Medizintouristen bringen 750 Millionen Euro ein

2 Mai, 2023 - 08:13
Dr. Sabine Glöser
Medizintourismus, Symbolbild

Der Medizintourismus in Deutschland hat zu einem stabilen Gleichgewicht zurückgefunden. Im Jahr 2021 brachten Patientinnen und Patienten aus dem Ausland dem deutschen Gesundheitssystem 750 Millionen Euro ein. Zumindest ergab das eine Analyse der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Forschenden setzten dazu Daten von 155.100 Menschen aus dem Ausland ein, die sich 2021 stationär oder ambulant in Deutschland behandeln ließen.

Der Analyse zufolge kommen inzwischen fast 65 Prozent aller Auslandspatienten aus den Nachbarstaaten. An erster Stelle steht Polen (10.383 Patienten), gefolgt von Frankreich (5.958 Patienten). Dagegen ging die Nachfrage in den Beneluxländern um zehn Prozent zurück und im Vereinigten Königreich um 37 Prozent. Die Gesamtzahl der Medizintouristen blieb im Jahr 2021 konstant, trotz der stark gesunkenen Zahl der Anreisen aus dem bis dahin wichtigsten Herkunftsland Russland. „Grund für die beständige Nachfrage nach komplexen medizinischen Behandlungen in Deutschland sind die defizitären oder eingebrochenen Gesundheitssysteme im Ausland“, sagte Mariam Asefi, Leiterin des Forschungsbereichs Medizintourismus an der H-BRS.

Die Nachfrage aus Weißrussland, Georgien und Kasachstan stieg im Pandemiejahr 2021 gegenüber dem Vorjahr deutlich: in Weißrussland um 69 Prozent, in Georgien um 28 Prozent und in Kasachstan um neun Prozent. Die Forschenden der Hochschule erwarten, dass die Nachfrage aus diesen Ländern trotz der aktuellen Indikatoren wie Krieg, Sanktionen und Inflation weiter steigen wird. Auch mit Blick auf die Medizintouristen aus den Golfstaaten gehen sie von einem erneuten Anstieg aus.

Weiteres Ergebnis: In den einzelnen Bundesländern entwickelten sich die Zahlen ausländischer Patientinnen und Patienten unterschiedlich. Während Sachsen, Hessen und Bayern einen Zuwachs zwischen zwei und neun Prozent verzeichneten, gingen die Zahlen in Niedersachsen (minus 30 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 23 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (minus 13 Prozent) deutlich zurück.

Dtsch Arztebl 2022; 120(18): [4]

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