
Wer im Krankenhaus Karriere machen will, braucht neben fachlichen Qualifikationen auch andere Fähigkeiten. Prof. Dr. med. Oliver Bruder, Ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses Essen, berichtet über seine Erfahrungen auf dem Weg nach oben.
Herr Professor Bruder, was braucht es neben der fachlichen Leistung, um Chefarzt zu werden?
Prof. Dr. med. Oliver Bruder: Fachliche Kompetenz ist die Grundlage, aber nicht alles. Wer eine Klinik leitet, muss Menschen zusammenbringen, zuhören können und Vertrauen schaffen. Gute Führung bedeutet, Orientierung zu geben und Verantwortung zu teilen. Ein Chefarzt kann viel bewegen, aber nur gemeinsam mit engagierten Mitarbeitenden.
Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Medizin und Management?
Prof. Dr. med. Oliver Bruder: Die Medizin ist meine größte Motivation. Gleichzeitig gehören
Management, Personalführung und wirtschaftliche Verantwortung zum Alltag eines Chefarztes. Gute Organisation ist dabei kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung, Medizin auf hohem Niveau praktizieren zu können.
Was ist für Sie als Chefarzt die größte, nicht fachliche Herausforderung im Klinikalltag?
Prof. Dr. med. Oliver Bruder: Die größte Herausforderung ist, den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden. Medizin entwickelt sich rasant, gleichzeitig nehmen Bürokratie und wirtschaftlicher Druck zu. Hinzu kommt die Aufgabe, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu begeistern.
Warum interessieren sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte für eine Karriere im Krankenhaus?
Prof. Dr. med. Oliver Bruder: Junge Ärztinnen und Ärzte sind nicht weniger engagiert, sie stellen nur andere Fragen – nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Erwartungen sind berechtigt.
Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten, die nach oben wollen?
Prof. Dr. med. Oliver Bruder: Bleiben Sie neugierig und suchen Sie sich ein Gebiet, für das Sie brennen. Nutzen Sie die Möglichkeiten in Forschung und Lehre, suchen Sie sich gute Mentorinnen und Mentoren und übernehmen Sie früh Verantwortung.
Dtsch Arztebl 2026; 123(20): [4]



