Schuberts Sprechstunde: „Ein Leitender Oberarzt mobbt seine Kollegen – was kann ich tun?“

5 August, 2025 - 07:42
Dipl.-Psych. Petra Schubert
Schuberts Sprechstunde: Dipl.-Psych. Petra Schubert
Dipl.-Psych. Petra Schubert

Dipl.-Psych. Petra Schubert berät seit vielen Jahren Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft zu Themen rund ums Personalmanagement. An dieser Stelle beantwortet sie die interessantesten Fragen, die Ärztinnen und Ärzte aus der Klinik ihr in Coachings stellen.

Ein Leitender Oberarzt mobbt seine Kollegen – was kann ich tun?

„Ich bin Leitender Oberarzt eines kleinen Teams, das eng und gut mit einer anderen Klinikabteilung zusammenarbeitet. Schon öfter haben Kollegen der anderen Klinik berichtet, dass der dortige Leitende Oberarzt seine Kollegen mobbt. Er macht sie in Terminen vor Patienten runter, äußert sich abfällig oder beschwert sich gegenüber dem Chefarzt über sie. Oft spricht er hinter dem Rücken der Kollegen. Falls er direkt mit ihnen spricht, will er sich aus Sicht der Betroffenen selbst hervorheben oder die anderen degradieren. Es gibt Kolleginnen, die aus den Gesprächen weinend herauskommen. Es kann doch nicht sein, dass eine Führungskraft so mit Mitarbeitenden umgeht. Ich habe mit meinem Chefarzt gesprochen, der sich jedoch nicht einmischen will. Ich finde das schwierig. Ich habe bisher nichts angestoßen, da ich nicht weiß, wie mein Chef darauf reagieren würde. Was kann ich tun?“

Petra Schubert: „Aus meiner Sicht ist es extrem wichtig, solchen Themen nachzugehen. Das bedeutet, Sie sollten Ihrem Chefarzt sagen, dass Sie auf den Kollegen zugehen und mit ihm reden wollen. Vielleicht ist es am besten, wenn Sie Ihren Kollegen, also den „mobbenden“ Leitenden Oberarzt, zur Seite nehmen, mit ihm einen Kaffee trinken und darüber sprechen, dass sie beobachtet hätten, wie er mit Mitarbeitenden umgeht. Vielleicht gibt es Situationen, die Sie schildern können, in denen Ihr Kollege sich nicht korrekt verhielt. Sie sollten darauf hinweisen, dass es Ihnen wichtig ist, wie insgesamt im Haus mit Mitarbeitenden umgegangen wird und dass Sie ihm wissen lassen wollen, dass andere sehen, wie er vorgeht und dieses Vorgehen nicht gutheißen.

Falls es sich um Mobbing handelt, dies ist ein rechtlich relevanter Begriff, sollten Sie im Normalfall sogar die Betriebsleitung einschalten. Im ersten Schritt gilt es jedoch, Ihrem Kollegen zu verstehen zu geben, dass sein Verhalten auffällt. Sie sollten ihn darauf hinweisen, dass Sie Ihrem und, falls nötig, seinem Chefarzt die Lage darlegen werden.

Auch wenn die Situation schwierig ist, ist es aus meiner Sicht notwendig, mutig zu sein und die Themen anzusprechen – Mobbing dürfen Sie nicht dulden. Ich drücke Ihnen die Daumen.“

Bei uns wird das Bettenmanagement zur Farce – wie gehe ich am besten damit um?

„Normalerweise haben wir deutlich zu wenig Betten. Da wir von der Notaufnahme abhängig sind, werden wir je nach Lage voll belegt oder mit Patienten überhäuft. Dies ist zwar für den Betrieb gut, für die Organisation und die Sicherstellung der Betten jedoch katastrophal. Unser Bettenmanager sieht sich eher als Vermittler, weniger als Entscheider. Verschiedene Stationen prügeln sich schon um Betten. Das geht so weit, dass teils die Assistenz- oder sogar wir Oberärzte die Betten selbst suchen und organisieren müssen. Hinzu kommen die formalen Daten der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV), die uns regelmäßig einen Strich durch die Rechnung machen. Je nachdem, ob in der Pflege gerade Mangel herrscht oder nicht, wird nur eine gewisse Anzahl von Betten freigegeben – von der Pflege! Es kann doch nicht sein, dass die Pflege uns so reingrätscht, dass wir mehrfach am Tag eine unterschiedliche Bettenplanung haben und teils nicht wissen, wie wir Patienten entlassen sollen, da sie noch nicht entlassfähig sind. Was können wir tun, damit sich die Situation bessert?“

Petra Schubert: „Aus meiner Sicht wäre es wichtig, zwei Dinge im Vorfeld zu klären, bevor Sie wieder in das Bettenmanagement einsteigen. Erstens: Was sind die Kompetenzen des Bettenmanagers? Zweitens: Wie ist der Umgang mit der PpUGV im Haus? Falls der Bettenmanager Entscheidungsbefugnis hat, sollten Sie ihm den Hinweis geben, dass er zu entscheiden hat und nicht als Vermittler auftreten kann. Falls sich nichts ändert, sollten Sie Ihre Wahrnehmung Ihrem Chefarzt und dem Vorgesetzten des Bettenmanagers mitteilen. Im besten Fall legen Sie dieses Vorgehen dem Bettenmanager im Vorfeld dar.

