 000 Teilnehmenden ein Muster heraus: Frauen erinnern sich zwar genauer an Beziehungsgeflechte in dichten und vertrauten Netzwerken. Doch sobald Netzwerke offener und weniger verbunden sind und sogenannte strukturelle Löcher aufweisen, verschwindet dieser Vorsprung.

Strukturelle Löcher entstehen den Forschenden zufolge beispielsweise in abteilungsübergreifenden Projektteams, in denen sich viele untereinander kaum kennen und Informationen über wenige Mitarbeitende fließen. Auch in informellen Netzwerken rund um Führungskräfte verbinden demnach einige Schlüsselpersonen mehrere Entscheidungsträger miteinander, während andere keinen direkten Zugang haben. In beiden Fällen gewinnen die Mitarbeitenden an den Schnittstellen an Einfluss. „Frauen scheinen stärker auf ein mentales Schema der triadischen Schließung zurückzugreifen“, sagte Quintane. Sie nehmen eine Beziehung zwischen zwei Menschen an, wenn beide mit einer dritten Person verbunden sind. „Diese gedankliche Abkürzung führt in locker verbundenen Netzwerken mit strukturellen Löchern zu Phantomverbindungen.“

Aus Sicht der Forschenden sollten sich Organisationen der unterschiedlichen Wahrnehmungsmuster von Frauen und Männern bewusst werden und sicherstellen, dass alle Zugang zu Schlüsselpositionen erhielten, in denen es auf das Erkennen und Überbrücken von Netzwerklücken ankomme. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Personnel Psychology erschienen (DOI: 10.1111/peps.12691).

Dtsch Arztebl 2026; 123(1): [4]

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