Die Pflegepersonaluntergrenzen sind Vorgabe. Insofern ist eher die Frage, wie Ihr Haus mit den Untergrenzen umgeht und ob diese gerissen werden können. Falls die Geschäftsführung entscheidet, diese als Basis zu nehmen, ist es richtig, dass die Pflege ihre jeweiligen Kapazitäten und Ressourcen darlegt. Dies sollte sie jedoch bestmöglich einmal am Tag morgens machen und nicht mehrmals am Tag, was zu kompletter Verwirrung führt.

Insofern plädiere ich dafür, dass das Bettenmanagement morgens in einer gemeinsamen Besprechung festgelegt wird, die Pflege ihre Ressourcen darlegt und der Bettenmanager organisiert, wo er die fehlenden Betten herbekommt. Vielleicht können Sie Ihrem Chefarzt dieses Vorgehen darlegen? Er könnte sich mit der Geschäftsführung, dem Bettenmanager und der Pflege zur Vorgehensweise verständigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“

07.12.2025, DRK-Krankenhaus Mecklenburg-Strelitz GmbH
Neustrelitz
07.12.2025, DRK-Krankenhaus Mecklenburg-Strelitz GmbH
Neustrelitz

Einer meiner Oberärzte kommuniziert unter Stress im Befehlston – was raten Sie mir?

„Ich bin Chefarzt eines relativ großen Teams in der Notaufnahme. Oft haben wir Patienten, die nicht unbedingt in die Kategorie Notfall gehören. Das nimmt unsere Ressourcen stark in Anspruch, was alle belastet. Einer meiner Oberärzte gerät leider in solchen Stresssituationen regelmäßig mit Teamkollegen in Konflikte. Wie mir berichtet wurde, liegt das eindeutig an ihm und nicht an den Kollegen oder Patienten. Der Oberarzt scheint so ungeduldig zu werden, dass er auch in seiner Wortwahl nicht mehr empathisch wirkt, sondern im Befehlston und mit herablassenden Worten kommuniziert. Bis jetzt habe ich nichts unternommen, weil er fachlich exzellent ist und ich nicht auf ihn verzichten kann. Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich vorgehen soll, zumal ich die Information nur vom Hörensagen habe. Was raten Sie mir?“

Petra Schubert: „Das hört sich nach einer Zwickmühle an, in der Sie stecken. Dennoch ist das Verhalten des Oberarztes gegenüber den Kollegen nicht in Ordnung und sollte auf jeden Fall ein Feedback und bei weiteren Verstößen gegebenenfalls weitere Maßnahmen nach sich ziehen.

Aus meiner Sicht ist es gerade beim Hörensagen wichtig, diejenigen, die betroffen sind, mit einzuspannen. Das bedeutet, diese im ersten Schritt zu bitten, dem Oberarzt von sich aus Feedback zu geben. Wichtig ist, dass die einzelnen Teammitglieder in ihrer Verantwortung belassen werden und zunächst versuchen, Unstimmigkeiten untereinander zu klären. Falls dies nicht gelingt und die Betroffenen nachweislich darstellen, dass sie versucht haben, ein Gespräch zu führen, sollten Sie alle zu einem Gespräch einladen. Diejenigen, die den schlechten Umgang des Oberarztes abbekommen, sollten über ihre Wahrnehmung berichten. Danach kann der Oberarzt seine Wahrnehmung darstellen. Alle sollten sich in Ihrem Beisein auf die künftige Zusammenarbeit einigen.

Danach könnten Sie den Oberarzt zur Seite nehmen und mit ihm noch mal ein separates Gespräch führen. Sie könnten ihm darlegen, dass Sie ein solches Verhalten und eine solche Kommunikation in Ihrem Team nicht wünschen. Zudem sollten Sie darauf drängen, dass es in einem bestimmten Zeitraum ein zweites Gespräch gibt, in dem alle Beteiligten berichten, wie der aktuelle Stand ist. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!“

Dtsch Arztebl 2025; 122(16): [2]

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